09. Spieltag   Saison 2002/2003

FC Sachsen Leipzig

1

VfB Leipzig

0

Spieldaten
Datum 12. Oktober 2002
Uhrzeit 14.10 Uhr
Spielstätte Alfred-Kunze-Sportpark (Leipzig)
Zuschauer 8.062
Schiedsrichter Weise (Könitz)
Besonderes Vorkommnis 25minütige Spielunterbrechung ab der 50. Minute
Torschützen 1:0 Cramer (48.)
Gelb Bergner, Schönberg, Cramer - Lenz, Räbsch, Breitkreutz
Gelb-Rot Keine
Rot Müller (74./FCS)
Aufstellung
FC Sachsen Leipzig: VfB Leipzig:
Marco Eckstein Gunnar Grundmann
David Bergner Jörn Lenz
Radisa Radojicic Peter Freund
Kevin Kittler Torsten Jülich
Frank Rietschel Matthias Großmann (ab 71. Alexander Blessin)
Piet Schönberg Olaf Renn (ab 78. Frank Räbsch)
Roman Müller Nico Kanitz
Ronny Kujat Rock Embingou
Heiko Cramer Matthias Breitkreutz
Norman Struck (ab 78. Tom Geißler) Mike Sadlo
Petr Nemec (ab 86. Velibor Kopunovic) Branko Marcetic
Trainer
Jürgen Raab Hans-Jürgen Dörner
   Interviews
Hans-Jürgen Dörner (VfB-Trainer) "Glückwunsch an meinen Trainer-Kollegen zu dem Sieg! Ich glaube, wir haben heute ein dramatisches Ortsderby, von zwei guten Mannschaften gesehen. Wir haben in der ersten Hälfte das Spiel kontrolliert und wenig zugelassen. Wir hätten in Führung gehen können durch Sadlo, dann haben wir im zweiten Durchgang den Ball verloren und wurden auswärts ausgekontert. Mit dem Gegentreffer war das Spiel gekippt und Sachsen hat hinten sicher gestanden. Ich möchte noch erwähnen, dass in der ersten Minute Bergner ein brutales Foul an Marcetic begangen hat - eine klare rote Karte. Der Schiedsrichter war zu feige, die Karte zu ziehen! Wir haben sonst ein anständiges und faires Spiel gesehen. Wir haben kein Tor geschossen, deshalb kann ich speziell mit meinen zwei Stürmern nicht zufrieden sein. Aus dem Mittelfeld heraus hätte auch mehr kommen müssen - da fehlten die Impulse!"
Jürgen Raab (FCS-Trainer) "Ich denke, dass meine Mannschaft eine riesige Leistung gebracht hat. Wir waren die aktiviere Mannschaft und hatten den größeren Willen zu gewinnen. Kämpferisch, läuferisch und auch manchmal spielerisch. Ich finde, wir waren überlegen gespielt - der VfB besaß nur eine Chance und wir haben das Spiel sonst dominiert. Im ersten Durchgang hatten zwei sehr gute Chancen und hätten sogar einen Elfmeter bekommen müssen. Wir haben den Druck erhöht im zweiten Durchgang und sind verdient in Führung gegangen. Sonst besaß der VfB keine Chance aus dem Spiel - haben nix zugelassen. Leider haben wir die Möglichkeiten zum zweiten Treffer nicht genutzt, der eigentlich verdient gewesen wäre. Idiotisch war die Aktion von Roman Müller - sonst bin ich hochzufrieden mit der Leistung."
Uwe Thomas (FCS-Vizepräsident) "Wir sind mit der Firma Siemens heute auf der Brust aufgelaufen und werden nächste Woche über ein längeres Engagement sprechen. Mit dem Blick auf die WM 2006 wollen wir es so ereichen, dass wenigstens einer der Vereine zumindest in der zweiten Liga spielt!"
Mike Sadlo (VfB-Spieler) "Es ist normal, dass es beim Derby knistert - es war zu erwarten, den letztes Jahr ist es auch nicht ganz ruhig verlaufen. Wir haben zwar verloren, aber die Saison ist noch lang und da können wir alles wieder gut machen!"
Reinhard Bauernschmidt (VfB-Präsident) "Das Engagement der Spieler und des Trainers waren in Ordnung. Wenn die Jungs immer so kämpfen, bin ich zufrieden. Und: Der Trainer steht nicht zur Disposition!"
Gunnar Grundmann (VfB-Torwart) "Bei der Flanke von Nemec wurde ich umgerannt! Wir haben gepennt und wurden bestraft. Unser Problem bleibt, dass wir gegen die Top-Teams Punkte abgeben. Wenn wir aufsteigen wollen, muss sich das ändern."
Matthias Breitkreutz (VfB-Spieler) "Wir hätten mehr tun müssen, dennoch wäre ein Remis verdient gewesen. Die Mannschaft braucht jetzt ein Erfolgserlebnis. Die Saison ist lang, unser Ziel verlieren wir nicht aus den Augen."
Jörn Lenz (VfB-Kapitän) "Vom Ergebnis bin ich enttäuscht, vom Auftritt der Mannschaft nicht. Dass es in der Oberliga-Spitze jetzt eng zugeht, ist schön für die Fans, und es wird auch so bleiben. Erst in der Rückrunde wird in dieser Phase die Meisterschaft entschieden. Die Niederlagen müssen jetzt aufhören."
Wertung

2,5 Sterne (Fußball war nur noch Nebensache an diesem Tag - Das Spiel wurde von zahlreichen Chaoten, besonders aus dem VfB-Lager überschattet. Das Spiel an sich ließ auch einiges zu wünschen übrig!)

In der Galerie findet Ihr 143 Fotos und 6 Videos vom Spiel!
Spieler-Noten
Gunnar Grundmann 3
Jörn Lenz 3
Peter Freund 3-
Torsten Jülich 3
Matthias Großmann (bis 71.) 4
Olaf Renn (bis 78.) 3
Nico Kanitz 4
Rock Embingou 4
Matthias Breitkreutz 3-
Branko Marcetic 4
Mike Sadlo 4
Alexander Blessin (ab 71.) keine Wertung
Frank Räbsch (ab 78.) keine Wertung

Spielbericht

Das 80. Leipziger Lokalderby wird man wohl auf beiden Seiten nicht so schnell vergessen - leider bleibt bei den VfB-Fans nur negatives in Erinnerung. Denn die grün-weiß (die mit "Siemens" als Trikotsponsor in fast kompletten grün aufliegen) gewannen gegen die blau-weißen (die wiederum sich in kompletten weiß präsentierten) vor der großen Kulisee von 8.062 Zuschauern (darunter mindestens 3.000 VfB-Fans) im Alfred-Kunze-Sportpark in Leutzsch mit 0:1 (0:0). Dazu kam es, wie vor dem Spiel schon befürchtet, leider wieder zu heftigen Randalen während des Spiels und führten zu einer Unterbrechung von 25 Minuten. Auslöser von Rauchbomben, bengalischen Feuer und jeder Menge gefährlichen Leuchtraketen war der 1:0 Führungstreffer des FC Sachsen durch Heiko Cramer (48.). Eine Menge Fans von anderen Vereinen hatten sich wieder im VfB-Block eingefunden und besonders einige "Fans" fielen durch dumme und rechtsradikale Spruchbänder auf - und dazu mit jeder Menge Leuchtraketen. Dies dürfte nun zu heftigen Folgen vom NOFV führen, da die Leipziger aus Probstheida schon mehrfach verwarnt wurden. Allerdings muss man sich auch Fragen, ob es nicht ein großer Fehler war vom Gastgeber nur 1.600 Karten für den Gästeblock zu verkaufen - so war der Ärger auf dem Dammsitz vorprogrammiert. Über dieses Derby wird man noch lange sprechen müssen, denn diese Randale überschatteten das sportliche und die 2. Niederlage in Folge für den Spitzenreiter (auch nach dem Spieltag, falls Jena in Plauen nur zu einem Unentschieden kommt) in Folge. Zum Glück kommt der Abstiegskandidat FC Lausitz Hoyerswerda nächste Woche ins Plache-Stadion. Aber erst einmal zum Spielverlauf, auf den schwer beschädigten Rasen in Leutzsch bei gerade einmal drei Grad (bibbern war angesagt):

Schon vor dem Spiel wurden ca. 30 Personen vor dem Stadion verhaftet, die trotz ausverkauften Gästeblock Einlass wollten und wegen der großen Zuschauermassen verschob sich der Spielbeginn auch auf 14.10 Uhr. VfB-Trainer Hans-Jürgen Dörner ließ im Sturm heute wieder Torjäger Mike Sadlo neben Branko Marcetic von Anfang spielen. Die rechte Außenbahn besetzte zum ersten Mal Rock Embingou und in der Mitte führte der wieder fitte Matthias Breitkreutz Regie. Im defensiven Mittelfeld wurde Dirk Hannemann von "Allzweckwaffe" Matthias Großmann ersetzt! Beim Gastgeber aus Leutzsch waren alle Spieler wieder fit und so konnte der FC Sachsen in Bestbesetzung auflaufen. Schon nach nicht einmal zwei Spielminuten wurde es richtig hitzig auf dem Spielfeld als FCS-Libero David Bergner Branko Marcetic brutal zu Fall bringt - Schiedsrichter Weise aus Könitz zückte Gelb, die meisten VfB-Fans, Spieler und auch Trainer Dörner (unterstrich es in der Pressekonferenz) forderten die rote Karte! Spielerisch passierte nicht viel und so konnte man als nächstes "Highlight" nur die gelbe Karte für VfB-Libero Jörn Lenz in der 12. Minute notieren, als er einen Konter unterband (nachdem der Schiedsrichter Weise vorher viel zu viel laufen ließ). Knapp eine Minute später werden die ersten Rauchbomben im Gästeblock entzündet und die ersten Leuchtraketen fliegen Richtung Spielfeld - ein kleiner "Vorgeschmack", was in der zweiten Halbzeit passieren sollte. In der 15. Minute dann die erste Torchance im Spiel: David Bergner setzt sich auf halb rechts durch und trifft aus 10 Metern die Oberkante der Querlatte. Sieben Minuten später dann die beste Gäste-Kombination in der ersten Halbzeit und vielleicht auch im ganzen Spiel als Stürmer Mike Sadlo den mitgelaufnen Matthias Breitkreutz sieht, der ehemalige Bundesliga-Spieler hebt den Ball wiederum in den lauf von Mike Sadlo. Der Leipziger Stürmer trifft den Ball aber nicht hundertprozentig und befördert ihn aus 8 Metern von halb rechts noch knapp über das Tor von Marco Eckstein. Dann wieder die Leutzscher, doch Keeper Gunnar Grundmann fängt einen Freistoß von Norman Struck von der rechten Seite locker weg (28.). Nach einer halben Stunde hätte es eigentlich 1:0 stehen müssen für den FC Sachsen, doch eine Flanke von rechts von Ronny Kujat setzt Heiko Cramer aus 10 Metern völlig freistehend noch neben das VfB-Tor - Grundmann wäre wohl chancenlos gewesen! Der Gastgeber war nun durchaus Feldüberlegen, ohne sich weitere richtig gute Chancen erspielen zu können. Erst in der 43. Minute musste im VfB-Lager wieder gezittert werden als Norman Struck von halb links aus 8 Metern abzieht (nach Kopfballvorlage Petr Nemec, nach weiten Pass von David Bergner), aber der Ball knapp über die Querlatte zischt. 

Nach dem man sich in der Halbzeit endlich wieder aufheizen konnte, dann leider der Schock für alle VfB-Anhänger in der 48. Minute - das 0:1, aber der Reihe nach: Mike Sadlo versucht sich im "eins gegen eins" gegen Kevin Kittler durchzusetzen, verliert aber den Ball. Petr Nemec geht auf der linken Außenbahn durch und zieht den Ball in die Strafraummitte, am kurzen Pfosten lauert Norman Struck, der aber von Grundmann gehindert wird an den Ball zu kommen - aber da ist ja noch Heiko Cramer völlig freistehend am langen Pfosten, der ohne Probleme aus 4 Metern den Ball per Kopf in die Maschen befördert. Riesiger Jubel im Lager der Leutzscher - bengalische Feuer werden entzündet. Kurz darauf dann eine Rauchbombe auf der rechten Seite des VfB-Blocks und dann geht es von allen Seiten los - Leuchtraketen zischen durch die Luft, bengalische Feuer werden auf das Spielfeld geworfen. Die "Chaoten" beschießen auch die VfB-Ersatzbank und Schiedsrichter Weise bleibt nichts anderes übrig als beide Teams in die Kabine zu schicken - die Sicherheit war nicht mehr gewährleistet. Die Polizei marschiert auf, bekommt die Lage aber nie unter Kontrolle - selbst ein in Bereitschaft gebrachter Wasserwerfer konnte weitere Tumulte nicht mehr verhindern. Nun ging es auch auf einmal auf dem Dammsitz hoch her - vom Norddamm strömten 20, 30 sogenannte Fans heran (die sich teilweise vorher in Halbzeit eins als Dynamo Dresden outeten) und nun eskalierte es auch bei den rund 700 VfB-Fans, die dort standen. Die Polizei griff nun endlich härter zu und verhafteten einen Chaot (an dieser Stelle darf erwähnt werden, dass es einer der "Fans" war, die vom Norddamm kamen). Auch im Block hinter dem Tor marschiert die Polizei nun ein und sorgte nach über 20 Minuten endlich für etwas Ruhe. Warum ging das nicht schon eher?! Fußball wurde nach einer Unterbrechung von knapp 25 Minuten (!) auch wieder gespielt, ohne dass der VfB die nötigen Chancen für das 1:1 erspielen konnte. In der 53. Minute eilt Marco Eckstein aus seinem Tor und Branko Marcetic taucht völlig frei vor ihm auf - aber der Stürmer versucht nicht ins leere Tor zu treffen, sondern legt den Ball zurück, dass hätte es eigentlich sein müssen. In der 65. Minute flankt Rock Embingou von rechts, aber ein Kopfball von Mike Sadlo ist leichte Beute für Eckstein. Zwei Minuten später haben die VfB-Kicker viel Glück, dass der Linienrichter die Fahne hebt, als Norman Struck allein durch ist. In der 70. Minute sorgte Ronny Kujat mit einer Flanke für Gefahr, doch der Ball zischt an Freund und Feind vorbei durch den Strafraum. Drei Minuten später kann sich Nico Kanitz auf der linken Außenbahn mal wieder durchsetzen, doch sein abgefälschter Schuss aus knapp 18 Metern geht knapp links vorbei. Dann die 75. Minute: Roman Müller holt Rock Embingou brutal von den Beinen und Schiedsrichter Weise entscheidet richtigerweise sofort auf Rot! Die Chance für den VfB gegen nur noch zehn Sachsen-Spieler, aber die Abwehr der Gastgeber stand einfach zu gut. Statt dessen noch mal der FC Sachsen, aber die Flanke von Heiko Cramer von rechts köpft Petr Nemec über das Tor. Die letzte Chance in einem spielerisch sonst etwas enttäuschenden Derby besaß Branko Marcetic, der einen Freistoß aus 20 Metern in die Arme von Eckstein schießt. Das war's und der Jubel der Sachsen-Anhänger genauso groß wie die Enttäuschung auf VfB-Seite.

Fazit: Das 80. Leipziger Lokalderby wurde mit viel Kampf und Einsatz geführt - spielerisch fehlte es auf beiden Seiten etwas, trotzdem war immer für Unterhaltung bei kalten drei Grad gesorgt. Die Sachsen können nun ein halbes Jahr den Titel "Nummer eins in Leipzig" tragen - bis jetzt war es der VfB (1:0 Erfolg beim FC Sachsen in der letzten Saison). Leider wurde dieses Fußball vor einer imposanten Kulisee (wo in Deutschland findet sonst ein Spiel in der 4. Liga vor über 8.000 Zuschauern statt?) wieder durch heftige Randale überschattet - die dazu noch viel schlimmer waren, als in den letzten Jahren. Für beide Vereine dürfte es ein Nachspiel beim NOFV geben - leider kommen diese Aktionen von "Unbelehrbaren" und dazu mischen sich noch viele Anhänger von anderen Vereinen im Gästeblock unter. Wie sonst ist ein Spruchband zu erklären "Wir sind Lokisten - Mörder und *****" - jeglicher Kommentar erübrigt sich! Beim VfB enttäuschte die Offensivabteilung, auch von Matthias Breitkreutz ging zu wenig Gefahr aus - über beide Außenbahnen lief auch selten etwas. Nun heißt es für den VfB gegen andere Gegner fleißig Punkte sammeln - mit etwas Glück ist man auch nach diesem Spieltag noch Tabellenführer. Der FC Sachsen war besonders durch Heiko Cramer und Norman Struck gefährlich - Libero David Bergner enttäuschte (sicherlich auch aus Sicht der Sachsen-Fans) mit vielen technischen Fehlern. Auf ein neues Derby in der Rückrunde - mit einem besseren Ausgang für das VfB-Lager und vielleicht bleibt es dann einigermaßen friedlich. Aber warten wir die Konsequenzen aus dem 80. Derby erst einmal ab...

(Spielbericht von Ronny John)

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