14. Spieltag

Regionalliga Nordost

 Saison 1999/2000

Spieldaten VfB Leipzig

VfB Leipzig

2

1.FC Union Berlin

1.FC Union Berlin

3

Datum 13. November 1999
Uhrzeit 14.00 Uhr
Spielstätte Bruno-Plache-Stadion (Leipzig)
Zuschauer 4.600
Schiedsrichter Heynemann (Magdeburg)
Torfolge 0:1 Nikol (20.), 1:1 Reich (30.), 1:2 Härtel (72.), 1:3 Härtel (78.), 2:3 Reich (85.)
Gelb Görke, Bancic - Härtel, Koilov, Andonov, Popov
Gelb-Rot -
Rot -
Aufstellung Leipzig Gunnar Grundmann
Burkhard Reich
Thorsten Görke
Dirk Dorbath
Frank Räbsch (ab 79. Fernando do Santos)
Ronald Werner
Peter Vougt
Torsten Jülich (ab 33. Ivica Bancic)
Marco Rose
Frank Seifert (ab 79. Igor Lazic)
Alexander Dürr
Trainer: Joachim Steffens
Aufstellung Union Berlin Kay Wehner
Jens Härtel
Tom Persich
Daniel Ernemann
Michael Zechner (ab 89. Gert Müller)
Jörg Schwanke
Christo Koilov
Ronny Nikol
Jiri Balcarek (ab 82. Dian Popov)
Steffen Menze (ab 90. Jens-Uwe Zöphel)
Jvaylo Andonov
Trainer: Georgi Wassilew
Interviews Achim Steffens (VfB-Trainer) "Ich will heute über meine Mannschaft sprechen. Es hat jeder alles gegeben. Diese Tugend reichte aber heute nicht aus, um gegen den Spitzenreiter zu gewinnen. Dass die drei Tore durch drei Standartsituationen fielen ärgert mich aber schon sehr. Besonders das erste Tor war sehr dumm, denn wir haben immer über schnell ausgeführte Freistöße gesprochen. Union hat die individuell besseren Spielern in ihren Reihen, damit will ich aber keinen meiner Spieler zu nahe treten. Ich möchte aber anmerken, dass zwei der besten Unioner, wenn es damals nach mir gegangen wäre, in Leipzig gespielt hätten. Doch ein Härtel war laut Halata zu langsam und bei Nikol mochte man den Spielervermittler nicht. Aber ich bin ja nicht hier, um über alte Zeiten zu sprechen. Wir kämpfen weiter und es wird immer weitergehen, schon nächste Woche in Hütte. Wir bräuchten einige neue Spieler, die spielerische Klasse besitzen. Doch dafür ist derzeit kein Geld da, unseren Tugenden reichen auf Dauer nicht."
Georgi Wassilew (Union-Trainer) "Ich möchte mich bei meinen Spieler für das gute Spiel, besonders in der zweiten Hälfte, bedanken. Wir überzeugten vor allem spielerisch. Aber man muss bedenken, wie viele Chancen wir uns rausgespielt haben, aber kläglich versiebt haben. Zum VfB: Die Leipziger haben eine gute Mannschaft. Aber auf den Spielern lastet derzeit ein zu großer Druck. Spätestens nach der Winterpause wird der VfB wieder zuschlagen. Härtel und Menze haben mich heute am meisten überzeugt."
Burkhard Reich (VfB-Spieler) "Es ist schön, wenn man Tore schießt. Aber ich hätte lieber keine Tore gemacht, wenn wir gewonnen hätten. Es zählt allein nur der Erfolg der Mannschaft!"
Bertram (Union-Präsident) "Ich möchte den Leipzigern Mut machen. Vor zwei Jahren sah es bei uns ähnlich aus, jetzt sind wir wieder ganz oben. Bleiben Sie tapfer und halten Sie zu ihrer Mannschaft. Ich wünsche, dass der VfB als Traditionsmannschaft es schafft, zu überleben."
Helmut Sixt (VfB-Schatzmeister) "Ich möchte ein bestimmtes Wort nicht mehr in den Mund nehmen und das mache ich auch jetzt. Es geht auf jeden Fall weiter, besonders nach dem heutigen Tag mit dem guten Spiel unserer Mannschaft. Hoffentlich gibt es nächste Woche den Lohn für die Mannschaft."
Jens Härtel (Union-Spieler) "Man darf in dieser Liga keinen unterschätzen, erst recht nicht den VfB! Die Leipziger haben eine körperlich sehr robuste Mannschaft und sie haben in der ersten Halbzeit auch sehr gut gespielt. Wir hatten also alle Hände voll zu tun und waren etwas unkonzentriert. Aber in der zweiten Hälfte ging der Sieg dann klar in Ordnung, dass dürfte jeder gesehen haben. Wir haben Riesenchancen gehabt, doch der VfB-Keeper hielt viele Bälle sehr toll. Aber wir haben ja gewonnen..."
Rolf Rau (VfB-Präsident) "Einen stärkeren Gegner haben wir diese Saison noch nicht gehabt."
Wertung 3,5 Sterne (Besonders in der zweiten Hälfte ein sehr unterhaltsames Spiel, mit vielen tollen Spielzügen der Gäste!)
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Spielbericht

Bei eisigen Temperaturen und vor 4.600 Zuschauer (darunter über 700 Union-Fans) im Bruno-Plache-Stadion verlor der VfB gegen den Spitzenreiter der Regionalliga, Union Berlin, mit 2:3. Der Sieg für die Hauptstädter ging durch die spielerische Klasse im Mittelfeld und den zahlreichen (zumeist ungenutzten) Chancen vor allem in der zweiten Halbzeit in Ordnung. Aber auch die Leipziger konnten durchaus überzeugen und boten heute das, was möglich war. Besonders im Mittelfeld konnte man den Unterschied zwischen einer Spitzenmannschaft und dem heutigen VfB ausmachen! Wie Trainer Steffens zeigten sich auch die Fans mit dem Einsatz der Mannschaft zufrieden und mit etwas mehr Glück hätte es heute durchaus einen Punktgewinn geben können! Aber nun zum Geschehen auf dem Platz:

Trainer Achim Steffens ließ heute den Brasilianer Fernando do Santos auf der Bank, dafür rückte Dirk Dorbath wieder in die Anfangsformation. Auch Torsten Jülich bekam wieder eine Chance auf Linksaußen, dafür durfte der Kroate Ivica Bancic neben Do Santos Platz nehmen. Auf der Ersatzbank versammelten sich heute übringens nur vier Spieler: Neben Bancic, Do Santos und Ersatztorwart Koslowski saß Igor Lazic wieder auf der Reservebank. Der Grund dafür war das zeitgleiche Spiel der II. Mannschaft in Dessau, wofür Trainer Steffens einige Spieler (z.B. Gunkel oder Maik Kunze) abstellte! Das Spiel begann äußerst schwungvoll. Schon in der 3. Minute wurde Marco Rose mit einem Schuss nach einem Eckball gefährlich, der Richtung kurzen Pfosten ging! In der Anfangsphase gab es dann gleich drei Ecken für den VfB hintereinander, doch (wie immer?) konnte man daraus kein Kapital schlagen. In der 6. Minute waren dann die Unioner dran. Nach einer Eingabe von rechts, kommt Union-Stürmer Jvaylo Andonov in der Mitte fast unbedrängt zum Kopfball, doch Gunnar Grundmann hält den Kopfball aus fünf Metern sicher. In der 15. Minute hätte dann eigentlich das 1:0 für die Leipziger fallen müssen! Alexander Dürr entkommt seinen Gegenspieler, läuft allein auf Union-Keeper Wehner zu und umspielt ihn dann auch noch fast perfekt. Aber halt nur fast perfekt: Dürr kommt dabei zu weit nach links ab und trifft bei seinem Abschluss nur den Pfosten. Doch Union erholte sich schnell vom dem Schock. Auf der rechten Seite an der Außenlinie gibt es plötzlich einen umstritten Freistoß für Union Berlin. Die Berliner führen diesen schnell aus, zu schnell für die VfB-Abwehr! Ronny Nikol bekommt den Ball, steht frei vor Keeper Gunnar Grundmann und kann ohne Probleme zum 0:1 einschieben. Natürlich halten jetzt die "Eisern Union" Rufe durch das Plache-Stadion, während die VfB-Fans zu Recht sehr geschockt wirkten. Doch der VfB steckte nicht auf und kam in der Folge zu weiteren guten Möglichkeiten, da nun auch die Unioner weniger "Dampf" machten. In der 30. Minute gab es dann mal wieder eine Ecke für den VfB: Ausführen werden wie immer Frank Seifert und Marco Rose von links. Doch diesmal segelt der Ball fast perfekt in die Strafraummitte, dort nimmt Libero (!) und Kapitän Burkhard Reich den Ball mit der Hacke und verwandelt zum umjubelten 1:1. Was für ein Kunst-Tor und dazu noch ein ganz wichtiges (übringens das erste Tor von Reich für die Leipziger). In der 44. Minute, also kurz vor der Pause, dann sogar noch die Chance auf 2:1 zu erhöhen. Marco Rose zieht von links eine Flanke wunderschön in die Mitte, dort steht Frank Seifert, aber sein Kopfball ist etwas zu unplatziert und landet neben dem Tor. Dann pfeift Heynemann pünktlich ab...

Wahrscheinlich hatte die Pausenrede bei Union gewirkt: Der Spitzenreiter kam mit sehr viel Druck aus der Kabine! In der 50. Minute scheitert Ronny Nikol mit einem gefährlichen Freistoß, nachdem Rose den Ball aus Versehen mit der Hand berührte. Dann wäre das 1:2 eigentlich fällig gewesen! Nach einer Ecke kann Gunnar Grundmann mit einer Riesenparade einen Schuss von dem Union-Spieler Steffen Menze entschärfen. Der Dauerdruck ging danach weiter und erneut rettet in der 55. Minute Grundmann bei einer herrlichen Doppelchance der Hauptstädter. Michael Zechner zieht ein Flanke von rechts in den Strafraum, dort kommt Andonov mit dem Kopf dran, doch Grundmann steht richtig!  Von Andonov kommt der Ball dann zum Kapitän des 1.FC Union, doch Jörg Schwanke scheitert mit seinem Nachschuss aus fünf Metern erneut an dem VfB-Keeper. In dieser Phase zauberten die Gäste regelrecht und die Leipziger kamen hinten fast nicht mehr raus. Man konnte nur noch von Glück sprechen, dass es zu diesem Zeitpunkt noch 1:1 stand. In der 60. Minute dann noch einmal ein Aufbäumen des VfB durch zwei gefährliche Ecken von rechts, doch in diesen Fall stand Kay Wehner im Union-Tor immer richtig. In der 63. Minute scheitert dann der junge Frank Räbsch von Halbrechts, der den Ball leider etwas zu weit über das Tor zieht. In der 65. Minute rettet dann wieder Grundmann, nachdem ein Unioner einen Schuss von links mit einem Hackentrick vorbereitete. Eine Minute später war dann der Leipziger Keeper bei einer Chance von Ronny Nikol auf der Höhe! Doch in der 70. Minute war er dann leider machtlos: Jens Härtel trifft mit einem Freistoß aus gut 25 Metern unhaltbar ins linke Eck (der Ball war wohl von Werner noch etwas abgefälscht) zum 2:1 für die Gäste. Nach diesem Treffer war dann Dramatik und Aggression pur auf den Rängen: Viele Fans forderten "energisch", nach dem mehrere Rauchbomben und Feuerwerkskörper im Union-Block los gingen, einen Spielabbruch (dieser Szene waren schon einige Rauchbomben und Feuerwerkskörper vorausgegangen). Man konnte die Fans, nach dem skandalösen Abbruch gegen Dynamo Dresden verstehen, der ja bei ähnlichen "Aktivitäten" zu Stande kam. In der 76. Minute scheitert Union dann von rechts am leeren Tor, doch nur eine Minute später stand es dann (wohlverdient) 1:3! Nach einer Ecke herrscht heilloses Durcheinander in der VfB-Abwehr und nach etlichen Versuchen kommt der Ball irgendwie zu Jens Härtel, der hält einfach drauf und trifft ins mittlerweile leere VfB-Tor (Grundmann lag nach mehreren tollen Paraden noch am Boden). Der Rettungsversuch von Ronald Werner mit der Hand hatte leider keinen Erfolg mehr! Die Leipziger bewiesen nach dem Rückstand aber tolle Moral und wurden im Angriff, auch durch die Einwechslungen von Igor Lazic und Fernando do Santos, wieder gefährlicher. Doch mehr als das 2:3 in der 85. Minute, wieder durch Burkhard Reich nach einem Freistoß aus 20 Metern (flach ins rechte Eck), sollte dabei nicht herauskommen. Die Unioner  hatten noch mehrere Möglichkeiten das Ergebnis zu erhöhen. Besonders Dian Popov in der Nachspielzeit zieht vor dem VfB-Tor völlig freistehend über das Tor. Aber zum Jubel der mitgereisten Berliner-Fans (die dann auch noch etwas zittern mussten) pfiff Schiedsrichter Heynemann dann ab! Die VfB-Spieler sanken nach ihrer durchaus guten Leistung völlig enttäuscht zu Boden....

Fazit: Mann des Tages auf VfB-Seite war natürlich Torschütze und Kapitän Burkhard Reich. Auch Peter Vougt, Ronald Werner und Marco Rose zeigten eine ansprechende Leistung. Frank Seifert rackerte wieder viel, konnte sich diesmal aber nicht besonders in Szene setzen. Solide auf der rechten Außenbahn war auch wieder der junge Frank Räbsch, der allerdings des öfteren als zweiter Stürmer aushelfen musste und diese Position lag ihm anscheinend nicht genug. Insgesamt kam zu wenig aus dem Mittelfeld über die Außen, besonders Torsten Jülich und Ivica Bancic waren eine Enttäuschung. Im Sturm rackerte Alexander Dürr wieder toll, doch Dürr hätte seine Möglichkeit zum 1:0 einfach nutzen müssen, dann wäre das Spiel vielleicht ganz anders ausgegangen. Vielleicht gibt es ja irgendwann noch die Möglichkeit, ein oder zwei Spieler für das Mittelfeld zu verpflichten, damit man das Ziel 3. Liga wieder anpeilen kann. Bei den Unionern, ist es schwer den Besten zu finden. Am auffälligsten waren aber wohl die Torschützen Ronny Nikol und Jens Härtel, sowie Steffen Menze, Jiri Balcarek und vor allem Christo Koilov. Vor dem Spiel konnte man auf einem Banner im Gästeblock lesen "Der Letzte macht das Licht aus!", doch soweit wird es hoffentlich nicht kommen. Denn die Mannschaft zeigt immer mehr, dass sie noch "lebt" und bot heute das, was noch möglich ist. Mit Kampf und Einsatz kann man aber leider einen Spitzenreiter nur selten bezwingen. Aber wenn so eine Leistung immer erbracht wird, kann man durchaus noch von Platz 6 oder 7 träumen. Man sollte nie aufgeben! Noch etwas zu dem Banner: Stadionsprecher Rainer Lutze machte zum Abschluss eine durchaus witzige Aussage zu diesem Spruch! Lutz: "Liebe Unioner, wenigstens haben wir Licht!" Vielleicht geht schon nächste Woche in Eisenhüttenstadt dem VfB ein Licht auf dem Punktekonto auf...

(von Ronny John)

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