25. Spieltag

Regionalliga Nordost

 Saison 1999/2000

Spieldaten 1.FC Dynamo Dresden

1.FC Dynamo Dresden

2

VfB Leipzig

VfB Leipzig

1

Datum 25. März 2000
Uhrzeit 14.00 Uhr
Spielstätte Rudolf-Harbig-Stadion (Dresden)
Zuschauer 5.040
Schiedsrichter Fleske (Schönow)
Torfolge 1:0 Nogueira (55.), 2:0 Bulatovic (78./Foulelfmeter), 2:1 Brestrich (87.)
Gelb Kopunovic, Bulatovic, Petrowsky - Brestrich, Gerloff, Kunze, Pinder
Gelb-Rot -
Rot -
Aufstellung Dynamo Dresden Ignjac Kresic
Vladimir Manislavic
Ninoslav Milenkovic
Sebastian Müller (ab 72. Frank Kaiser)
Velibor Kopunovic
Silvio Schröter
Rico Hanke
Branislav Bulatovic
Fernando Nogueira (ab 85. Antoni Jelen)
Daniel Petrowsky
Maik Wagefeld
Trainer: Cor Pot
Aufstellung Leipzig Gunnar Grundmann
Burkhard Reich
Thorsten Görke
Holm Pinder
Frank Räbsch
Ronald Werner
Heiko Brestrich
Marc Gerloff (ab 66. Torsten Jülich)
Marco Rose
Maik Kunze
Alexander Dürr
Trainer: Joachim Steffens
Interviews Achim Steffens (VfB-Trainer)

Quelle: http://www.dynamo-dresden.de

"Dynamo Dresden hat heute sehr gut gespielt. Das haben wir gewusst, aber ich habe nicht gedacht, dass es so schwer wird. Wir haben uns bemüht. Die Tore, die da passieren, schaue ich mir heute Abend im Fernsehen an. Ich bin der letzte, der so etwas sagt, aber mir fällt da etwas auf: die Leute heißen ’unparteiisch’. Das erste Tor glaube ich, war Abseits oder wir haben uns blöd angestellt. Der Elfmeter ... ich habe eine ähnliche Situation beim Heiko Brestrich gesehen, der beim Schuss umgerissen wird. Meine Mannschaft hat sich nicht aufgegeben und bis zur letzten Minute versucht, das Ergebnis zu korrigieren. Die sind jetzt alle sehr traurig und sitzen in der Kabine mit vielen Blessuren, Platzwunden, Veilchen. Wir haben uns nicht aufgegeben, wir haben gekämpft und ich hoffe, dass das auch von den Journalisten so interpretiert wird. Wenn man gut spielt und ins Hintertreffen gerät ... wenn einer beim Ausgleich so frei steht und das kein Abseits war, dann war das der erste Fehler. Der zweite Fehler war, dass wir dort einen Konter, eine Strafraumsituation zulassen. Der Frank Seifert fehlt im Spiel nach vorn, ist operiert worden und auch der Alex war am Rücken verletzt. Dynamo war sehr gut. Meine Spieler haben zumindest gekämpft."
Cor Pot (Dynamo-Trainer)

Quelle: http://www.dynamo-dresden.de

"Das wichtigste für Dynamo Dresden ist, dass wir heute gewonnen haben. Die Mannschaft hat 60-70 Minuten den VfB Leipzig, die eine gute Mannschaft sind, beherrscht. Die hätten nur etwas mehr angreifen müssen, haben aber bis zu den letzten 20 Minuten gewartet und da haben wir dann auch Schwierigkeiten bekommen. Das war das große Problem. Trotzdem sind wir sehr stolz, gewonnen zu haben und wieder nach vorne gucken zu können. Ich kann nicht versprechen, dass wir die dritte Liga schaffen, aber wir werden versuchen, es zu schaffen und nächste Woche ist wieder ein Spiel. Und wenn wir das gewinnen sollten, haben wir wieder ein wenig mehr Hoffnung. Jede Woche kann das ein anderer Kapitän sein. Ich habe nur gesagt, ich will einen Deutschen als Kapitän haben. Das ist sehr wichtig. Frank Paulus, der eigentlich unser Kapitän ist, war heute verletzt. Ich habe auch gesagt, wir haben viel mehr Kapitäne: Petrowsky, Hanke, Kaiser, Großmann... Ich denke, dass es heute ein Vorteil war, nur Jugoslawen einzusetzen, weil die die selbe Sprache sprechen. Ich weiß, dass unsere Abwehr ein Konzentrationsproblem hat, wie letzte Woche Manislavic. Jetzt habe ich Kopunovic ausprobiert und ich muss sagen, er hat das nicht schlecht gemacht. Nur in den letzten Minuten sind wir in Schwierigkeiten gekommen."
Ronald Werner (VfB-Spieler) Jetzt müssen wir bei Hertha und das Derby gewinnen, um wenigstens am siebenten Tabellenplatz dran bleiben zu können."
Gunnar Grundmann (VfB-Torwart) "Ein lächerlicher Elfmeter. Ich habe mich nur vor den Ball geworfen. Der Stürmer Kaiser lief einfach in mich rein und ließ sich fallen."
Holm Pinder (VfB-Spieler) "Der Druck auf uns ist groß. Die Zukunft des ganzen Klubs steht nun auf dem Spiel."
Burkhard Reich (VfB-Spieler) "Jetzt müssen wir bei Hertha einen Dreier landen."
Wertung 3 Sterne (Der Gastgeber bot ein gutes Spiel mit viel Kampf und dominierte den VfB fast über die gesamten 90 Minuten! Von den Gästen war nur in den letzten 10 Minuten etwas zu sehen!)
54 Fotos und 9 Videos vom Spiel in der Galerie!

Spielbericht

Zum Anfang das positiv: Der angedrohte Spielabbruch von einigen Leipziger Chaoten (welcher von weiteren Hooligans aus ganz Ostdeutschland unterstützt werden sollte) blieb im "Rückspiel" bei Dynamo Dresden aus. Trotzdem kam es vor, während und nach dem Spiel zu mehreren Tumulten in beiden Fanlagern und Verhaftungen. Dabei ging die Polizei (knapp 900 Beamte waren im Einsatz) mit vielen Gäste-Fans nicht gerade zimperlich um und versetzte auch friedliche Fans und kleine Kinder in Angst und Schrecken im Gästefanblock (zudem wurden viele Fans mit unschönen Sprüchen provoziert und sinnloser weise den Block zweimal gestürmt!). Dazu setzte es für den VfB die zweite Niederlage in Folge und vor 5.040 Zuschauer (darunter ca. 800 VfB-Fans) erneut eine verdiente Niederlage, diesmal mit 1:2 bei Dynamo Dresden (welche sich nun wieder Hoffnungen auf die dritte Liga machen).

VfB-Trainer Achim Steffens baute seine Mannschaft gegenüber dem Spiel in Berlin auf zwei Positionen um. Wie angekündigt spielte Maik Kunze im Sturm neben Alexander Dürr, für den Ex-Dynamo Igor Lazic. Die zweite Veränderung kam dagegen sehr überraschend: Der zur Winterpause vom FC Sachsen gekommne Marc Gerloff spielte von Beginn an für Torsten Jülich. Auf Seiten des Gastgebers spielte der Ex-Unioner Daniel Petrowsky nach einer Rot-Sperre wieder mit und wurde zu dem vom neuen Trainer Cor Pot zum Kapitän bestimmt. Petrowsky machte dann auch, laut Aussagen der meisten Dynamo-Fans, dass beste Spiel im Trikot der Dresdner und war der beste Mann auf dem Platz. Der VfB spielte übrigens seit langer Zeit mal wieder mit den weißen Trikots und Dynamo zeigte sich in ihren grün-schwarzen Ausweichtrikots. Beide Mannschaften begannen aber mit vorsichtigen Abtasten das Spiel, aber schon in den Anfangsminuten war das deutlich Übergewicht der Gastgeber zu erkenn. In der 8. Minute konnte Rico Hanke eine Flanke von Fernando Nogueira nicht verwerten. In der 12. Minute geht ein Schuss von Daniel Petrowsky über das VfB-Tor von Gunnar Grundmann, nachdem er schön freigespielt wurde. In der 15. Minute dann die Riesenchance für den VfB in Führung zu gehen: Alexander Dürr bekommt den Ball in den lauf gespielt, tanzt die komplette Dynamo-Abwehr aus und könnte frei zum Schuss kommen. Doch anscheint wollte es Dürr zu schön machen und konnte so unter Bedrängnis nur einen schwachen Schuss auf Dynamo-Keeper Kresic abgeben. In der Anfangsphase ragte beim VfB Kapitän Burkhard Reich in der Abwehr heraus, der fast über das gesamte Spiel hinweg mit seiner Kopfball-Stärke und Routine für Sicherheit in der Defensive des VfB sorgte. In der 19. Minute pariert Gunnar Grundmann einen Freistoß von Branislav Bulatovic aus ca. 20 Metern. Eine Minute später geht ein Freistoß von Sebastian Müller, aus ungefähr der selben Distanz, knapp am VfB-Tor vorbei. In 23. Minute dann wohl die vorerst größte Chance für Dynamo! Sebastian Müller setzt sich auf links Außen durch und passt auf Daniel Petrowsky. Petrowsky überwindet mit seinem Schuss Gunnar Grundmann, aber dafür steht Torsten Görke auf der Linie richtige und kann den Ball weg schlagen. In der 26. Minute leitet dann Frank Räbsch über links einen der seltnen VfB-Kontor ein. Er vernascht seinen Gegenspieler und zieht die Flanke auf Heiko Brestrich, doch dieser vertändelt vor dem Dynamo-Tor den Ball. In der 30. Minute heiterte dann Schiedsrichter Frank Fleske die Zuschauer auf, als er von einem Spieler am Kopf getroffen wird! In der 32. Minute bekommt Dynamo erneut einen Freistoß aus gefährlicher Distanz zu gesprochen, doch Sebastian Müller trifft aus da. 25 Metern nur die Mauer. In der 36. Minute rettet dann Gunnar Grundmann das 0:0, als er einen Schuss aus dem Getümmel mit einer Glanzparade an die Latte lenkt. Danach passierte nicht mehr viel, nur Frank Räbsch (per Flanke in der 41. Minute) und Rico Hanke auf Dynamo-Seite (Schuss von rechts in der 42. Minute) konnten noch einmal für Gefahr sorgen!

Die erste gefährliche Aktion in der zweiten Halbzeit besaß der VfB! Doch ein Freistoß von Marco Rose geht über das Tor. Danach musste Alexander Dürr mehre Minuten behandelt werden, nachdem er mit dem Ellbogen am Kopf getroffen wurde (nach dem Spiel konnte man auch das "blaue" Auge bei Dürr gut erkennen). In der 55. Minute passiert dann das, was sich irgendwie schon die ganze Zeit angedeutet hat: Es fällt das 1:0 für die Gastgeber! Der VfB spekuliert auf Abseits, so das Velibor Kopunovic frei von links Flanken kann. Gunnar Grundmann bekommt den Ball nicht zu fassen und der Dynamo-Brasilianer Fernando Nogueira hat dann keine Schwierigkeiten mehr, Grundmann zu bezwingen. In der 65. Minute geht ein Freistoß von Heiko Brestrich aus 25 Metern knapp am Dynamo-Tor vorbei (Kresic im Dynamo-Tor hätte wohl keine Chance gehabt). In der 68. Minute passt Grundmann gut auf und kommt aus seinem Tor geeilt und schlägt den Ball vor dem freien Sebastian Müller ins Aus. Danach hat der VfB wieder eine gute Möglichkeit durch Heiko Brestrich, doch sein Freistoß senkt sich leider nur in die Mauer statt ins Tor! In der 76. Minute scheitert Alexander Dürr mit einem Kopfball, der über das Dynamo-Tor geht, nach einem Einwurf von Thorsten Görke. Doch als alle noch an den Ausgleich für den VfB glaubten (da die Leipziger nun endlich offensiver wurden) muss Gunnar Grundmann in der 78. Minute bei einem Dynamo-Konter "eingreifen" und bringt dabei den eingewechselten Frank Kaiser zu Fall (Kaiser ließ sich allerdings auch etwas fallen) und der Schiedsrichter entscheidet auf Elfmeter (die Entscheidung war allerdings auch vertretbar). Der Dynamo-Spieler Branislav Bulatovic tritt an und schießt den Ball ins linke Eck zum 2:0. Gunnar Grundmann im VfB-Tor war chancenlos und sprang nach rechts! Nach dem zweiten Tor wachten die Leipziger endgültig auf und entfachten ein Offensiv-Feuerwerk, was sich am Ende beinah bezahl gemacht hätte. In dieser Phase gab es natürlich auch einige Dynamo-Konter: So scheiterte in der 83. Minute Frank Kaiser aus guter Position. In der 87. Minute dann endlich Freude im Gästefanblock: Marco Rose setzt sich über links durch, passt zu Maik Kunze, der dann mit viel Übersicht auf Heiko Brestrich ablegt und der Ex-Berliner trifft zum 1:2 (bereits sein 5. Tor für den VfB!). Danach wurde es für Dynamo richtig eng, denn der VfB warf nun alles nach vorn. In der 89. Minute besaß Burkhard Reich die Riesen-Chance zum Ausgleich, doch sein Hammer aus 18 Metern kann Ignjac Kresic mit einer grandiosen Parade irgendwie noch abwehren. In den letzten Sekunden scheiterten dann Alexander Dürr, Burkhard Reich und Heiko Brestrich mit Schüssen, bis der Schiedsrichter zum Jubel der Dynamo-Fans abpfiff und die VfB-Spieler und Fans tief deprimiert davonzogen.

Fazit: Dynamo gewann das Sachsen-Derby verdient, da der Gastgeber das Spiel über gut und gerne 70 Minuten dominierte. In den letzten 15 Minuten wachte dann der VfB endlich auf und hätte durch seinen Kampfgeist beinah noch den Ausgleich erzielt. Aber im Endeffekt wäre es unverdient gewesen. Leider warfen einige Chaoten aus dem VfB-Fanblock nach dem Abpfiff mit Sitzschalen, obwohl sich die Spieler gerade für die gute Unterstützung bedanken wollten (so macht man es der Mannschaft nicht gerade leichter!). Am meisten überzeugten beim VfB noch Gunnar Grundmann, Burkhard Reich, Heiko Brestrich und vor allem wieder Alexander Dürr. Ohne Dürr vorne im Sturm würde der VfB wohl gar keine Gefahr mehr versprühen. Aber nur Kampfgeist reicht halt nicht! Einen unglücklichen Einstand feierte Marc Gerloff, der nicht überzeugte und so wohl wieder Torsten Jülich Platz machen muss. Über Maik Kunze kann man geteilter Meinung sein: Er ist ein guter Konterstürmer, aber wenn der VfB das Spiel machen muss (wie am Mittwoch bei Hertha BSC Amateure), sollte Achim Steffens eher auf Igor Lazic setzen. Bei Dynamo merkte man, dass mit dem neuen Trainer auch wieder entsprechende Leidenschaft ins Spiel der Dresdner einzog und im Gegensatz zu den meisten anderen Spielen in der Rückrunde (so berichten jedenfalls die zahlreichen Dynamo-Fans) auch wieder richtig in die Zweikämpfe gingen und jeder für jeden kämpfte! Nach dieser Niederlage ist der Traum von Liga drei für die Leipziger wieder etwas schwarzer geworden, aber noch hat man es selbst in der Hand (der VfB hat ja noch Heimspiele gegen Stahl Eisenhüttenstadt und dem FC Carl Zeiss Jena). Alles andere als Platz 7. ist aber für die Probstheidaer wohl nicht mehr möglich und nun heißt es, endlich wieder eine Sieges-Serie zu starten. Aber ohne Frank Seifert fällt es an der nötigen Kreativität in der Offensive! Mal sehen, was der Mittwoch und das Derby bringen ...

(von Ronny John)

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