34. Spieltag

Regionalliga Nordost

 Saison 1998/99

Spieldaten VfB Leipzig

VfB Leipzig

5

FC Sachsen Leipzig

FC Sachsen Leipzig

0

Datum 15. Mai 1999
Uhrzeit 14.00 Uhr
Spielstätte Bruno-Plache-Stadion (Leipzig)
Zuschauer 7.200
Schiedsrichter Fleske (Schönow)
Torfolge 1:0 Edmond (24.), 2:0 Hornung (42.), 3:0 Do Santos (54.), 4:0 Seifert (60.), 5:0 Mbidzo (77.)
Gelb Edmond, Do Santos - Filipovic
Gelb-Rot -
Rot -
Besonderes Vorkommnis Spiel für 15 Minuten unterbrochen, weil ca. 150 Fans aufs Feld stürmten.
Aufstellung VfB Leipzig Gunnar Grundmann
Frank Edmond
Thorsten Görke
Marco Rose
Torsten Jülich
Ronald Werner
Farai Mbidzo
Reimund Mimuß
Patrick Hornung
Frank Seifert
Fernando do Santos (ab 82. Norman Loose)
Trainer: Dragoslav Stepanovic
Aufstellung FC Sachsen Leipzig Frank Schöne
Steffen Hammermüller
Bela Virag
Marco Förster
Frank Rietschel
Boris Lucic
Holger Krauß
Sven Baum
Holger Lischke (ab 46. Marc Gerloff)
Almir Filipovic (ab 56. Markus Aerdken)
Maik Eidtner
Trainer: Uwe Ferl
Interviews Dragoslav Stepanovic (VfB-Trainer) "Nach dem Vorfall haben wir wie entfesselt gespielt. Der Fußball hat am Ende über die Gewalt gesiegt. Und ich muß vor allem die sehr faire Spielweise von beiden Teams loben. Heute klappte auch alles, da kein Druck mehr da war und der Kopf so frei war und wie man gesehen hat: Schon lief es."
Uwe Ferl (FCS-Interimscoach) "Das 0:5 ist nur scher zu verdauen. Nur ein kurzes Aufbegehren nach das Pause, das war zu wenig gegen einen Gegner, der zwar keine Bäume ausriß, aber genau unsere Schwachstellen erkannte. Nach dem 0:1 schöpften wir noch Hoffnung, aber mit solch ideenlosem Spiel nach vorn war der VfB nicht zu erschrecken."
Gerd Achterberg (FCS-Manager) "Glückwunsch, wenn der VfB immer so gespielt hätte, wäre er aufgestiegen. Dazu ist die Beziehung zwischen beiden Vereinen viel besser, als mancher in der Stadt wahrhaben will. Wir haben Filipovic übrings ausgewechselt, weil er sich ständig mit dem Schiedsrichter anlegte. 15 von 34 Spielen haben wir in Unterzahl beendet, das reicht. Wir sind regelrecht abgeschlachtet worden. Der VfB war uns läuferisch, taktisch und technisch überlegen."
Ralph Burkei (VfB-Präsident) "Wir stehen uns im Hintergrund sehr gut. Auch wenn es in der Öffentlichkeit manchmal Feuer gibt, aber hinter den Kulissen klappt die Zusammenarbeit. Wir verkaufen ja doch beide die Ware Fußball, die attraktiv sein muß. Heute war das aber doch eher ein Freundschaftsspiel mit nur noch statistischem Wert. Wenigstens haben wir bewiesen, daß wir die Nummer eins in Leipzig sind, und den Fans ein schönes Geschenk gemacht. Nach der Leistung weiß ich: Nächstes Jahr ist endgültig Schluß mit Liga drei. Dann steigen wir auf."
Thomas Till (FCS-Präsident) "Die meisten, die heute spielten, werden Mühe haben, in der neuen Saison einen Stammplatz zu erkämpfen."
Frank Fleske (Schiedsrichter) "Da weder Spieler noch Schiedsrichter angegriffen wurden, stand für mich ein Abbruch nie zur Debatte. Ich habe aber einen Sonderbericht geschrieben. Da wird es vielleicht Konsequenzen geben, aber das liegt nicht bei mir."
Wolfgang Tiefensee (OBM-Leipzig) "Solche Bilder kann Leipzig nicht gebrauchen. Eigentlich ging es um nichts mehr."
Rudi Heyl (VfB-Sicherheits-Chef) "Das Tor wird als einziges nicht fest verschlossen, damit Zugangsberechtigte wie Medienvertreter schnell durchkönnen."
Frank Seifert (VfB-Spieler) "Was die VfB-Fans hier nach dem Schlußpfiff gemacht haben ist schon verrückt, im positiven Sinne. Nach dem 1:0 lief in unserem Spiel fast alle wie von selbst. Wir haben dazu ja auch fast jeden Zweikampf gewonnen. Vorher war die Stimmung gar nicht so gut bei uns, aber Eddi und Werner haben die Mannschaft total heiß gemacht und alle mitgerissen."
Frank Edmond (VfB-Kapitän) "Für Werner und mich ist es ein echter Höhepunkt und eine Frage der Ehre."
Ronald Werner (VfB-Spieler) "Eddi und ich haben heute die jungen Spieler mitgerissen. Die hören wenigstens noch zu und sind nicht gleich beleidigt, wenn der Ton mal härter wird. Unter Uli Thomale war das nicht so, da standen einige unter Naturschutz. Eddi und ich haben unter Trainer Stepanovic das Sagen, wer da nicht mitzieht, wird ausgewechselt. Wenn wir nicht vorangehen, an wem sollen sich die Jungs dann aufrichten?"
Steffen Hammermüller (FCS-Kapitän) "Einige von uns sollten sich künftig wirklich einen anderen Beruf suchen."
Wertung 3,5 Sterne (Für jeden VfB-Fan ein pures Fußballfest - allerdings mit einer schwachen ersten Hälfte.)

Spielbericht

Die VfB-Kicker gewannen das Leipziger Stadtderby absolut souveräne mit 5:0 (!) gegen den FC Sachsen. Damit sorgten die VfB-Spieler für einen versöhnlichen Saisonabschluß, nach dem die Fans in den letzten Wochen nicht gerade mit gutem Fußball verwöhnt wurden. Den Sieg des VfB erlebten 7.200 (davon nur ca. 350 Sachsen-Fans) Zuschauer im Bruno-Plache-Stadion und sorgten somit wenigstens für einen neuen Zuschauerrekord im Plache-Stadion, wenn schon die Zahl vom Hinspiel (und damit der RLNO-Rekord) nicht getopt wurden. Die Partie wurde allerdings von einigen Hooligan-Übergriffen in der ersten Halbzeit überschattet, aber jetzt erst einmal zum Spiel.

Die Elf von Trainer Stepanovic begannen mit einer "stark" verjüngten Aufstellung, da fünf Stammspieler verletzt ausfielen. Als Manndecker kam wieder Thorsten Görke zum Einsatz (wie letzte Woche in Eisenhüttenstadt) und den Ersatz für Manndecker Bancic spielte diesmal Marco Rose. Im Mittelfeld sollten Farai Mbidzo und Torsten Jülich wirbeln und im Sturm kam neben dem Brasilianer Do Santos Frank Seifert zum Einsatz. Die Elf von Sachsen-Interimscoach Uwe Ferl begann wie beim Sieg gegen den SV Babelsberg 03. Das Spiel begann allerdings nicht so heiß auf dem Rasen, wie auf den Rängen. In den ersten zwanzig Minuten tat sich reichlich wenig. Nur ein Freistoß von FCS-Spieler Hammermüller sorgte für Abwechslung. Allerdings strich Hammermüller`s Schuß gute drei Meter an dem Kasten von Gunnar Grundmann vorbei. Dann unterhielt Boris Lucic die VfB-Fans, da er sich ständig am Boden wälzte (zum Teil zu Recht, aber es waren doch auch einige Schauspiel-Aktionen dabei). Dann in der 24. Minuten zur Überraschung fast aller Zuschauer das viel umjubelte Tor zum 1:0 für den VfB. Frank Seifert kann sich rechts außen durch setzten und flankt in die Strafraummitte. Dort steht VfB-Kapitän (und Neu-Torjäger) Frank Edmond Gold richtig und kann fast ohne Problem mit einem Kopfball FCS-Keeper Schöne bezwingen. Zwei Minuten später kommt es dann allerdings zu häßlich Szene, die mit Fußball nichts zu tun haben. Gut 150 VfB-Hools und "Hooligan-Touristen" (laut Polizei-Angaben aus ganz Deutschland angereist) treten ein Stadiontor auf der Dammsitz Seite auf und stürmen das Spielfeld. Das Ziel für die Hooligans war der Gäste-Fanblock, wo die meisten "Chemie"-Fans flüchteten. Die Polizei schritt aber sofort ein und drängte die Hools mit einer Hundertschaft Polizei, die zum Teil aus berittener Polizei bestand, in den Dammsitz-Block zurück. Die Polizei nahm auch einige sogenannte Fans fest, Zahlen wollte die Polizei nicht nennen. Schiedsrichter Fleske mußte das Spiel aber für ca. 15 Minuten unterbrechen, bis die Partie fortgesetzt werden konnte. Für kurze Zeit dachte der Schiedsrichter nach eignen Angaben schon an einen Spielabbruch, auch einige FC Sachsen-Spieler (allen voran Virag) wollten das Spielfeld Richtung Kabine verlassen. Aber der Schiri und die VfB-Verantwortlichen konnten die Fans und Spieler dann beruhigen und es konnte doch weiter gehen. Auch nach der unfreiwilligen Unterbrechung passierte nicht viel auf dem Platz. Jeder Angriff vom VfB oder FC Sachsen endete mit einem Abseits-Pfiff (viele davon waren aber mehr als fraglich). Aber wenigstens tat der VfB nach der Führung etwas für das Spiel, beim FCS war kein Aufbäumen (bzw. der Versuch das Spiel zu machen) zu erkennen. Da hatten man sich, vor allem auf Leutzscher Seite, sicherlich viel mehr erwartet, zu mal der Einsatz bei den meisten Gäste-Spieler nicht stimmte. Aber den VfB-Fans war das egal und sie konnten in der 42. Minute dann noch einmal jubeln. Marco Rose wirft von rechts außen ein, der Ball "taumelt" durch die FCS-Abwehr und landet an der 16-m-Grenze bei Patrick Hornung. Hornung fackelt dann nicht lange und hält drauf und versengt denn Ball rechts unten im FCS-Kasten zum wichtigen 2:0 vor der Pause für den VfB. Wieder sah Sachsen-Keeper Schöne unglücklich aus, hatte aber bei beiden Treffern nicht den Hauch einer Chance. Dann war eine eigentlich sehr schwache erste Halbzeit, die allerdings durch die Ausschreitungen sehr hitzig war, mit nur zwei Torchance (und zwei Toren) zu Ende.

Die zweite Halbzeit begann der VfB ohne Veränderung, warum auch? Beim FC Sachsen kam Gerloff für Stürmer Holger Lischke (der ja zum VfB zurück kommt). Anscheint wollte Sachsen das Ergebnis "halten". Am Spiel änderte sich nicht viel. Sachsen stand hinten drin und der VfB stürmte, dazu wirkte die FCS-Abwehr meistens wie ein löchriger Käse, die nur durch die Abseitsfalle überzeugen konnte. In der 54. Minute mißlang diese aber kräftig und VfB-Brasilianer (der ja vielleicht bald Verstärkung aus Brasilien bekommt) Fernando do Santos schüttelt sein Gegenspieler ab und hat jetzt nur noch Schöne vor sich. Aber Fernando entschied sich nicht zum umspielen des Keepers sondern versuchte aus gut zwanzig Meter einen Heber über den herausstürmenden Schöne. Und dieser Heber gelang auch mit Perfektion und so stand es nach einem typischen brasilianischen Tor 3:0 für den VfB. Der Jubel im Stadion kannte jetzt schon kein halten mehr und es sollte noch besser werden. Die komplette Sachsen-Mannschaft gab sich anscheint schon auf und öffnete dem VfB-Sturm Tür und Tor. In der 60. Minute war es dann schon wieder so weit. Frank Seifert bekommt einen perfekten Paß (ich glaube von Torsten Jülich oder Reimund Mimuß) in den lauf gespielt und geht nun völlig alleine auf Schöne zu. Seifert versucht allerdings keinen Heber, sondern umspielt den entnervten Schöne und kann zum 4:0 vollenden. Nun war die Stimmung am Stadion am überkochen und der große Teil der Sachsen-Anhänger verließ jetzt schon das Stadion. Nach dem 4:0 ließ es der VfB dann etwas ruhiger angehen und der FC Sachsen konnte wieder etwas aufkommen. Allerdings wurden die Leutzscher nur durch zwei Freistöße von Boris Lucic (65.) und Hammermüller (73.) gefährlich. Beim VfB überzeugten im defensiven Mittelfeld vor allem Torsten Jülich und Ronald Werner, die sich mit perfekten (und vor allem fairen) Derby-Einsatz präsentierten und fast jeden Zweikampf gewannen. Die VfB-Fans kamen dann aus dem Jubel nicht mehr heraus als VfB-Afrikaner Farai Mbidzo zum 5:0 einschob. Fernando do Santos und Frank Edmond arbeiten sich mit perfekten Doppelpaß Spiel sich bis zur Torgrundlinie durch. Dort paßt Do Santos in die Mitte und da steht Mbidzo Gold richtig und braucht nur noch seinen Fuß hinhalten. Nach dem 5:0 schwappte dann die Welle durch das Plache-Stadion (das nur noch von VfB-Fans bevölkert war, da die Sachsen-Anhänger das Stadion bereits verließen). Die restliche Zeit spielten die beiden Mannschaft die Zeit nur noch runter. Nur Lucic (83.), Mimuß (86.) und Edmond (88.) sorgten noch einmal für Gefahr. Aber das war eigentlich egal, denn jeder im Stadion war mit dem Ergebnis zufrieden. Dann pfiff Schiri Fleske ab und die VfB-Fans konnten ihre Mannschaft feiern. Zum Saisonabschluß wurden dann auch in der Fankurve die Stadiontore geöffnet und man konnte so mit der Mannschaft den verdienten Sieg im Prestige-Duell feiern.

Das Fazit: Ein völlig verdienten Sieg für den VfB, auch wenn er vielleicht um ein Tor zu hoch ausgefallen ist. Allerdings hätte der VfB auch noch das ein oder andere Tor schießen können, denn diesmal kombinierten die VfB-Spieler. Das heutige Spiel war eine Entschädigung für die letzten Spiele und eine Genugtuung für die VfB-Fans. So hätte man die Mannschaft in dieser Saison sicherlich öfters sehen wollen: Sie kombinierte, hatte das Spiel im griff und Bewies die spielerische Klasse. Die ganze Mannschaft ragerte und kein Ball wurde als verloren gegeben. Aber die Saison war nun mal schon vor drei, vier Spieltagen gelaufen. Jetzt können wir uns auf die nächste Saison freuen, auch wenn es wieder nur Drittliga-Fußball im Plache-Stadion zu sehen gibt, aber vielleicht gelingt dann der erhoffte Aufstieg. Beim VfB kann man eigentlich niemand hervor heben, den heute überzeugten alle. Aber besonders Seifert und Do Santos konnten in der Offensive überzeugen. In der Defensive ackerten wieder Edmond und Jülich und der Kapitän konnte wieder sein Torinstinkt beweisen.

Also freuen wir uns auf die nächste Saison, vielleicht sehen wir uns schon bei dem ein oder anderen Freundschaftsspiel und in der nächsten Saison soll es dann richtig mit Fotos und Videos von den Spielen des VfB hier auf der Homepage los gehen, laßt Euch überraschen (ich bemühe mich derzeit um eine digitale Videokamera, die ich aber nur mit Hilfe des VfB bzw. eines Sponsors bezahlen kann, sonst müßt Ihr Euch mit meiner "alten" Kamera abfinden;-(

(von Ronny John)

Zurück zu: Startseite     Saison-Übersicht     Fußball-Übersicht


Design / Inhalt: Lutz Heinrich und Ronny John im Auftrag des VfB Leipzig! © 1999 by LH-creative