Legendäre Spiele des VfB (1. FC Lok) Leipzig

Datum

Art

Spielpaarung

Ergebnis

1964 und 1973

Pokalendspiele

Lok - 1.FC Magdeburg

jeweils 2:3

Lok - Magdeburg: Spitzenduelle und zwei Pokalfinals

Zweimal das gleiche Bild: 1964 und 1973 gewannen die Elbstädter gegen VfB-Vorgänger SC Leipzig und Lok Leipzig DDR-Pokalfinals denkbar knapp mit 3:2. Über 50mal standen sich beide Klubs in offiziellen Vergleichen gegenüber, die Partien Magdeburg - Lok Leipzig zählten zu den Knüllern mit vielen namhaften Spielern auf beiden Seiten. Die Punktspiele endeten meist mit sehr knappen Siegen, oft remis. Mit einer großen Ausnahme: Das Punktspiel im Sommer 1963 im Bruno-Plache-Stadion. Da gewannen die Leipziger 4:0. Dies war deshalb ein besonders wichtiger Erfolg, weil der neugegründete SC Leipzig mit einer blamablen 0:3 Niederlage in Zwickau in die Saison gestartet war, der neugebildete Ortsrivale Chemie hatte sein Auftaktspiel gegen Aue gewonnen.

Der SC Leipzig mußte sein erstes Heimspiel also unbedingt gewinnen, um gegen Chemie und die öffentliche Stimmung nicht gleich zu Beginn völlig ins Hintertreffen zu geraten. Wie gesagt, mit 4:0 gewannen die Leipziger überzeugend gegen den SC Aufbau Magdeburg, in dessen Tor damals übrings Hans-Georg Moldenhauer stand, der heutige Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes.

Lok-Jubelszene

Die Leipziger Dieter Engelhardt und Henning Frenzel umarmen sich nach dem 4:0 gegen Magdeburg im Sommer 1963. Torwart Hans-Georg Moldenhauer, heute Präsident des NOFV, schaut resigniert zu seinen Mitspielern.

Doch zwei andere Vergleiche mit den Magdeburgern hatten noch größere Bedeutung. Es waren zwei FDGB-Pokal-Endspiele, beide fanden in Dessau statt. Im Mai 1964 wollte der SC Leipzig die Saison als Tabellendritter mit dem Pokalsieg krönen, zumal Chemie Leipzig in jener Saison überraschend Meister geworden war. Bei brütender Hitze, von Tausenden Fans begleitet, ging der SCL in jenem Finale durch Tore von Michael Faber (8.) und Dieter Engelhardt (37.) mit 2:0 in Führung. Nicht ganz zufällig, denn die Leipziger waren als leichter Favorit ins Rennen gegangen. Doch der SC Aufbau Magdeburg glich durch zwei Treffen von Achim Walter nicht nur aus. In der 93. Minute versetzte Hermann Stöcker den Probstheidaern den entscheidenden Tiefschlag. "Wir waren praktisch stehend k.o.", erinnert sich der damalige Kapitän und spätere VfB-Präsident Karl Drößler noch heute sehr genau. "Wir hatten wohl in der Vorbereitung auf dieses Endspiel auch einen Fehler gemacht, kamen von der Ostsee direkt zum Spiel nach Dessau in die Gluthitze. Das brachte konditionelle Probleme mit sich."

Neun Jahre später - wieder in Dessau - gab es gegen den 1.FC Magdeburg in einem zweiten Pokal-Endspiel wieder einen Genickschlag. Die Leipziger, damals als 1.FC Lok, wurden von 5000 Zuschauern begleitet. Henning Frenzel brachte Lok mit 1:0 in Führung (6. Minute), Manfred Zapf glich aus (19.). Dann schoß Jürgen Sparwasser die Magdeburger mit 2:1 in Front, Wolfgang Altmann erzielte aber das 2:2. Als alle schon mit einer Verlängerung rechneten, gelang erneut Sparwasser ein Tor, das entscheidende zum 3:2. Noch heute ärgert sich Eberhard Köditz über die Schiedsrichter: "Manfred Zapf drückte mich an unserem Strafraum von hinten weg. Ein klares Foul, aber der Pfiff blieb aus. So kam Sparwasser nach dem Konter zum entscheidenden Torschuß."

Frank Baum in den 80er Jahre

Hier eines der vielen Duelle der 80er Jahre: Frank Baum umspielt Jürgen Pommerenke.

Daß Peter Gießner und Wolfram Löwe wegen gelber Karten aus dem Ortsderby gegen Chemie Leipzig fehlten (damals zählten die Verwarnungen für Punkt- und Pokalspiele), war nur eine schwache Ausrede. Übrings: Erst drei Jahre später konnte der 1.FC Lok nach mehreren vergeblichen Anläufen endlich Pokalsieger werden. Der 1.FC Magdeburg begann mit seinem glücklichen Finalsieg von 1973 in Dessau seinen Erfolgsweg bis zum Europa-Pokalsieg 1974 in Rotterdam gegen den AC Mailand (2:0). Dreizehn Jahre später, im Mai 1987, stand der 1.FC Lok unter Trainer Uli Thomale in Athen gegen Ajax Amsterdam im Europacup-Finale (0:1). In Pokalspielen waren also beide Vereine nicht zufällig die erfolgreichsten DDR-Vereine.

von Ronny John

Zurück zu: Startseite     Fußball: Übersicht    Fußball: Legendäre Spiele-Übersicht


Design / Inhalt: Lutz Heinrich und Ronny John im Auftrag des VfB Leipzig! © 1998 by lh-creativ