02. Spieltag   Saison 2002/2003

VfB Leipzig

4

FC Carl Zeiss Jena

1

Spieldaten
Datum 09. August 2002
Uhrzeit 19.00 Uhr
Spielstätte Bruno-Plache-Stadion (Leipzig)
Zuschauer 3.728
Schiedsrichter Lupp (Zossen)
Torschützen 1:0 Freund (6.), 2:0 Embingou (51.), 2:1 Sanchez (59./Handelfmeter), 3:1 Embingou (72.), 4:1 Kanitz (75.)
Gelb Großmann, Hannemann - Holetschek
Gelb-Rot Lenz (87./VfB)
Rot Keine
Aufstellung
VfB Leipzig: FC Carl Zeiss Jena:
Gunnar Grundmann Tino Berbig
Jörn Lenz Gediminas Sugzda
Torsten Jülich Jörg Nowotny (ab 46. Dirk Hempel)
Peter Freund Mirko Burgdorf
Matthias Großmann Markus Grasser
Dirk Hannemann Olaf Holetschek
Nico Kanitz Stefan Treitl
Frank Räbsch (ab 67. Marcel Gebhardt) Vito Benedetti (ab 60. Robert Paul)
Rock Embingou (ab 77. Alexander Blessin) Torsten Holm
Mike Sadlo (ab 65. Branko Marcetic) Jan Zimmermann
Peter-Sebastian Gunkel Sergio Sanchez
Trainer
Hans-Jürgen Dörner Frank Eulberg
   Interviews
Hans-Jürgen Dörner (VfB-Trainer) "Ich bin froh, dass wir gegen ein Spitzenteam wie Jena 4:1 gewonnen haben - ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment macht, die kämpferisch und läuferisch alles gegeben hat. Nach dem 1:0 konnten wir aus einer gestaffelten Abwehr heraus spielen und haben unsere Torchancen eiskalt genutzt. Nach dem zweifelhaften Elfmeter sind wir etwas ins wackeln gekommen, aber nach zehn Minuten hatten wir die Probleme überwunden. Ich lobe alle eingesetzte Spieler und wenn ein Olaf Renn wieder fit, sind wir noch stärker. Ich habe immer zu Rock Embingou gehalten und ich freue mich, dass bei ihm endlich der Knoten beim Tore schießen geplatzt wurde. Er ist eine echte Stütze unseres Teams geworden!"
Frank Eulberg (Jena-Trainer) "Gratulation an den VfB Leipzig zum Sieg, der mehr als verdient ist. Dennoch ist es nach dem Ergebnis etwas hart, den es entspricht nicht dem Leistungsstand. Das Spiel fing für uns grausam, mit dem frühen Rückstand nach einer Standartsituation, in einem Spitzenspiel an. Ich hätte gehofft, dass der viel gelobte Sanchez und die anderen beiden Stürmern sich besser durchsetzen. Beim 2:0 haben wieder alle geschlafen und Embingou, der ein Riesen-Spiel gemacht hat, konnte machen, was er wollte. Wir kommen durch den Elfmeter wieder zurück ins Spiel und durch einen Einwurf verlieren wir das Spiel dann wieder aus der Hand - das kann nicht sein. Man merkt, dass meine Mannschaft neuformiert ist und aus den vielen Fehlern lern muss. Wir haben für ein Spitzenspiel in der Abwehr einfach zu viele Fehler gemacht - den Neuzugängen muss man aber eine gewisse Geduld geben. Die Fehler haben auch nichts mit meiner Taktik mit den drei Stürmern zu tun - ein Fußballspiel wird halt durch individuelle Fehler entschieden!"
Rock Embingou (VfB-Spieler) "Das es so leicht wird, hätte ich nicht gedacht!"
Jörn Lenz (VfB-Kapitän) "Mein Platzverweis kotzt mich an. Da war doch nix."
Torsten Jülich (VfB-Spieler) "Den Ball habe ich nicht mit Absicht berührt. Andere Schiris pfeifen so etwas nicht."
Frank Räbsch (VfB-Spieler) "Wir haben das gezeigt, was wir können."
Wertung

4 Sterne (Es macht einfach wieder Spaß den VfB zu sehen - der Gastgeber bestimmte über weite Strecken das Spiel und besaß die größere Anzahl von Chancen! Wenn man sich durch die "Halbzeitaktion" nicht lächerlich gemacht hätte, wäre es ein perfekter Abend gewesen - nach dem 0:4 des FC Sachsen in Cottbus)

In der Galerie findet Ihr 83 Fotos und 5 Videos vom Spiel!
Spieler-Noten
Gunnar Grundmann 3
Jörn Lenz 3-
Torsten Jülich 2
Peter Freund 2
Matthias Großmann 3
Dirk Hannemann 2-
Nico Kanitz 2
Frank Räbsch (bis 67.) 3
Rock Embingou (bis 77.) 1-
Mike Sadlo (bis 65.) 2-
Peter-Sebastian Gunkel 3
Branko Marcetic (ab 65.) 3
Marcel Gebhardt (ab 67.) 3
Alexander Blessin (ab 77.) nicht gewertet

Spielbericht

Diesen Abend wird man so schnell im VfB-Lager wohl nicht vergessen! Gegen das Spitzenteam und Aufstiegskonkurrenz FC Carl Zeiss Jena gelang ein verdienter und ganz groß gefeierter 4:1 (1:0) Erfolg vor 3.728 Zuschauern (darunter ca. 350 Jena-Fans) im Bruno-Plache-Stadion. Wann hat man das letzte Mal gegen eine "große Mannschaft" ein Heimspiel gewonnen?! Dazu noch mit einer tollen kämpferischen, läuferischen und auch spielerischen Leistung - es macht einfach wieder Spaß EUCH Fußball spielen zu sehen. Und wer hat schon mit so einem Saisonauftakt gerechnet ... nach einigen schlechten Testspielen! Bis auf 10-15 Minuten in der zweiten Halbzeit hatte der Gastgeber das Spiel immer in Griff und von der "Tanzmaus" Sergio Sanchez und seinen zwei Sturmpartnern war 90 Minuten lang fast gar nichts zu sehen. Lob an die Abwehr, besonders an Neuzugang Peter Freund! Nun darf sich der VfB über den 1. Platz nach 2 Spieltagen freuen - dank der eignen Leistung und der Cottbuser "Amateure". Sie putzten den FC Sachsen Leipzig mit 4:0 (!) und dies sorgte schon vor Spielbeginn für gute Stimmung im Plache-Stadion, als der 3:0 Halbzeitstand durchgesagt wurde. Allerdings gab es auch zwei negative Punkte an diesem sonst so schönen Abend: Einmal die eher dumme Gelb-Rote Karte von Jörn Lenz drei Minuten vor Schluss und dann diese "komische" Halbzeitaktion des Vereins. Die Verantwortlichen dachten sich einen "lustigen" Staffellauf mit Fans aus beiden Lagern um den Stadionrasen aus. Dabei vergaß man aber die Stadiontore zu schließen und strömenden hunderte Fans (später auch aus dem Jena-Block) auf den Rasen - diese Verwirrung und gerade zu lächerliche Organisation nutzten einige Chaoten vom Dammsitz zum "endgültigen" Platzsturm, mit Attacke auf den Gästeblock. Erst die Polizei konnte beide Fanlager trennen, trotzdem wird dies wohl ein Nachspiel für den VfB Leipzig haben - der NOFV-Staffelleiter und der Schiedsrichter-Beobachter waren im Stadion (und der Verein ist schon vorbelastet beim NOFV). Aber lassen wir uns den Abend nicht verderben und genießen noch einmal dieses Fußballfest im Spielverlauf:

Schon vor dem Anpfiff viel Aufregung im Plache-Stadion - es gab einen neuen Stadionsprecher: Sven Herold (23)! Er machte seine Sache nicht schlecht, genauso wie Trainer Hans-Jürgen Dörner bei seiner Aufstellung. Der VfB-Coach brachte Neuzugang Peter Freund als dritten Manndecker ins Team (für Jens Werner) und im Sturm setzte er zunächst auf das Duo Sadlo-Gunkel. Neuzugang Branko Marcetic mit der Trikotnummer 19 musste zunächst auf der Bank Platz nehmen, genauso wie Alexander Blessin. Mit viel guter Laune begann das Spiel - die 3:0 Führung von Cottbus gegen den FC Sachsen wurde lautstark gefeiert und der Weg Richtung Tabellenspitze war frei! Das Spiel begann übrigens mit sieben Minuten Verspätung, da es noch Diskussionen um das Torwarttrikot von Tino Berbig im Jena-Tor gab - er musste dann mit einem Trainingsleibchen über dem Trikot spielen. Die erste kleine Chance im Spiel besaß dann Nico Kanitz, der nach einem Doppelpass mit Stürmer Mike Sadlo aus 10 Metern nur das Außennetz traf (2.). Jena sorgte anfangs für wenig Gefahr und selbst ein Freistoß von der Strafraumgrenze durch Jan Zimmermann landete nur in der VfB-Mauer (3.). Dann die 6. Minute: Mike Saldo wird kurz vor der Torauslinie auf halb links gefoult und Freistoß-Spezialist Dirk Hannemann tritt an. "Hanne" bringt den Ball gefährlich in den 5-Meter-Raum, wo Neuzugang Peter Freund (1,85 m) gleich in seinem ersten Spiel völlig frei per Kopf zum umjubelten 1:0 trifft. Nun konnten die Leipziger aus einer sicheren Abwehr heraus agieren und erspielten sich einige gute Möglichkeiten, wie in der 10. Minuten, als Rock Embingou aus 16 Metern Tino Berbig prüft. Danach bestimmten einige Fehlpässe im Mittelfeld auf beiden Seiten das geschehen. Richtig gefährlich wurde es aber dann erst eine Viertelstunde später wieder, als nach einer Eingabe von Torsten Jülich Peter-Sebastian Gunkel den Ball nicht richtig unter Kontrolle bringt und aus 14 Metern am Carl Zeiss-Tor vorbeizielt. Die erste richtige Chance für Jena besaß Stefan Treitl, der in der 29. Minute aber aus 16 Metern knapp über das VfB-Tor schießt. Fünf Minuten später landet ein "Hammer" von Dirk Hannemann aus 20 Metern nur knapp links neben dem Tor. Dann die große Chance zum 2:0 für Mike Sadlo, nach Vorarbeit von Rock Embingou - doch der Torjäger scheiterte freistehend aus 10 Metern am glänzend reagierenden Tino Berbig! Mit dem Halbzeitpfiff setzt sich Frank Räbsch noch einmal auf rechts durch, zielt aber aus 14 Metern knapp über das Tor!

In der Halbzeitpause kam es dann leider zu den weiter oben schon beschriebnen Vorfällen - so was schadet dem ansehen des Vereins natürlich sehr, aber diesmal war der Verein selbst daran Schuld. Wie kann man nur in so einem "Risikospiel" so eine Aktion versuchen und dabei nicht genug Ordner an die Eingänge stellen (dazu griffen die Ordner auch nicht ein, als schon knapp 200 Fans auf dem Rasen waren!). Hoffen wir, dass es keine zu harten Strafen für den Verein gibt - aber nun wieder zurück zum Spielgeschehen und gleich ab in die 51. Minute: Nach einem schönen Anspiel legt sich Mike Sadlo den Ball per Kopf vor, scheitert aber an einem Gegenspieler - der Ball landet bei Rock Embingou, der zwei Gegenspieler aussteigen lässt und dann aus 10 Metern abzieht und zum 2:0 in die Maschen trifft. Das Spiel schien damit entschieden, doch Schiedsrichter Stefan Lupp zeigte nur acht Minuten später plötzlich auf den Punkt - Torsten Jülich soll im Strafraum mit der Hand den Ball gespielt haben! Alle Diskussionen halfen nichts, "Tanzmaus" Sergio Sanchez trat an und verwandelte sicher ins rechte untere Eck zum 1:2. Nun wurden die Gäste immer stärker und die Abwehr der Leipziger begann etwas zu wanken, fiel aber nicht! Olaf Holetschek scheiterte nach einem Eckball aus 10 Metern, da die Kugel über das Tor von Gunnar Grundmann zischte. In der 70. Minute wackelte die VfB-Abwehr erneut, doch die Gäste konnten kein Kapital daraus ziehen. Dann die Entscheidung in der 72. Minute durch den Mann des Abends: Rock Embingou! Nach einem Einwurf von Dirk Hannemann erreichen der eingewechselte Branko Marcetic und sein Gegenspieler den Ball nicht und schon steht "Rocky" bereit und vernascht mit einer tollen Einzelaktion wieder zwei Abwehrspieler und versenkt die Kugel aus 10 Metern zu seinem dritten Saisontor - danach erklangen die Gesänge "Oh, wie ist das schön" und es sollte noch besser werden! Nur drei Minuten nach dem 3:1, folgte das toll herausgespielte 4:1 - Torsten Jülich tankt sich auf rechts bis zur Torauslinie vor und legt dann zurück auf Nico Kanitz am langen Pfosten, der völlig frei aus drei Metern seinen ersten Saisontreffer erzielt. Danach schwappte die "La Ola Welle" mehrmals durchs Stadionrund - auch ein seltnes Bild im Plache-Stadion in den letzten Jahren. Branko Marcetic hatte sogar noch die Chance auf einen fünften Treffer, aber sein Schuss aus 16 Metern ging links vorbei (80.). Dann leider noch die Aktion von Kapitän Jörn Lenz ... er bringt an der Außenlinie seinen Gegenspieler zu Fall und erhält die Gelb-Rote Karte (fehlt damit im nächsten Spiel in Sondershausen). Trotzdem feierten die VfB-Kicker und Fans nach dem Schlusspfiff ausgelassen einen trotzdem fantastischen Fußballabend!

Fazit: Der VfB an der Tabellenspitze der Oberliga Nordost-Süd - besser hätte der Saisonstart nicht laufen können. 9:2 Tore, dadurch ein völlig verdienter Sieg gegen einen direkten Konkurrenten, plötzlich ist die Euphorie da! Diese Mannschaft kann wirklich viel erreichen, dass hat sie in der 2. Halbzeit in Pößneck und über 70 Minuten heute gezeigt. So kann es weitergehen, aber schon das Spiel in Sondershausen dürfte wieder ein echter Kampf werden. Keiner der 3.728 Zuschauer (außer die Gäste aus Jena) dürften ihr Kommen heute bereut haben (bei sehr angenehmen Fußballwetter) - der VfB gewinnt mit solchen Spielen wieder Fans zurück, wenn da heute nicht diese ominöse Halbzeitpause gewesen wäre. Die Hauptschuld liegt wohl beim Verein (die Aktion schien nicht richtig organisiert zu sein) und bei den Ordnern, die nie eingriffen, obwohl schon hunderte "Fans" auf den Rasen waren. Nur die Polizei konnte retten... Aber betrachten für das fußballerische, wo es fast nur positives zu berichten gab. Die Abwehr stand heute (bis auf die kritische Phase zwischen der 60. und 70. Minute) gegen den Dreier-Sturm sehr sicher und besonders Peter Freund gefiel mit seiner Kopfballstärke. Im Mittelfeld trieben besonders Dirk Hannemann (trotz dem ein oder anderen Fehlpass), Nico Kanitz und der Mann des Tages Rock Embingou die Mannschaft an. "Rocky" wurde heute übrigens von einigen Freunden mit Trommeln auf der Haupttribüne unterstützt, die für eine afrikanische Atmosphäre sorgten. Im Sturm rackerte Mike Sadlo viel, blieb aber etwas glücklos - auch Gunkel konnte diesmal nicht ganz so viel Akzente setzen. Einen positiven Eindruck hinterließ in seinen 25 Minuten Einsatzzeit aber auch Neuzugang Branko Marcetic. Er kann sehr wertvoll für den VfB werten! Normalerweise dürften die Leipziger nun als Spitzenreiter nach Sondershausen reisen - das man vor den vermeintlich "kleinen" sehr viel Respekt haben muss, hat heute der FC Sachsen gezeigt. Hoffen wir, dass den blau-weißen ein besseres Ergebnis nächste Woche gelingt - die Thüringer können aber schon mal nicht auf Bundesliga-Spieler zurückgreifen ;-)! Die Euphoriewelle kann ausbrechen...

(Spielbericht von Ronny John)

Zurück zu: Startseite     Saison-Übersicht     Fußball-Übersicht


Design / Inhalt: Lutz Heinrich und Ronny John     © 2002 by LH-creative