Legendäre Spiele des VfB (1. FC Lok) Leipzig

Datum

Art

Spielpaarung

Ergebnis

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Oberliga-Spiele

1.FC Lok - Wismut Aue

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Gegen die "Veilchen" ging es oft sehr stürmisch zu

Die diesjährige Regionalliga Nordost wurde in den vergangenen Wochen und Monaten oft mit der ehemaligen DDR-Oberliga verglichen. Viele Duelle der letzten Jahrzehnte erlebten inzwischen eine mehr oder weniger spannende Neuauflage. Eines der traditionsreichsten Begegnungen, sind die Spiele zwischen Aue und Lok bzw. die Vorgänger der 50er und 60er Jahre. Sie standen sich in Punktspielen 52 mal gegenüber! Sehr oft ging es in Probstheida oder im Lößnitztal spannend, und am Ende sehr eng zu. Wer mit den "Veilchen" zu tun bekam, hatte selten einen Spaziergang vor sich. Schon gar nicht im Lößnitztal.

In den 50er Jahren gehörte Wismut Aue zu den herausragenden und erfolgreichsten Mannschaften der Oberliga (von 1954 bis 1963 spielte man in Aue unter dem Klubnamen SC Wismut Karl-Marx-Stadt). 1956, 1957 und 1959 wurde Wismut DDR-Meister - Männer wie Manfred Kaiser, Bringfried Müller, Willi Tröger und die "Wölfe" (Karl und Siegfried Wolf) prägten die Erzgebirgler. In den Leipziger Mannschaften waren damals Namen wie Siegfried Fettke, Wolfgang Pröhl, Horst Scherbaum oder Günter Busch, Rude Krause und Heinz Fröhlich aktuell.

Aber auch folgende Spielergenerationen in Aue und bei Lok Leipzig schrieben ereignisreiche Kapitel der Oberliga-Geschichte. Peter Gießner mit seinen mehr als 300 Oberligaeinsätzen erinnert sich an zahlreiche Duelle mit der Mannschaft aus dem Erzgebirge noch ganz genau: "Die Auer hatten stets gestandene Spielerpersönlichkeiten in ihren Reihen. Vor allem die Partien im damaligen Otto-Grotewohl-Stadion in Aue waren für jede Mannschaft schwer zu bestehen, denn Wismut war sehr heimstark, konnte bis zum Umfallen kämpfen. Und wir waren oft sehr froh, wenn wir dort ein Remis erreichten. Wenn ich mich recht erinnere endeten viele Partien mit knappen Resultaten, mal für uns, mal für Wismut Aue." Stimmt, denn Ergebnisse wie das 6:2 in der Saison 1953/54 in Aue oder das 6:1 in der Spielzeit 1980/81 in Leipzig für Lok hatten Seltenheitswert. Eine Besonderheit kennzeichnete das Lößnitztal besonders: Wenn der Winter Einzug hielt, war in Aue auf Schneeboden kaum etwas zu bestellen. "Ich vermute, die Auer hatte die Schneeverhältnisse auf dem Spielfeld oft sehr geschickt präpariert", argwöhnt Peter Gießner noch heute.

Szene aus einem Spiel von 1982

Eine typische Szene aus dem Auer Lößnitztal: Lok-Stürmer Dieter "Zwecke" Kühn beim Kopfball in einer Punktspielpartie aus dem Jahre 1982. Aue ließ nichts anbrennen und gewann gegen Lok klar mit 3:0.

Die besten Erfahrungen mit Wismut Aue machte unser heutiger Cheftrainer Uli Thomale. "Nach mehreren Jahren im Nachwuchsbereich hatte ich in Aue von 1980 bis 1965 meine erste Stelle als Oberligatrainer.", erzähl er. Nicht ohne Stolz kann er auf die Tatsache verweisen, daß Aue dem Oberligaabstieg knapp entgangen war, als er seine Tätigkeit im Lößnitztal begann. "Als ich Aue verließ, um zu Lok Leipzig zu kommen, wurden wir Tabellenvierter und Wismut Aue spielte nach vielen Jahrzehnten wieder im Europacup."

Uli Thomale konnte sich auf solche gestandenen Spieler wie Jörg Weißflog, Harald Mothes, Volker Schmidt oder Uli Ebert stützen, von denen er einige während seiner Auer Zeit in Auswahlmannschaften führte. Besonders erinnert sich der Trainerfuchs an das fanatische, aber auch sehr kritische Publikum: "Wir hatten oft mit den Wismut-Kumpeln direkten Kontakt. Und wenn wir Mist gespielt hatten, bekamen wir manches von den hart arbeitenden Männer direkt ins Gesicht gesagt." Eine angenehmere Seite: Thomale bezog von ihnen auch Grubenschnaps, den sogenannten Kumpeltod. "Der war bei Werkstatt-Terminen für das Auto oft sehr hilfreiche, denn er war ziemlich begehrt", erinnert sich Uli Thomale, dessen Trainerassistent übrings Konrad Schaller war, der auch mal in Probstheida im Plache-Stadion gespielt hatte.

Dieses Jahr wird es wohl wieder harte und schwere Spiele gegen Aue geben - wie in vielen gemeinsamen Oberliga-Jahren.

von Ronny John

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