23. Spieltag   Saison 2002/2003

SV 1919 Grimma

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VfB Leipzig

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Spieldaten
Datum 09. März 2003
Uhrzeit 14.00 Uhr
Spielstätte Stadion der Freundschaft (Grimma)
Zuschauer 1.600
Schiedsrichter Hoffmann (Seligenthal)
Torschützen Fehlanzeige!
Gelb Winkler, Schober, Saalbach, Pörschmann - Breitkreutz, Adler, Blessin, Embingou
Gelb-Rot Jülich (70./VfB)
Rot Keine
Aufstellung mit Rückennummern
SV 1919 Grimma: VfB Leipzig:
1 Ronny Winkler 1 Gunnar Grundmann
2 Steffen Ziffert 28 Jörn Lenz
3 Andre Schober 5 Jens Werner
17 Marcus Saalbach 7 Torsten Jülich
7 Thomas Mähne (ab 78. 15 Thomas Brumme) 11 Dirk Hannemann
13 Holm Beyer 8 Nicky Adler
16 Andy Müller 6 Olaf Renn
9 Mirko Liebich 15 Rock Embingou
10 Sven Birnbaum (ab 88. 6 Thomas Massner) 4 Matthias Breitkreutz
11 Heiko Pörschmann 10 Alexander Blessin (ab 64. 21 Frank Räbsch)
14 Rene Großmann (ab 77. 20 Stephan Knoof) 20 Mike Sadlo
Trainer
Rainer Lisiewicz Hans-Jürgen Dörner
   Interviews
Hans-Jürgen Dörner (VfB-Trainer) "Ich bin natürlich mit dem Ausgang des Spieles nicht zufrieden. Wir waren über die gesamten 90 Minuten die bessere Mannschaft und haben vor allem in der ersten Halbzeit versäumt ein Tor zu machen. Genauso war es Anfang der zweiten Halbzeit, wo wir auch etwas Pech bei unseren Torchancen hatten. Es ist natürlich schwierig gegen eine defensiv eingestellte Mannschaft zu spielen, die von der ersten Minute an auf Zeit spielt. Meine Mannschaft hat selbst in Unterzahl toll gekämpft und versucht ein Tor zu erzielen. In der 89. Minuten hätte das Spiel sogar noch zu unseren Ungunsten kippen können. In den folgenden Spielen müssen wir unsere Chancen besser nutzen. Ich muss meinen jungen Leuten Nicky Adler und Jens Werner ein Kompliment machen, die viel gelaufen sind. Der doppelte Punktverlust ist schon ärgerlich, besonders wenn man die Ausrutscher der Konkurrenz denkt. Wir wären bei einem Erfolg richtig gut dabei gewesen - zum Glück geht es uns aber nicht alleine so gegen die vermeintlich Kleinen. Der schwierigste Teil im Fußball ist das Spiel zu machen und die nötigen Tore zu erzielen. Zur Schiedsrichter-Leistung: Es war katastrophal was der junge Mann, zum Teil auf beiden Seiten, gepfiffen hat. Er hat einfach das Maß der Dinge verloren und hat das Spiel total zerpfiffen. Eine einzige Katastrophe! Nun müssen für unsere gesperrten Leute nächste Woche andere ran."
Rainer Lisiewicz (SVG-Trainer) "Wir waren der Außenseiter und so ist der Punktgewinn natürlich eine super Sache. Wir haben kämpferisch das gebracht, was die Mannschaft bringen musste. Wir haben über die gesamten 90 Minuten nicht unseren Rhythmus gefunden und das lag vor allem an dem sehr aggressiv spielenden VfB. Mit dem Lattentreffer von Brumme hatten wir sogar noch etwas Pech gehabt. Ich bin mir sicher, wenn der VfB so weiter spielt, sollte die Tabellenspitze kein Problem sein. Und vielleicht können wir nächste Woche gegen Jena den VfB etwas helfen!"
Gunnar Grundmann (VfB-Torwart) "Ich wäre dem Schiedsrichter gerne an den Kragen gegangen. Der Typ hat 90 Minuten Scheiße gepfiffen, uns einen klaren Elfer geklaut und hinterher auch noch gelacht."
Reinhard Bauernschmidt (VfB-Präsident) "Grimma war stehend K.o., ohne die ständigen Unterbrechungen wären die umgefallen! Und zum Wechsel von Adler: Ich habe weder von 1860 noch von Nicky Adler etwas gehört!"
Nicky Adler (VfB-Spieler) "Wir hatten genügend Gelegenheiten, das muss für drei Punkte reichen. Zu 1860 München: Es ist alles klar. Ich gehe im Sommer!"
Wertung

3 Sterne (Aggressive Zweikämpfe, viele Torszenen und jede Menge Diskussionsstoff - es fehlten beim kleinen Derby einfach nur die Tore ... für den VfB!)

73 Fotos und 1 Video vom Spiel findet Ihr in der Galerie!
Spieler-Noten
Gunnar Grundmann 3
Jörn Lenz 3
Jens Werner 3
Torsten Jülich 4
Dirk Hannemann 3
Nicky Adler 3
Olaf Renn 3-
Rock Embingou 4+
Matthias Breitkreutz 4
Alexander Blessin (bis 64.) 4
Mike Sadlo 3+
Frank Räbsch (ab 64.) 4

Spielbericht

Den Spielbericht sollte man heute nach dem kleinen Derby in Grimma in "Baustellenreport" umbenennen - das Stadion der Freundschaft im vom Hochwasser schwer betroffnen Grimma glich einer einzigen Baustelle. Die komplette Laufbahn wurde aufgerissen und überall türmte sich der Schutt. Aber viel schlimmer: Am Ende sprang für den Favoriten aus der Messestadt beim SV 1919 Grimma nur ein unglückliches 0:0 (0:0) Unentschieden vor 1.600 Zuschauern heraus. Dabei sahen die gut und gerne 1.000 mitgereisten Leipziger eine gute und sehr aggressive VfB-Truppe, die sich wieder zahlreiche Torchancen herausspielen konnten, aber keine davon nutzte. Am Ende hatte man in Unterzahl (Torsten Jülich sah in der 70. Minute die Gelb-Rote Karte) sogar noch bei einem Lattentreffer von Thomas Brumme Glück. Zum Buhmann an diesem Nachmittag wurde (man muss sagen vollkommen zu Recht) Schiedsrichter Sandy Hoffmann aus Seligenthal, dessen Leistung nicht nur von Trainer Dixie Dörner "als eine einzige Katastrophe" bezeichnet wurde. Der gute Mann besaß heute nicht einmal Viertliganiveau und ließ keine Linie bei seinen zahlreichen Pfiffen erkennen. Beim VfB schickte er Jülich vom Platz, während er bei einem brutalem Foul an Nicky Adler im Strafraum nicht einmal Gelb zeigte, geschweige den es einen Elfmeter gab. Aber nur am Schiedsrichter kann man das Unentschieden bei leichtem Sprühregen und 10 Grad nicht fest machen - wieder wurden einfach beste Chancen nicht genutzt. Wenigstens ist Gunnar Grundmann seit nunmehr 550 Minuten ohne Gegentor (das nimmt langsam "Kahnsche" Dimensionen an). Aber zum Spielverlauf:

VfB-Trainer Hans-Jürgen Dörner baute seine "Siegertruppe" vom Dresden-Spiel nur auf der rechten Außenbahn um. Für den beim FV Dresden Laubegast schwachen Frank Räbsch rückte der erst 17jährige Nicky Adler in die Anfangsformation. Stürmer Peter-Sebastian Gunkel war nach seiner Hüftprellung ebenso noch nicht fit, wie auch Manndecker Peter Freund. Trotzdem legten die Gäste eine klasse Anfangsviertelstunde hin - mit Dauerdruck auf das Gehäuse von Grimma-Keeper Ronny Winkler. Schon nach zwei Minuten flankt Alexander Blessin von rechts, doch die direkte Abnahme von Torjäger Mike Sadlo war sichere Beute von Winkler. Danach führt Matthias Breitkreutz einen Freistoß im Mittelfeld ganz schnell aus und Stürmer Mike Sadlo taucht völlig frei vor Keeper Ronny Winkler auf - Sadlo tanzt Winkler aus und schiebt den Ball aus 14 Metern auf den Kasten ... doch in letzter Sekunde kratzt Holm Beyer den Ball noch von der Linie (8.). Danach verflachte die Partie wieder etwas, trotzdem blieb der VfB spielbestimmend und Grimma mehr als harmlos. In der 22. Minute bedient der 17jährige Nicky Adler Dirk Hannemann, doch dessen Geschoss geht aus 20 Metern links vorbei. Zwei Minuten später legt Regisseur Matthias Breitkreutz ein Solo über den halben Platz hin und da sich niemand anbietet zieht der ehemalige Bundesliga-Profi aus 22 Metern einfach selbst ab - doch die Kugel zischte Zentimeter über der Querlatte vorbei. In der 28. Minute gewinnt Alexander Blessin nach einem Freistoß sein Kopfballduell gegen Heiko Pörschmann und legt für Rock Embingou auf - der Mittelfeld-Techniker setzt sich klasse durch im Strafraum, schießt aber aus 12 Metern noch über den Kasten von Winkler. Sekunden später bedient Mike Sadlo Olaf Renn auf der linken Außenbahn, doch der schwache Abschluss war kein Problem für den Schlussmann vom Gastgeber. Dann die 33. Minute und die erste (und einzige) Chance für Grimma im ersten Durchgang - doch der Schuss von Mirko Liebich von halb rechts geht deutlich am VfB-Tor vorbei. Drei Minuten später zieht Mike Sadlo (nach Vorarbeit von Rock Embingou) aus der Drehung ab, doch Ronny Winkler ist wieder auf dem Posten. Die Leipziger lassen einfach nicht locker und drücken weiter, aber selbst beste Chancen wollen einfach nicht ins Tor von Grimma "kullern". So geschehen in der 38. Minute! Jens Werner spielt in den lauf von Nicky Adler, der flankt von rechts Richtung Strafraummitte auf Rock Embingou - der Kongolese trifft den Ball nicht richtig und so trudelt die Kugel um Millimeter am linken Pfosten vorbei - SVG-Keeper Winkler zeigte keine Reaktion! Die letzte Minichance im ersten Durchgang besaß Mirko Liebich vom Gastgeber, doch sein Schuss aus dem Gewühl war kein Problem für Gunnar Grundmann.

Dank der lautstarken mitgereisten Leipziger begann der VfB die zweite Halbzeit furios. Nicht einmal 60 Sekunden waren gespielt da bedient Alexander Blessin Nachwuchshoffnung Nicky Adler (der nach Aussage von Präsident Reinhard Bauernschmidt noch keinen Vertrag bei 1860 München besitzen soll), der aber aus nicht einmal acht Metern an Winkler scheiterte. Die anschließende Ecke landet bei Alexander Blessin am langen Pfosten, der aus 10 Metern abzieht - doch ein Abwehrspieler kratzt den Ball für den geschlagnen Winkler noch von der Linie - wieder Pech (oder ist das einfach Unvermögen?!)! Danach war die Luft etwas raus, auch dank Schiedsrichter Hoffmann, der nun das Spiel regelrecht zerpfiff und viele merkwürdige Entscheidungen traf. Fußball wurde aber auch noch gespielt, so in der 55. Minute als nach einem Konter über rechts Jens Werner den flinken Nicky Adler sieht, doch sein Schuss wird in letzter Sekunde aus 5 Metern abgeblockt. Bei der anschließenden Ecke von links kommt Nicky Adler vollkommen frei zum Kopfball, doch aus 8 Metern kann er Ronny Winkler nicht überwinden. Die Verzweiflung beim Favoriten aus Leipzig wurde nun immer größer und selbst aus einer Eckball-Serie (vier hintereinander) von Techniker Matthias Breitkreutz sprang nichts zählbares heraus (65.). Dann die 70. Minute und der VfB auf einmal in Unterzahl! Was war passiert? Torsten Jülich begeht auf Höhe der Mittellinie ein harmloses Foul am theatralisch fallenden Rene Großmann - und Sandy Hoffmann zieht sofort die Gelb-Rote Karte. Selbst die Ersatzspieler von Grimma waren sich einig: "Das war niemals eine gelbe Karte wert" - und selbst wenn, hier muss man Fingerspitzengefühl zeigen! Nun war natürlich "Feuer" in der Partie und es wurde immer hitziger, woran Sandy Hoffmann aus Seligenthal noch mal seinen Anteil hat. Statt einem Spieler von Grimma nach einem brutalem Foul an Nicky Adler Höhe der Torauslinie wenigstens Gelb zu zeigen (sogar ein Elfmeterpfiff war hier möglich), ließ er einfach weiterspielen - so viele zur nicht vorhandnen Linie bei Herrn Hoffmann. Der VfB warf nun selbst in Unterzahl alles nach vorn, doch es wollte nichts zählbares herauskommen. So hatte man in der 89. Minute sogar Glück, als Holm Beyer nach einer Ecke von links flankt und der eingewechselte Thomas Brumme aus 10 Metern per Kopf nur die Querlatte traf. Die letzten Szenen gehörten aber dem VfB: Erst schießt Jörn Lenz einen Freistoß aus 24 Metern in die Mauer, dann taucht Olaf Renn völlig frei vor Ronny Winkler auf halb links auf. Doch statt selbst zu schießen legt er für Matthias Breitkreutz auf, der von der Strafraummitte abzieht aber wieder an einem Grimmaer Abwehrspieler hängen bleibt. Rock Embingou kommt noch einmal an den Ball und wird von hinten umgestoßen - das hätte mit dem Schlusspfiff eigentlich Elfmeter geben müssen. Aber hätte, wenn und aber - der VfB scheiterte wieder an der schwachen Chancenverwertung... Übrigens: Grimma-Keeper Ronny Winkler spielte gleich zweimal kurz vor Schluss den "Clown" um Zeit zu schienten und jonglierte mit dem Ball - Fairness sieht wirklich anders aus!

Fazit: Toll gekämpft, gut motiviert (teilweise übermotiviert) und wieder viele Torchancen herausgespielt. Eigentlich alles richtig gemacht, nur das Tor wieder einmal nicht getroffen. So steigt man nicht auf - auch aus dem bundesligaerfahrenen Mittelfeld kam heute noch zu wenig! Positiv seih zu bemerken: Die Abwehr steht weiter wie ein Bollwerk und Gunnar Grundmann ist nun seit 550 Minuten schon ohne Gegentor. Viel Lob verdiente sich heute Nachwuchs-Talent Jens Werner in der Abwehr und auch Nicky Adler konnte im zweiten Durchgang überzeugen (in Halbzeit eins zeigte er noch eine schwache Leistung auf rechts). Hervorheben kann man noch Mike Sadlo (arbeitete wieder viel und ist eine riesen Belebung für das offensiv Spiel des VfB) und Dirk Hannemann, der heute aber zu viele Fehlpässe spielte. Über die Außen Olaf Renn, Nicky Adler und später Frank Räbsch kam leider viel zu wenig - da muss bei einem so defensiv eingestellten Team mehr kommen. Dank der "katastrophalen" (O-Ton Dixie Dörner) Leistung von Schiedsrichter Sandy Hoffmann werden im Heimspiel gegen den FC Anhalt Dessau neben Torsten Jülich auch Matthias Breitkreutz und Alexander Blessin wegen ihrer 5. Gelben fehlen. Zum Glück sind sie eine Woche später beim extrem wichtigen Auswärtsspiel in Plauen wieder einsatzfähig. Trotzdem hatte der schmuddlige Fußball-Nachmittag noch zwei echte Gewinner: Den VFC Plauen (gewann 3:1 gegen Magdeburg und ist wieder Tabellenführer) und den FC Carl Zeiss Jena (zwei Punkte Rückstand auf den VfB bei zwei Spielen weniger) - dessen Trainer Achim Steffens sah das Unentschieden mit viele Freude auf der Tribüne. Und: Wie man nach dem Spiel erfuhr, hat Schiedsrichter Sandy Hoffmann einen Sonderbericht angefertigt, da Dirk Hannemann ihn nach dem Spiel verbal schwer beleidigt haben soll - hier droht nun eine längere Sperre durch den Sportverband. Auch Matthias Breitkreutz soll in dem Sonderbericht auftauchen ...

(Spielbericht von Ronny John)

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