10. Spieltag   Saison 2001/2002
Wacker 07 Gotha

Wacker 07 Gotha

1

VfB Leipzig

VfB Leipzig

1

Spieldaten
Datum 13. Oktober 2001
Uhrzeit 14.00 Uhr
Spielstätte Volkspark-Stadion (Gotha)
Zuschauer 1.173
Schiedsrichter Reiche (Wolmirstedt)
Torschützen 1:0 Leopold (44.), 1:1 Nacev (50./Foulelfmeter)
Besondere Vorkommnisse Nacev (52./Foulelfmeter) und Krznaric (61./Handelfmeter) verschießen zwei Strafstöße!
Gelb Weigel, Harnisch, Fuhrmann - Görke, Petzold, Kanitz
Gelb-Rot Keine
Rot Keine
Aufstellung
Wacker 07 Gotha: VfB Leipzig:
Marco Weigel Gunnar Grundmann
Lars Harnisch (ab 64. Martin Rustler) Heiko Brestrich
Ronny Fuhrmann Thorsten Görke
Dimitri Birjukow Christian Schmidt
Andre Tews Mario Nacev
Sebastian Busch Patrik Petzold (ab 56. Frank Räbsch)
Thomas Nowacki Matthias Großmann (ab 80. Mario Weiß)
Thomas Münzberg (ab 85. Christian Ertmer) Nico Kanitz
Thomas Gensbügel (ab 72. Oleg Olinyk) Davor Krznaric
Stefan Otto Rock Embingou (ab 46. Peter-Sebastian Gunkel)
Georg Leopold Mike Sadlo
Trainer
Frank Stein Hans-Jürgen Dörner
   Interviews
Hans-Jürgen Dörner (VfB-Trainer) "Wir haben in den ersten 45 Minuten mehr als schwach gespielt. Es ging bis auf die 1. Minute nichts mehr! In der Vorwärtsbewegung haben wir unter aller Kanone gespielt und nur Fehlpässe fabriziert. Es klappt einfach gar nichts - es war einfach nur schlimm! Die zweite Halbzeit war etwas besser, da wir früher gestört haben und so zu Torchancen gekommen sind. Wenn man aber zwei Elfmeter nicht verwandelt, kann man so ein Spiel halt nicht gewinnen. Am Ende hatten wir Glück, dass der Fehler von Christian Schmidt nicht zur Niederlage geführt hat. Man hat gesehen, dass die Mannschaft unter Druck steht und so nie befreit aufspielen konnte. Es muss nun Ruhe in die Mannschaft kommen und wir müssen die nächsten Spiele gewinnen. Erste Hälfte haben wir weit unter unseren Möglichkeiten gespielt und spätestens beim 3. Elfmeter hat man gesehen, dass die Mannschaft verunsichert ist. Es war ein Spiegelbild der nervlichen Verfassung der Mannschaft! Die Mannschaft hat im Training gebrannt und war heiß - aber davon hat man heute ab der 2. Minute nix gesehen. Ich kann mir keine neuen Spieler backen und muss mit denen auskommen, was ich habe. Trotzdem besteht weiter mein Verlangen nach neuen Spielern. Ich habe vor dem 1. Spieltag vom Aufstieg gesprochen und danach kein Wort mehr darüber verloren. Wir werden bis zum 34. Spieltag warten und dann die nächste Saison planen. Ich kann die Reaktion der Fans verstehen und die Rufe waren berechtigt - gegen meine Person kenne ich sie seit dem 1. Spieltag nicht anders!"
Frank Stein (Wacker-Trainer) "Ich weiß nicht, ob ich mich freuen oder ärgern soll nach diesem Spiel! Die erste Hälfte war vom feinsten, nur haben wir die Tore versäumt zu erzielen. Wir hätten durch die drei Elfmeter auch verlieren können und hatten deshalb auch viel Glück gehabt! Für uns war es nicht gut, dass wir in die Pause gegangen sind. Der Schiedsrichter hat heute keine souveräne Partie gezeigt - und ich kritisiere sonst nie den Schiedsrichter. Der erste Elfmeter war auf jeden Fall ein Witz - die beiden anderen konnte man geben! In der zweiten Halbzeit haben wir zu passiv agiert, trotzdem konnten sich die Leipziger kaum Chancen erarbeiten und wir hätten durch zwei 100%ige das Spiel eigentlich gewinnen müssen. Ich mache aber insgesamt meiner Mannschaft ein Kompliment..."
Peter Gießner (VfB-Sportdirektor) "Ich habe die Schnauze voll! Was einige hier anbieten, ist einfach das letzte! So darf man den Gastgeber nicht spielen lassen und ihn so eine Leistung ermöglichen. Mir reicht es mit den Spielern über Taktik usw. zu reden, denn es bringt einfach nichts, da im Spiel nie etwas davon zu sehen ist. Auch die Reaktion der Fans kann ich vollkommen verstehen, aber der Schuldige sollte nicht beim Trainer gesucht werden. Solche Spiele müssen einfach anders gestaltet werden - alles andere ist Firlefanz. Was wir die ersten 45 Minuten geboten haben war einfach nur scheiße! Da kommt mir einfach das kotzen - was einige Spieler hier geboten haben! Die Spieler sollten nicht versuchen, andauernd irgendwelche Ausreden zu finden und über ihre Leistungen genau nachdenken. Im Training kämpfen und beißen sie - doch bei Punktspielen sehe ich überhaupt nichts davon!"
Thorsten Görke (VfB-Spieler) "Wenn Gunnar zwei Minuten vor Ultimo nicht so prächtig reagiert hätte, wär's sogar noch schlimmer!"
Marco Weigel (Wacker-Keeper) "Ich weiß es auch nicht ob das Glas nach dem Spiel halb voll, oder halb leer ist. Dem Spielverlauf nach haben wir zwei Punkte verloren. Doch ich freu mich trotzdem über das Remis. Wir wussten, dass wir gegen diesen Gegner topfit für einen Punktgewinn sein mussten."
Wertung

3 Sterne (Nur die Gastgeber hielten das Niveau der Partie etwas hoch und machten ein gutes Spiel. Die Leipziger boten die schlechteste erste Hälfte seit Jahren - nur die Elfmeter sorgten für Unterhaltung bei den enttäuschten VfB-Fans!)

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Spieler-Noten
Gunnar Grundmann 2
Heiko Brestrich 4
Thorsten Görke 4
Christian Schmidt 5
Mario Nacev 5
Matthias Großmann (bis 80.) 4
Patrik Petzold (bis 56.) 6
Nico Kanitz 4
Davor Krznaric 5
Mike Sadlo 4
Rock Embingou (bis 46.) 5
Peter-Sebastian Gunkel (ab 46.) 4
Frank Räbsch (ab 56.) 4
Mario Weiß (ab 80.) keine Wertung

Spielbericht

Der VfB Leipzig blamiert sich mit einem 1:1 (0:1) Unentschieden beim Aufsteiger Wacker 07 Gotha. Vor 1.173 Zuschauern (darunter ca. 200 VfB-Fans) zeigten die Leipziger die wohl schlechteste erste Hälfte seit Jahren und so ließen auch die Fans während der Halbzeit zu Recht ihren Frust raus ("Sch... Millionäre", "Achim Steffens" usw. oder mit einer 5minütigen Räumung des Gästeblocks). In der zweiten Halbzeit verschossen Mario Nacev und Davor Krznaric zwei Elfmeter (!) und damit auch die letzten Hoffnungen und Träume in Richtung Aufstieg. Nach dem Spiel sprach VfB-Sportdirektor Peter Gießner gegenüber den Medien Klartext und sprach das aus, was sich alle Offiziellen, Pressevertreter und Fans spätestens nach dem Spiel dachten. Und Gießner hatte auch damit Recht, dass die derzeitige sportliche Lage nicht nur am Trainer liegt - unter der Woche glänzen die Spieler im Training mit Einsatz und Spielkunst, aber am Wochenende ist davon herzlich wenig bis gar nichts zu sehen. Jedem VfB-Fan dürfte nun endgültig klar sein, dass ein weiteres Jahr in der Oberliga (und damit wohl auch der Abschied von den "Vollprofis") dem VfB bevorsteht - mit solchen Leistungen kann man froh sein, im oberen Mittelfeld der Tabelle zu landen. Aber nun zum Spielverlauf bei eigentlich herrlichem Fußballwetter (Sonnenschein und 22 Grad), aber dichtem Rauchwolken über der Stadt (irgendwie verbrannte heute jeder sein Laub):

VfB-Trainer Hans-Jürgen Dörner setzte heute, für viele unverständlich, auf die Anfangsformation vom Spiel gegen den FC Sachsen (zumindest Frank Räbsch hätte für den zuletzt schwachen Patrik Petzold in die Anfangsformation gehört). Die erste Chance im Spiel sollte dem VfB gehören: Davor Krznaric mit einem öffnenden Pass auf Nico Kanitz, der von rechts den Ball in den Strafraum zieht - dort bekommt Matthias Großmann den Ball aber auch im zweiten Versuch nicht über die Linie gestochert. Das solle die einzige (!) gefährliche Aktion des VfB in der ersten Halbzeit bleiben - ab sofort bestimmte nur noch der Gastgeber und Aufsteiger (!) Wacker Gotha das Geschehen und führte den VfB regelrecht vor. Die erste gefährliche Aktion für Gotha sollte Georg Leopold gehören, der sich links gegen Thorsten Görke durchsetzen konnte und knapp am linken Pfosten vorbei zielt. Fünf Minuten später lässt sich Mario Nacev von Georg Leopold auf links vernaschen, an dessen Flanke kommt Wacker-Kapitän Thomas Gensbügel mit dem Kopf - aber Keeper Gunnar Grundmann ist zur Stelle. Nun ergaben sich die Chancen fast im Minutentakt: Nach einem dicken Abwehrfehler scheitert Thomas Gensbügel freistehend von rechts an Keeper Grundmann (19.). In der 26. Minute fälscht Thomas Münzberg einen Schuss aus 16 Metern gefährlich ab, aber Gunnar Grundmann kann den Ball noch aus dem Winkel kratzen. Sekunden später kommt Thomas Münzberg nach einem Eckball von rechts per Kopf an den Ball, aber wie so oft heute glänzt VfB-Keeper Grundmann mit einer Fußabwehr (29.). In der 31. Minute lässt Georg Leopold den völlig überforderten Mario Nacev stehen, aber Leopold zieht die Kugel knapp über die Querlatte. Spätestens jetzt reicht es den Treuesten der Treuen im Gästeblock - ironische Sprüche wie "Sch... Millionäre" und höhnischer Beifall bei jeder VfB-Aktion erklingen (sehr gut nachzuvollziehen, wenn man selbst vor Ort war). Zwei Minuten vor Halbzeitpfiff bereitet die VfB-Abwehr Höchstselbst für Georg Leopold vor, doch völlig freistehend aus 14 Metern schießt er Keeper Grundmann in die Arme. In der 44. Minute dann die längst überfällige Führung: Nach einem Freistoß von rechts kommt am langen Pfosten Georg Leopold irgendwie per Kopf an den Ball und nickt aus 10 Metern ein. Freude pur bei den rund 1.000 Wacker-Fans ... und sicherlich auch in Jena und in Leutzsch.

Die zweite Halbzeit sollte dann etwas (aber wirklich nur etwas!) besser werden aus VfB-Sicht - und das hatte man auch noch Schiedsrichter Reiche aus Wolmirstedt zu verdanken. Denn dieser zeigte nach einem eher harmlosen Rempler von Thomas Münzberg auf den Strafpunkt - Mario Nacev übernahm die Verantwortung und versenkte sicher zum 1:1 (50.). Doch dies sollte es noch nicht gewesen sein - zwei Minuten später dann erneut (diesmal ein klarer) Elfmeter! Lars Harnisch brachte Mike Sadlo im Strafraum deutlich zu Fall - Mario Nacev trat erneut an! Er wirkte schon sehr nervös ... und traf nur den rechten Pfosten! Das alle guten Dinge drei sind (anscheint auch bei den Strafstößen) zeigte Schiedsrichter Reiche in der 61. Minute, als er erneut auf den Punkt zeigte, diesmal wegen Handspiels durch Ronny Fuhrmann (am Boden liegend spielte er deutlich per Hand den Ball - aber Stürmer Gunkel hätte den Ball auch von selbst in das leere Tor befördern könne, ein pfiff wäre somit überflüssig gewesen). Diesmal übernahm Spielmacher (der heute erneut keiner wahr) Davor Krznaric die Verantwortung - übernervös wie die gesamte Mannschaft wirkte traf er nur die Querlatte. Dazwischen köpfte der Eingewechselte Peter-Sebastian Gunkel (kam komischerweise für Rock Embingou - da hätten ganz andere den Platz verlassen müssen!) über Wacker-Keeper Weigel, doch Stefan Otto klärte den Ball noch zur Linie. Im anschließende Eckball trifft Mike Sadlo am langen Pfosten leider nur das Außennetz (57.). In der 70. Minute musste sich Gunnar Grundmann dann wieder Strecken, als er den Kopfball von Andre Tews über die Querlatte "tippt"! Fünf Minuten später dann ein schneller Konter über Georg Leopold - dieser spielt in die Mitte zu Thomas Münzberg, doch dieser behält nicht die Nerven und trifft mit einer besseren Rückgabe genau in die Arme von VfB-Keeper Grundmann. Dann aber endlich mal wieder der Favorit aus der Messestadt: Nach einer Eingabe von Mario Nacev jagt Thorsten Görke am langen Pfosten den Ball knapp über die Querlatte (76.). Die letzte Chance im Spiel sollte dann dem starken Gastgeber gehören - und hätte eigentlich den 2:1 Siegtreffer bringen müssen: Christian Schmidt wird auf rechts stellen gelassen und die Eingabe schaufelt Stefan Otto aus 10 Metern freistehend zum Glück für die VfB-Spieler und Fans nicht am glänzend reagierenden Gunnar Grundmann vorbei. Danach entlud sich endgültig der Frust bei Fans und einigen Spielern - besonders Davor Krznaric wirkte nach dem vergebnen Elfmeter mehr als zerknickt! Auch an Trainer Hans-Jürgen Dörner ging das Spiel nicht spurlos vorbei, nachdem ihm die Wacker-Fans aufs übelste beleidigt hatten, legte er sich mit ihnen verbal an.

Fazit: Im Prinzip "rettete" Gunnar Grundmann mit seinen Glanztaten einen Punkt bei Aufsteiger Gotha - und dies sagt schon alles über das Spiel aus! Die mitgereisten Fans erlebten eine katastrophale erste Hälfte: Fehlpässe, keine Bewegung im Spiel - es ging einfach nix mehr und zur Krönung wurde man vom Aufsteiger aus Thüringen noch Vorgeführt! Die zweite Hälfte wurde dann leicht besser, aber die derzeitige nervliche Schwäche zeigte sich darin, dass gleich zwei Elfmeter von Mario Nacev bzw. Davor Krznaric verschossen wurden. Also nicht einmal Schiedsrichter Reiche konnte dem VfB drei Punkte "schenken"... Traurig, traurig und Sportdirektor Peter Gießner sprach nach dem Spiel das aus, was sich alle (teilweise seit Monaten) dachten! Nun darf man gespannt sein, ob die Mannschaft wenigstens gegen Braunsbedra eine Trotzreaktion zeigt und endlich wieder eine Siegesserie startet. Aber jegliche Träume vom Aufstieg sind nun endgültig geplatzt ... auf eine neue Saison in der Oberliga. Nur wie soll sich die finanzieren lassen - die Zukunftsfrage stellt sich! Aber wie sagt man so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt ...

(Spielbericht von Ronny John)

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