27. Spieltag   Saison 2000/2001
Dynamo Dresden

1.FC Dynamo Dresden

0

VfB Leipzig

VfB Leipzig

1

Spieldaten
Datum 06. April 2001
Uhrzeit 19.30 Uhr
Spielstätte Rudolf-Harbig-Stadion (Dresden)
Zuschauer 4.325
Schiedsrichter Jauch (Benshausen)
Torschützen 0:1 Brestrich (56.)
Besonderes Vorkommnis Das Spiel musste zweimal unterbrochen werden (1. und 60. Minute)!
Gelb Schröter, Klemm -
Gelb-Rot Keine!
Rot Keine!
Aufstellung
Dynamo Dresden: VfB Leipzig:
Ignjac Kresic Gunnar Grundmann
Benjamin Lense Heiko Brestrich
Vladislav Kosharnyi Rico Kipping
Klaus Dietrich René Groth
Gunnar Klemm (ab 64. Sebastian Hähnge) Lars Weißenberger
Alexander Besser Frank Räbsch (ab 10. Eric Eiselt)
Silvio Schröter (ab 82. Waldemar Adamovicz) Nico Kanitz
Claudio Marasa Davor Krznaric
Lars Jungnickel Hans-Jürgen Weiß (ab 74. Christian Schmidt)
Daniel Petrowsky Mario Weiß
Vladimir Manislavic Peter-Sebastian Gunkel (ab 86. Nico Knaubel)
Trainer
Meinhard Hemp Joachim Steffens
   Interviews
Achim Steffens (VfB-Trainer) "Der Sieg war durchaus verdient. Wir sind nun weiter am 1.FC Magdeburg dran und sorgen für etwas Spannung im Meisterschaftskampf. Man kann es als Meilenstein für unsere Meisterschaftschancen beschreiben! Aber Dresden und Leipzig träumen von der Bundesliga und dann so was wie heute Abend - mit solchen Chaoten, schaffen beide es nie! Das ist das Schlimmste, was ich bisher gesehen habe. Wir sollten aufhören, von der Bundesliga zu reden, denn das hat mit Fußball nichts zu tun. Wie wollen wir Sponsoren in die Stadien locken, wenn so etwas passiert. In der ersten Halbzeit hatten wir ganz einfach Angst. Nach der Pause lief es besser. Deshalb geht der Sieg in Ordnung und die Meisterschaft bleibt spannend. Da haben wir trotz unserer Ausfälle einen prima Fußball gespielt. Vor allem waren wir trotz des kleinen Kader, immer torgefährlich bei hohen Bällen. Um beim sportlichen zu bleiben: Es war ein gelungner Abend, sicherlich auch für alle normalen Fans. Ich bin sehr froh, dass der Fußball gesiegt hat. Das heißt, dass der Schiedsrichter erst nach 90 Minuten abgepfiffen hat. Abgesehen von den schlimmen Zwischenfällen war dieses Spiel Werbung für die Oberliga. Dazu gab es noch zwei Debütanten, die bisher noch nicht in der I. Mannschaft zum Einsatz kamen! Nico Kanitz machte heute ein ganz starkes Spiel - hoffentlich hört er auch in Zukunft auf meine Worte!"
Meinhard Hemp (Dynamo-Trainer) "Es war ein Bombenspiel! Das was heute von den Rängen kam, war wie bei der Mafia. Das waren gewollte und gezielte Handlungen! Das ist das tiefste vom Tiefsten im Fußball, was man heute hier gesehen hat. Ich bedauere das sehr ..."
Peter Gießner (VfB-Sportdirektor) "Ich freue mich wahnsinnig über den Sieg, denn die Mannschaft hat ihre taktische Linie durchgezogen. Ich muss die Mannschaft loben, wie sich trotz dünner Personaldecke präsentiert hatte. Schließlich haben 4 Stammkräfte gefehlt!"
Torsten Jauch (Schiedsrichter) "Das Spiel habe ich fortgesetzt, da dass Nachholspiel dann sicherlich genauso abgelaufen währe. Von daher musste ich sehe, dass wir das über die Bühne kriegen."
Wertung

3 Sterne (Leider überschattete dieses relativ gute Oberliga-Spiel die zahlreichen Ausschreitungen von sogenannten "Fans"! Vor allem die "Dynamo-Fans" waren dafür verantwortlich, dass der Spielfluss immer wieder zerstört wurde, z.B. durch Leuchtmunition oder beim Stürmen des Platzes. Die Leipziger zeigten in der Offensive eine gute Leistung und gewannen am Ende verdient!)

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Spieler-Noten
Gunnar Grundmann 2
Heiko Brestrich 3
Rico Kipping 4
René Groth 3
Lars Weißenberger 4
Frank Räbsch (bis 10.) keine Wertung!
Nico Kanitz 2
Davor Krznaric 3
Hans-Jürgen Weiß (bis 74.) 3
Mario Weiß 4
Peter-Sebastian Gunkel (bis 86.) 4
Eric Eiselt (ab 10.) 4
Christian Schmidt (ab 74.) keine Wertung!
Nico Knaubel (ab. 86) keine Wertung!

Spielbericht   

Dieses Sachsen-Derby wird wohl noch vielen Fans lange in Erinnerung bleiben und dies dürfte nicht nur an den sportlichen Geschehnissen auf dem grünen Rasen gelegen haben, sondern vielmehr an den Ausschreitungen einiger sogenannter "Fans", die das Spiel wieder nutzten um sich eine Bühne für ihren Hass und Gewaltlust zu schaffen. Nur Schiedsrichter Jauch ist zu verdanken, dass das Spiel nicht abgebrochen wurde und der VfB am Ende sportlicher Sieger mit 1:0 (0:0) wurde. Die 4.325 Zuschauer (darunter an die 1.200 VfB-Fans!) im Rudolf-Harbig-Stadion hätten dann wohl ein Sieg des VfB am grünen Tisch "erlebt". Da vor allem die Krawalle nach dem Führungstor durch Heiko Brestrich im Dynamo-Block "angezettelt" wurden. So wurde mit unzähliger Leuchtmunition, die mit Begeisterung des halben Stadions kommentiert wurde, der Gästeblock beschossen und später sogar der Platz gestürmt. Zum Glück konnte die Polizei die Chaoten wieder in die Blöcken drängen. Aber auch auf VfB-Seite "ging es zur Sache": Circa 200 Hooligans bewarfen die Sicherheitskräfte und Zuschauer mit Sitzschalen. Tja, ein trauriges Spiel für alle normalen Fans, aber wenigstens wurden sportlich drei Punkte eingefahren. Der NOFV sollte sich langsam Gedanken machen: Die Vorkommnisse heute im Rudolf-Harbig-Stadion dürfen nicht unbestraft bleiben, vor allem da diese Chaoten nicht zum ersten Mal in dieser Saison Krawalle anzettelten. Und wo waren eigentlich die Sicherheitskräfte? Wie laufen Einlasskontrollen bei Dynamo ab, wenn unzählige Mengen von Leuchtmunition und Rauchbomben in das Stadion gelangen können? Zur Erinnerung: Für den VfB gab es letztes Jahr eine Platzsperre, wegen ähnlichen (aber nicht in solchen Ausmaßen) Vergehen! Aber wenden wir uns dem sportlichen zu:

Aber bevor es los ging, mussten die Spieler auch gleich wieder für 10 Minuten in die Kabine. Nach dem Einlauf beider Mannschaften fanden es einige Dynamo-Fans sehr lustig, den ganzen Platz mit einer mächtigen Rauchbombe zu vernebeln. Schon jetzt stand ein Abbruch zur Debatte, obwohl das Spiel noch gar nicht angefangen hatte! Aber danach konnte das Spiel doch noch angepfiffen werden und auf den Rängen blieb es zunächst ruhig. Trainer Achim Steffens musste heute neben den gesperrten Thorsten Görke und Torsten Jülich, auch auf die verletzten Holm Pinder und Daniel Ferl verzichten, die kurzfristig ausfielen. Dafür rückten Rico Kipping und René Groth auf die Manndecker-Position und Lars Weißenberger übernahm die defensive Mittelfeldposition. Dazu rückte noch Hans-Jürgen Weiß als dritte Spitze ins Team! So stürmisch wie in der Aufstellung, begann der VfB auch: Bereits nach 4. Minuten besaßen die Gäste die erste gute Möglichkeit, als Peter-Sebastian Gunkel per Kopf eine Flanke von Nico Kanitz knapp verpasst. Der Spielfluss der Gäste fand allerdings nach knapp 10 Minuten einen Abbruch, als Frank Räbsch nach einem bösen Foul von Vladislav Kosharnyi ausgewechselt werden musste. Die Leipziger dominierten aber trotzdem die Anfangsphase und gefielen im Offensiv-Spiel, nur in der Abwehr stimmte es noch nicht. Dies sollte sich spätestens nach 18 Minuten zeigen, als VfB-Keeper Gunnar Grundmann einen Schuss von Vladimir Manislavic aus 6 Metern (nach Flanke von links) noch gegen den Pfosten lenkt. Der Gastgeber wurde nun immer stärker und zwang die Leipziger Abwehr zu vielen Fehlpässen. In der 27. Minute hätte beinah Sturm-Talent Lars Jungnickel für den Gastgeber aus der Landeshauptstadt das 1:0 erzielt. Doch trotz zwei Nachschussmöglichkeiten scheiterte er am glänzend aufgelegten Gunnar Grundmann, der auch 1 Minute später nicht zu bezwingen war! Nach Eingabe von rechts schafft es der Dynamo-Stürmer Lars Jungnickel nicht, aus 6 Metern freistehend den Ball über die Torlinie zu befördern. Nach einer halben Stunde waren wieder die Gäste aus der Messestadt am Zug! In der 33. Minute legt Hans-Jürgen Weiß für Sturm-Kollege Mario Weiß auf, doch sein Fernschuss aus 18 Metern streicht über die Querlatte. Das war dann auch die letzte Chance in der ersten Halbzeit, die noch einigermaßen friedlich blieb (trotz Leuchtmunition).

Die zweite Hälfte sollte es dann in sich haben - aber erst einmal auch sportlich! In der 52. Minute senkt sich eine Flanke von Nico Kanitz gefährlich in den Dynamo-Strafraum, doch Kresic im Tor der Dynamos hatte aufgepasst. In der 56. Minute konnten die 1.200 mitgereisten VfB-Fans ausgelassen feiern: Nach Flanke von Nico Kanitz von rechts, bringt Hans-Jürgen Weiß Dynamo-Keeper Kresic mit einem Fallrückzieher (aus 18 Metern!) in Bedrängnis. Kresic kann den Ball nur noch abklatschen lassen und dann steht Heiko Brestrich goldrichtig und schiebt zum 1:0 ein (bereits sein 7. Saisontreffer). Danach brechen alle Dämme ... aber hauptsächlich auf den Zuschauerrängen durch die Dynamo-Fans. Nach ständigem Leuchtmunitionsbeschuss auf den Gästeblock drehten die Chaoten im Dynamo-Block sogar soweit durch, dass sie den Platz stürmten und Schiedsrichter Jauch aus Benshausen die Spieler aus Sicherheitsgründen in die Kabine schicken musste. Aber auch die Hooligans im VfB-Block blieben nicht ruhig und nahmen während der Spielunterbrechung die Hälfte der Sitzschalen im Gästeblock-Bereich auseinander und benutzten sie als Wurfgeschosse! Als alle schon mit einem endgültigen Spielabbruch rechneten, gab Schiedsrichter Torsten Jauch die Partie nach 20 Minuten Unterbrechung wieder frei. Nach der Unterbrechung war der Spielfluss der Gäste noch nicht zerstört und in der 67. Minute trifft Lars Weißenberger, nach Vorarbeit von Nico Kanitz und Davor Krznaric nur die Querlatte (aus 20 Metern von halb rechts! Die letzten 20 Minuten verstärkte Dynamo noch einmal den Druck und deshalb reagierte VfB-Trainer Steffens auch und brachte den gelernten Manndecker Christian Schmidt ins Spiel. Dieser gab damit sein Debüt in der I. Mannschaft, was er sich schon lange verdient gehabt hatte (nach seinen Leistungen in der II.). In der 71. Minute scheiterte auf Dynamo-Seite der eingewechselte Sebastian Hähnge, nach Flanke von links, aus 8 Metern (übers Tor). In der 83. Minute dann die gute Möglichkeit für Nico Kanitz auf 2:0 zu erhöhen, doch Dynamo-Keeper Ignjac Kresic kann den Ball noch zur Ecke boxen. Die letzte Chance im Spiel sollte dann der eingewechselte Waldemar Adamovicz per Kopf haben, doch der Ball ging knapp über das Tor von VfB-Keeper Gunnar Grundmann und damit waren die drei Punkte für den VfB gesichert.

Fazit: Der VfB blieb weiter am 1.FC Magdeburg dran und hält das Rennen um die Meisterschaft offen. An dieses Spiel werden sich wohl noch viele Fans erinnern, aber wohl leider nicht aus sportlicher Sicht, sondern vielmehr wegen den Geschehnissen auf den Rängen. Man kann nur hoffen das der NOFV endlich einschreitet und genau so hart entscheidet wie beim VfB im letzten Jahr (Platzsperre). Man muss Herrn Torsten Jauch aus Benshausen danken, dass dieses Spiel nicht in einer "Katastrophe" (Spielabbruch und dann vielleicht folgende schwere Krawallen). Es fällt zwar schwer ein sportliches Fazit zu ziehen, aber diesmal überzeugten die Leipziger durchaus in der Offensive, obwohl die letzte Durchschlagskraft fehlte (vor allem bei Gunkel). Dafür sah man einige Fehler, in der völlig neubesetzten Abwehr. Doch diese zeigte in den letzten 20 Minuten trotzdem ihre Klasse, als sie Dynamo Dresden kaum noch Chancen zu ließen und somit den knappen aber völlig verdienten Sieg sicherten! Nun dürfen wir gespannt nach Magdeburg blicken, ob nicht der FCM sich auch einmal einen Ausrutscher leistet ... der VfB hat vorlegt (zum Glück sportlich)! Noch als Ergänzung die "Polizei-Bilanz": Sechs festgenommene Randaliere und ein verletzter Polizist! Die Polizei war mit 500 Mann im Einsatz, dazu kamen noch 85 ausgebildete Sicherheitskräfte ... und wieder einmal nützte es nicht viel. Traurig, traurig ...

(Spielbericht von Ronny John)

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