Legendäre Spiele des VfB (1. FC Lok) Leipzig

Datum

Art

Spielpaarung

Ergebnis

31.05.1903

Deutsche Meisterschaft

VfB Leipzig - DFC Prag

7:2

Als Schiedsrichter Behr auch noch den Eintritt kassieren mußte ...

wurde der VfB vor 95 Jahren erster Deutscher Meister. Vor fast genau 95 Jahren waren die wackeren VfB-Urväter mit den Gedanken bereits ganz weit weg. Genauer gesagt in Altona, das damals noch nicht zu Hamburg gehörte. Dort wartete nämlich wenige Tage später ein alter Bekannter auf den VfB: Der Deutsche Fußballclub Prag. Und zwar zu keinem geringeren als zum allerersten Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft.

Gerade wenige Tage zuvor hatte der Mitteldeutsche Meister VfB Leipzig den Altonaer FC in Leipzig in einem turbulenten Halbfinale mit 6:3 bezwungen. Nun wartete der ganz große Wurf auf die Leipziger. Also ging es Pfingsten 1903 gen Norden. Gleichzeitig nahm eine interessante Entwicklung ihren Beginn: Im Fußball von Probstheida spielten die Pfingstfeiertage ab da sehr oft eine wichtige Rolle. So wurde zum Beispiel der 1.FC Lok Pfingsten 1966 Intercup-Sieger, womit den Leipzigern als erster DDR-Klubmannschaft der Gewinnen einer internationalen Trophäe gelang. Und Pfingsten 1981 wurde der 1.FC Lok mit einem 4:1 gegen FV Vorwärts Frankfurt/Oder Pokalsieger.

Zeitungsartikel von 1903

Hier ein Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1903. Mehr gab es über das Spiel nicht (also auch keine Fotos).

Aber das bedeutendste und denkwürdigste Pfingstereignis blieb wohl jene erste Deutsche Meisterschaft. Es ist amüsant und spannend zugleich, nachzulesen, was Presseberichte und Dokumentationen des Deutschen Fußball-Bundes über jenes erste Endspiel zu berichten wußten. Der VfB hatte vor diesem ersten deutschen Finale auf Grund von Krankheiten und Verletzungen große Besetzungsprobleme. Doch im Kicker-Almanach von 1940, der die Geschichte der deutschen Fußball-Endspiele beschrieb, hieß es über die Klasse der Leipziger: "Der VfB zeigte in dieser knifflig-kritischen Lage den Hauptbestandteil seines Wesens: eine Unentwegtheit sondergleichen und einen unbrechbaren Fightergeist, Eigenschaften, die ihm bis zum letzten Endkampf vor dem Weltkrieg treu blieben und ihn zum größten Deutschenmeisterschaftskämpfer jener Zeit stempeln."

Adelbert Friedrich

"Bert" Adelbert Friedrich: Meister 1903, 1906 und 1913, 1 DFB-Auswahlspiel.

Mit dem Nachtzug kamen die Leipziger erst wenige Stunden vor dem Spiel in Altona an. Ein Chronist jener Zeit beschrieb die Umstände so: "Mit Nachtfahrt waren sie ans Ziel gekommen, hatten teil- und zeitweise in überfüllten Zügen stehen müssen .... Früher zu fahren, war einmal aus geldlichen Gründen unmöglich. Dann gab es damals noch keine Freizeit zu sportlichen Zwecken, ja der freie Samstagnachmittag war kaum bekannt und in gewissen Kontoren und Geschäften herrschte sogar am Sonntagvormittag Betrieb." Auch aus diesem Grunde wurde das Meisterschaftsendspiel auf Pfingsten gelegt, wie die Finalspiele in den folgenden Jahren auch. Über einige äußere Umstände des Spiels in Altona liest man anderswo: "Die Schaulustigen pilgerten zur Altonaer Exerzierweide, wo der Vorsitzende des Altonaer FC 93, Franz Behr, schon mit einem Seit das Feld umrandet hatte ... Mit Sägespänen waren die Linien gezogen. Behr sammelte auf Tellern von den 2000 Besuchern das Eintrittsgeld ein und war dann auch noch Schiedsrichter jenes ersten Finalspiels." Dann gab es da auch noch die berühmte Panne mit dem defekten Spielball, der neue Ball konnte erst nach etwa 30 Minuten besorgt werden ..."

Dr. Ernst Raydt

Dr. Ernst Raydt: Meister 1903, Mitbegründer des DFB im Jahr 1900 in Leipzig.

Der VfB Leipzig schlug Prag schließlich überzeugend mit 7:2, in einem Pressebericht hieß es nach einer frühen Prager Führung: "Das war das letzte Lebenszeichen Prager Torgestaltungskraft. Leipzig öffnete nun die Schleusen seiner Kombinationskanäle und überschwemmte das Prager Tor mit Angriffen und Schüssen." Es folgten in den folgenden Jahren immerhin vier weitere Endspielteilnahmen - zwei davon waren 1906 und 1913 erfolgreich.

Heinrich Riso

"Heini" Heinrich Riso: Meister 1903 und 1906, 2 Länderspiele

Übrings: Der erste Titel am 31. Mai 1903 zeigt, wie sehr der Fußball noch in den Kinderschuhen steckte. Keine einzige Fotografie ist bis heute vom Endspiel überliefert. Vielleicht hat ja auch keiner auf den Auslöser gedrückt.

von Ronny John

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