13. Spieltag   Saison 2000/2001
1.FC Magdeburg

1.FC Magdeburg

0

VfB Leipzig

VfB Leipzig

1

Spieldaten
Datum 10. November 2000
Uhrzeit 19.30 Uhr
Spielstätte Ernst-Grube-Stadion (Magdeburg)
Zuschauer 4.431
Schiedsrichter Koop (Lüttenmark)
Torschützen 0:1 Gunkel (6.)
Gelb Hannemann, Golombek - Görke, Jülich, Räbsch, H.-J. Weiß, Metzner, Ferl
Gelb-Rot Keine!
Rot Keine!
Aufstellung
1.FC Magdeburg: VfB Leipzig:
Miroslav Dreszer Gunnar Grundmann
Bodo Schmidt Heiko Brestrich
Marcel Rozgonyi Thorsten Görke
Waldemar Koc Torsten Jülich
Armando Zani Rico Kipping
Peter Maslej Stefan Bloß (ab 87. Daniel Ferl)
Sören Holz Eric Eiselt (ab 46. Lars Weißenberger)
Dirk Hannemann Mario Weiß
Andreas Golombek Frank Räbsch
Adolphus Ofodile (ab 79. Ronny Scholze) Hans-Jürgen Weiß (ab 74. Kai Metzner)
David Mydlo (ab 46. Josef Ivanovic) Peter-Sebastian Gunkel
Trainer
Eberhard Vogel Joachim Steffens
   Interviews
Achim Steffens (VfB-Trainer) "Auch wenn es mein Trainerkollegen vielleicht nicht mehr hören kann, aber ich möchte ihm und der gesamten Mannschaft noch einmal zu dem grandiosen Pokal-Erfolg gegen den FC Bayern gratulieren. Wir haben heute gegen die absolut beste Mannschaft der Liga gewonnen. Einerseits haben wir glücklich gewonnen, aber andererseits hat meine gesamte Mannschaft heute toll gekämpft und sich prima zu wehr gesetzt. Es machte einfach Spaß, die junge Truppe so leidenschaftlich kämpfen und spielen zu sehen! Der Sieg tat uns nach dem 0:0 zu Hause gegen die Amateure von Energie Cottbus sehr gut, da sich zum ersten mal in dieser Saison dann die Kritiker zu Wort meldeten! Das der Pressesprecher uns mit Lok Leipzig ankündigte, ist nicht weiter schlimm! Der Schiedsrichter hat heute sein bestes gegeben (Anmerkung: Er sorgte damit für viel Gelächter!) und einen Elfmeter habe ich nicht gesehen. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass der Schiedsrichter vielleicht etwas zu lange gespielt hatte. Ich hätte aber nicht alle Gelben Karten gegen meine Defensive gegeben, da ein Ofodile sehr schnell ist, aber auch leicht fällt. Das soll aber nun nicht seine Leistung schmälern, den Ofodile ist ein fantastischer Fußballer! Solche Spiele wie heute, machst du höchstens drei im Jahr. Wir haben auf dem obersten Level gespielt. Gunkel hat mit seinen langen Beinen die Magdeburger ganz schön durcheinander gebracht. Aber, wenn man ehrlich ist, kann nur Magdeburg Erster werden."
Eberhard Vogel (FCM-Trainer) "Das war heute eine ganz, ganz bittere Niederlage. Ich bin wahnsinnig enttäuscht, besonders am Anfang des Spiels waren wir wahnsinnig unkonzentriert und fabrizierten zahlreiche Fehler in der Abwehr, die dann auch zum Gegentor führten. Wir hatten heute wenig Glück, da wir glaube ich, insgesamt 5 mal den Pfosten oder die Latte getroffen haben. Dazu hätte der Schiedsrichter einen klaren Elfmeter für uns geben müssen. An der Niederlage sind wir aber selbst dran Schuld, da wir nicht clever genug waren, die zahlreichen Chancen zu nutzen. Nun müssen wir endlich eine Siegesserie starten, die wir möglichst bis zur Winterpause durchziehen. Die Meisterschaft ist ja lange noch nicht entschieden und heute hat einfach der Glücklichere gewonnen. Aber der Sieg war am Ende nicht unverdient, da wir unsere Chancen eben nicht nutzen konnten. Wir müssen nun unbedingt nächste Woche in Dresden Wiedergutmachung betreiben!"
Bodo Schmidt (FCM-Spieler) "Wir haben letztes Wochenende versäumt zu Punkten, ob ein oder drei Punkte, darüber kann man streiten. Aber heute hat die Mannschaft ein gutes Spiel gemacht und sich zahlreiche Chancen heraus gearbeitet, aber eben das Pech vor dem Tor gehabt. Wir werden weiter spielen und auch an Leipzig wieder heran kommen."
Peter-Sebastian Gunkel (VfB-Spieler) "Als ich das 1:0 gemacht hatte, habe ich noch nicht daran geglaubt das es reicht. Aber am Ende hat es gereicht und das ist super! Der absolute Höhepunkt meiner bisherigen Karriere."
Rico Kipping (VfB-Spieler) "Es ist einfach geil!"
Heiko Brestrich (VfB-Kapitän) "Ich bescheinige meiner Truppe eine unglaubliche Moral."
Wertung

4 Sterne (Tolles Spiel, tolle Zweikämpfe, Strafraumszene, Zuschauer und, und ... Fußballherz, was willst du mehr! Spannung bis zum Schluss nach fünf Pfosten- oder Lattenschüssen für den FCM!)

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Spieler-Noten
Gunnar Grundmann 2
Heiko Brestrich 2
Thorsten Görke 2
Torsten Jülich 3
Rico Kipping 3
Stefan Bloß (bis 87.) 3
Eric Eiselt (bis 46.) 3
Frank Räbsch 3
Hans-Jürgen Weiß (bis 74.) 3
Mario Weiß 3
Peter-Sebastian Gunkel 2 (+)
Lars Weißenberger (ab 46.) 3
Kai Metzner (ab 74.) keine Wertung
Daniel Ferl (ab 87.) keine Wertung

Spielbericht   

Der VfB Leipzig schafft die "Sensation" und schlägt den "Bayern Bezwinger" 1.FC Magdeburg im Ernst-Grube-Stadion mit 1:0 (0:0). Über 700 mitgereiste VfB-Fans, unter den 4.431 Zuschauern, feierten ausgelassen die Tabellenführung und das siebente Auswärtsspiel in Folge (!) ohne Gegentor. Die junge VfB-Truppe kämpfte aufopferungsvoll und hatte so das Glück des "Tüchtigen" bei insgesamt fünf Latten- oder Pfostenschüssen der Gasteber! Aber so ist eben Fußball und die Leipziger waren am Ende die glücklichere Mannschaft in einem starken Oberliga-Spiel. Man kann aber auch dank der Cleverness des VfB und des wahnsinnigen Kampfgeistes der gesamten Mannschaft (es war unglaublich, was einige Spieler für Wege gingen) von einem etwas verdienten Sieg sprechen. Nun ist wohl alles möglich, aber die Saison ist noch lang und so stark wie der 1.FC Magdeburg ist der VfB noch lange nicht (O-Ton Steffens: "Wir haben gegen die absolute stärkste Mannschaft der Liga gewonnen"). Außerdem erwarten einen in den nächsten Spielen mit Nordhausen, Grimma und Dessau auch etwas "undankbare" Aufgaben, da diese Spiele gewonnen werden müssen. Aber nun zum Spielverlauf:

VfB-Trainer Achim Steffens sorgte für die ein oder andere Überraschung bei der Aufstellung. Für den verletzten René Groth und den noch nicht richtig fitten Kai Metzner rutschten die Stürmer Hans-Jürgen Weiß und Peter-Sebastian Gunkel in die Startformation. Gunkel und "Hansi" Weiß bildeten das Sturmduo, während sich Mario Weiß auf defensivere Aufgaben konzentrierte und Frank Räbsch wieder auf die rechte Außenbahn zurückkehrte. Beim FCM konnte man wieder auf Stürmer-Star Adolphus Ofodile bauen, der entweder von Torsten Jülich oder Thorsten Görke gedeckt wurde. Dazu rückte nach längerer Verletzungspause auch Spielmacher Peter Maslej ins Team! Der Spitzenreiter begann dann auch gleich furios: Andreas Golombek schlägt in der 2. Minute von links einen Freistoß in den VfB-Strafraum, Sören Holz steigt am höchsten, aber trifft nur den Außenpfosten. Den Nachschuss von Adolphus Ofodile holte Thorsten Görke von der Linie! Dann begann aber der "Zwischensprint" der Gäste aus Leipzig. Stefan Bloß tritt einen Freistoß Richtung langen Pfosten, dort lauerte zwar kein VfB-Spieler, doch dafür Marcel Rozgonyi vom 1.FC Magdeburg. Statt sicher zur Ecke zu klären, köpft der FCM-Manndecker den Ball gegen den Pfosten. Die anschließende Ecke sollte für die VfB-Fans dann "unvergessen" bleiben: Der Eckball wird kurz ausgeführt, Thorsten Görke zieht die Flanke von links an den langen Pfosten, wo Frank Räbsch lauert, der den Ball Richtung Tor von Pokal-Held Miroslav Dreszer köpft. Aber statt Dreszer kommt der lange Peter-Sebastian Gunkel an den Ball, der kein Problem hat, aus drei Metern per Kopf zur umjubelten 1:0 Führung für den VfB Leipzig zu treffen. Viele der mitgereisten VfB-Fans konnten dieses Tor allerdings noch nicht sehen, da sie noch vor dem einzigen (!!) Kassenhäuschen am Gästeblock standen. Unverständlich für so ein Verein, dass über 300 Fans bis weit in die erste Halbzeit vor den Stadiontoren warten mussten. Auch nach dem Treffer spielten die Leipziger relativ gut mit und beschränkten sich nicht nur auf die "Mauertaktik". So überraschte Trainer Achim Steffens mit seiner Taktik und der Aufstellung wohl auch die Deckung des FCM, die sich in der Anfangsviertelstunde einen katastrophalen Fehler nach dem anderen leisteten. Trotzdem blieben die "Pokal-Helden" aus Magdeburg im eignen Stadion natürlich spielbestimmend, aber sie taten sich schwer gegen Brestrich, Görke und Co. In der 10. Minute dann aber eine Riesenmöglichkeit für den FCM, doch Bodo Schmidt trifft bei einem Freistoß aus 20 Metern nur die Querlatte. Vier Minuten später setzt sich David Mydlo schön durch, aber er zögert zu lange und so kann sein Schuss von VfB-Kapitän und Libero Heiko Brestrich abgeblockt werden. Der VfB versuchte nun, über Konter zum Erfolg zu kommen, doch klare Torchancen konnten sich der agile Peter-Sebastian Gunkel oder Spielmacher Eric Eiselt nicht heraus spielen. In der 25. Minute ist dann aber wieder der FCM dran: Adolphus Ofodile spielt in den lauf von Waldemar Koc, doch er zieht den Ball freistehend am rechten Pfosten vorbei. Die letzte gute Möglichkeit in der ersten Halbzeit hatten wieder die Gastgeber: Eckball von Armando Zani, am langen Pfosten köpft ein Magdeburger Richtung Tor des wieder starken Gunnar Grundmann. Doch Eric Eiselt rettet kurz vor der Torlinie!

Zur zweiten Halbzeit brachte VfB-Trainer Achim Steffens Lars Weißenberger für Eric Eiselt, um die Defensive zu stärken. Dies gelang auch erfolgreich und über Peter-Sebastian Gunkel, Frank Räbsch oder Hans-Jürgen Weiß wurden immer wieder schnelle Konter gespielt. Dies genügte, um den FCM zu beschäftigen und für Entlastung in der VfB-Deckung zu sorgen. Trotzdem ergaben sich bei dem Potential der Magdeburger wieder zahlreiche gute Möglichkeiten! So hatten die Magdeburger in den ersten 120 Sekunden der zweiten Hälfte, gleich zwei tolle Chancen. In der 46. Minute segelte von rechts eine Flanke in den Strafraum, dort behindert ein eigner Spieler Adolphus Ofodile und so kann Gunnar Grundmann den Ball sicher parieren. Wenige Sekunden später rettet der VfB-Keeper gegen den völlig freistehenden Marcel Rozgonyi! In der 53. Minute hätte dann beinah ein Konter zum 2:0 für die Leipziger geführt, als Mario Weiß in den lauf von Hans-Jürgen Weiß spielt, aber Dreszer hat aufgepasst und war vor dem Leipziger am Ball. In der 57. Minute schießt der eingewechselte Josef Ivanovic aus 10 Metern knapp links vorbei! Dann wieder ein gefährlicher Konter für die Leipziger, als Lars Weißenberger gleich zwei FCM-Verteidiger aussteigen lässt, aber Hans-Jürgen Weiß den Ball nicht an dem FCM-Keeper Dreszer vorbei bringt (67.). Zwei Minuten später wieder eine Freistoß-Chance für den FCM, doch Dirk Hannemann schießt von halb rechts (aus 20 Metern) knapp am VfB-Kasten vorbei! In der 72. Minute dann plötzlich Jubel unter den FCM-Spielern und den Zuschauern, doch VfB-Keeper Gunnar Grundmann kann einen Kopfball von Andreas Golombek aus drei Metern noch um den Außenpfosten lenken. Das Spiel näherte sich nun immer weiter dem Ende und die VfB-Fans übernahmen das Kommando und stimmenden schon einige Jubelgesänge an. War der Jubel verfrüht? Den in den letzten 10 Minuten setzten die Magdeburger den VfB gnadenlos unter Druck, aber auch der FCM ließ die Präzision in seinen Angriffen vermissen. Trotzdem hätte in der 80. Minute das 1:1 fallen können, doch Josef Ivanovic trifft nach einer Flanke von links die Unterkante der Latte. Wenige Sekunden später landete ein Schuss des gerade eingewechselten Ronny Scholze aus 8 Metern am Pfosten und damit trafen die Magdeburger zum fünftenmal den Pfosten oder die Latte! Drei Minuten vor Schluss schickt Schiedsrichter Torsten Koop aus Lüttenmark, der das Spiel eigentlich sonst sicher im Griff hatte, VfB-Trainer Achim Steffens wegen ständigen reklamieren auf die Tribüne (in diesem Fall regte er sich über eine Gelbe Karte des gerade eingewechselten Daniel Ferl, der im Programmheft mit "Daniela" Ferl angekündigt wurde, auf). In der Nachspielzeit scheiterte nach einmal Josef Ivanovic per Kopf am starken VfB-Keeper Grundmann und Bodo Schmidt schießt den Ball kläglich am Tor vorbei. In der Nachspielzeit hätte Gunkel beinah noch das 2:0 gemacht, aber das war dann auch egal, den der Schiedsrichter pfiff zum Jubel der Fans und der Spieler aus Leipzig das Spiel ab und die Sensation war perfekt!

Fazit: Natürlich war es am Ende ein höchst glücklicher Sieg für den VfB in der "Hölle" des Ernst-Grube-Stadions, aber durch den wahnsinnigen Kampfgeist und den leidenschaftlichen Einsatz hatte sich die junge VfB-Mannschaft den Sieg auch verdient. Die Abwehr stand sehr sicher, trotz der zahlreichen Großchancen für die Gastgeber. Eine andere Mannschaft, die nicht so eine "Betonabwehr" wie der VfB besitzt, hätte heute sicherlich fünf oder sechs Gegentore kassiert. Den insgesamt zeigten die Magdeburger ein ganz starke Leistung, aber der VfB für seine (im Gegensatz zum "großen" FCM) bescheidne Verhältnisse zeigte auch eine tolle Leistung. So sahen beide Fanlager ein spannendes und für die Oberliga, auch ein hochklassiges Spiel! Während die Leipziger in der ersten Hälfte doch sehr gut mitspielten und einige gute Chancen besaßen, zog man sich in der zweiten Halbzeit fast komplett zurück und "mischte Beton" an. Heute überzeugten im Prinzip alle VfB-Spieler, den jeder erfüllte seine Aufgaben und kämpfte bis zum Umfallen. Besonders Peter-Sebastian Gunkel absolvierte unglaublich Laufwege und schirmte den Ball immer toll ab. Dazu gilt es besonders die Leistung von Heiko Brestrich, Thorsten Görke und Gunnar Grundmann zu loben, die immer wieder die 1:0 Führung retteten und Jülich schaltete, so gut wie möglich, Stürmer-Star Adolphus Ofodile aus. Wir dürfen auf die nächsten Wochen gespannt sein, ob auch gegen die vermeintlich "kleinen" wie Nordhausen, Grimma oder Dessau gewonnen wird. Wenn alles weiter so läuft, kann der VfB als Spitzenreiter in die Rückrunde gehen und dann ist alles möglich, oder ...?!

(Spielbericht von Ronny John)

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