26. Spieltag   Saison 2002/2003

VfB Leipzig

0

FC Sachsen Leipzig

3

Spieldaten
Datum 05. April 2003
Uhrzeit 14.10 Uhr
Spielstätte Bruno-Plache-Stadion (Leipzig)
Zuschauer 7.334
Schiedsrichter Fleske (Schönow)
Torschützen 0:1 Hänsel (49.), 0:2 Bergner (62.), 0:3 Kujat (84.)
Gelb Freund, Baum - Kittler, Struck
Gelb-Rot Keine
Rot Keine
Aufstellung
VfB Leipzig: FC Sachsen Leipzig:
1 Gunnar Grundmann 1 Marco Eckstein
5 Jens Werner 19 David Bergner
7 Torsten Jülich 7 Radisa Radojicic
2 Peter Freund 18 Tobias Friedrich
4 Kevin Rienaß (ab 84. 28 Jörn Lenz) 3 Kevin Kittler
6 Olaf Renn 5 Frank Rietschel
3 Richard Baum 11 Norman Struck (ab 58. 6 Roman Müller)
21 Frank Räbsch 20 Tom Geißler
15 Rock Embingou (ab 62. 10 Alexander Blessin) 10 Heiko Cramer
20 Mike Sadlo (ab 8. 19 Branko Marcetic) 17 Ronny Kujat (ab 84. 9 Velibor Kopunovic)
14 Nicky Adler 13 Sebastian Hänsel
Trainer
Detlef Schößler Jürgen Raab
   Interviews
Detlef Schößler (VfB-Trainer) "Glückwunsch an den FC Sachsen zum verdienten Sieg - so muss ich das formulieren. Im ersten Durchgang standen wir gut in der Abwehr und hatten dazu eine Großchance. Ich hätte zumindest erwartet, dass der Ball aufs Tor geht von Jülich! Der FC Sachsen hatte im zweiten Durchgang recht früh das Tor gemacht und waren uns dann von der Cleverness deutlich überlegen. Wir haben es dann nicht mehr geschafft, konstruktiv nach vorn zu spielen und mussten so das 0:3 ertragen. Die Aufstellung war allein meine Entscheidung und nicht mit dem Präsidium abgesprochen. Ich hatte schon im Vorfeld gesagt, dass wir nicht nur mit jungen Spieler bestehen können. Und in der kurzen Zeit, wo ich hier bin, kann ich natürlich meine Handschrift noch nicht so hinterlassen. Wir brauchen auch eine Korsettstange mit erfahrenen Spielern und die Jungen müssen sich an ihnen dann orientieren. Aber: Bei mir ist Leistung das Maß aller Dinge! Die jungen Kicker haben ihre Aufgaben heute unterschiedlich gut erfüllt. Wir haben im zweiten Durchgang als Mannschaft keine Mittel gegen den FC Sachsen gefunden - unser Team ist halt noch nicht so gewachsen wie der FC Sachsen. Meine Spieler haben bis auf wenige Ausnahmen gut trainiert - und mein Überraschungseffekt war nicht mit Erfolg gekrönt. Wir werden nun von Spiel zu Spiel arbeiten und schauen, wer in die neue Mannschaft passt. Die Meisterschaft war schon vor dem Derby für mich abgehakt!"
Jürgen Raab (FCS-Trainer) "Wir sind erst einmal sehr glücklich, dass wir hier gewonnen haben. Wir mussten nach dem Erfolg von Jena gestern einfach gewinnen, da wir nächste Woche gegen Jena noch selbst spielen. Der erste Durchgang war fußballerisch schwach von uns. In Halbzeit zwei haben wir uns dann gesteigert und den Gegner auch laufen lassen. So haben wir am Ende verdient gewonnen! Es war unangenehm gegen so einen Gegner zu spielen, mit so einer umgestellten Mannschaft, mit vielen jungen Leuten. Insgesamt hatte mir unsere Vorstellung sehr gefallen und wir werden diesen Erfolg am Wochenende genießen - aber ab Montag konzentrieren wir uns auf das Jena-Spiel. Das müssen wir gewinnen - dann sind es nur noch zwei Punkte Rückstand und dann ist der Druck für Jena da! Wir brauchen uns vor keiner Mannschaft verstecken und ich weiß, dass meine Mannschaft Jena schlagen kann."
Gunnar Grundmann (VfB-Kapitän) "Einige bei uns sollen wegen der Finanzprobleme aussortiert werden. Aber woher sollen die ganz jungen Leute das Selbstvertrauen nehmen?"
Uli Thomale (ehemaliger VfB-Trainer) "Der VfB-Auftritt war einfach traurig! Die veranlagten Jungs tun mir leid. Sie wurden hier rein geworfen, obwohl sie das beim besten Willen noch nicht schaffen konnten."
David Bergner (FCS-Spieler) "Wir waren die klar bessere Mannschaft und hatten von Anfang an die Initiative übernommen. So haben wir am Ende auch verdient 3:0 gewonnen!"
Ronny Kujat (FCS-Spieler) "Ich weiß nicht, weshalb wir so schwer in die Gänge kamen. Auch bei mir fehlte anfangs der richtige Biss. In Hälfte zwei hat dann wirklich jeder gesehen, dass es bei uns einen Ruck zu besserem gab. So konnte es ja auch nicht weiter gehen. Wenn wir nächste Woche gegen Jena jetzt nicht nachziehen, dann nützt uns der Sieg heute nichts. Wenn wir da nur Unentschieden spielen oder sogar verlieren sollten, war's das mit der Meisterschaft. Trotzdem natürlich ein toller Erfolg hier beim VfB!"
Holger Tschense (Sportbürgermeister Leipzig) "Ich bin zufrieden und erleichtert, dass alles ruhig geblieben ist. Die umfangreiche Vorbereitung hat sich ausgezahlt!"
Wertung

2,5 Sterne (Im ersten Durchgang wurden den Zuschauer sehr wenig geboten - in Halbzeit zwei spielte dann nur noch der FC Sachsen!)

In der Galerie findet Ihr 116 Fotos und 5 Videos vom Spiel!
Spieler-Noten
Gunnar Grundmann 3
Jens Werner 4
Torsten Jülich 4
Peter Freund 4+
Kevin Rienaß (bis 84.) 4-
Olaf Renn 3
Richard Baum 3-
Frank Räbsch 4-
Rock Embingou (bis 62.) 5
Mike Sadlo (bis 8.) keine Wertung
Nicky Adler 3+
Branko Marcetic (ab 8.) 5
Alexander Blessin (ab 62.) 3
Jörn Lenz (ab 84.) keine Wertung

Spielbericht

Wieder einmal war Derby-Zeit in Leipzig, schon zum 81. mal - an so einen Tag werden Helden geboren oder Verlierer geschaffen. Diesmal gehörten die VfB-Kicker mit Neu-Trainer Detlef Schößler vor immerhin 7.334 Zuschauern (darunter 2.000 am Ende mehr als fröhliche Sachsen-Fans) im Bruno-Plache-Stadion in Probstheida zu den letzteren. Der VfB Leipzig verlor nach einer schwachen zweiten Halbzeit verdient mit 0:3 (0:0) gegen clevere und abgebrühtere Gäste vom FC Sachsen aus Leutzsch - eine wohl historische Pleite. Allerdings sorgte VfB-Trainer Schößler mit seiner Aufstellung für eine faustdicke Überraschung - und setzte gleich auf vier Nachwuchsspieler und ließ erfahrene Leute wie Jörn Lenz und Matthias Breitkreutz (wegen zu schwacher Trainingsleistungen) draußen. Dies sollte am Ende gründlich schief gehen und die Sachsen-Fans feierten ihre Mannschaft noch Minuten nach dem Sieg mit dem Sprechchor "Derbysieger". In Sachen Choreografien lieferten sich beide Fanlager ein fast ausgeglichnes Duell - als knapper Sieger dürfte aber die VfB-Choreografie auf der Gegengerade hervor gegangen sein. Die Fangruppierung von Inferno LOK Leipzig investierte knapp drei Wochen arbeit (und 300 Euro) in die tolle Choreografie mit dem großen Spruchband "100 Jahre Deutscher Meister, 110 Jahre Leipzigs Nr. 1". Aber dafür gibt's leider keine Punkte im Meisterschaftskampf, obwohl der erste Platz für den VfB sowieso schon vor dem Spiel abgehakt war - der FC Sachsen hat aber nun wieder gute Chancen (bei einem Sieg gegen Jena) in Sachen Aufstieg. Aber nun zu dem aus VfB-Sicht sportlich deprimierenden Nachmittag bei circa 8 Grad und eiskaltem Wind... Übrigens: Das Spiel begann wegen dem großen Andrang an den Kassen zehn Minuten später - und bis auf zwei Rauchbomben blieb es im Stadion dank eines Aufgebotes von fast 800 Beamten und 150 Sicherheitskräften (die jeden Besucher genau durchsuchten) ruhig. Dafür sorgte auch eine Reiterstaffel und zwei über dem Plache-Stadion kreisende Hubschrauber.

Der neue VfB-Trainer Detlef Schößler überraschte alle im Plache-Stadion mit seiner Aufstellung und ließ den ehemaligen Kapitän Jörn Lenz auf der Ersatzbank Platz nehmen - Regisseur Matthias Breitkreutz wurde sogar wegen schlechten Trainingsleistungen auf die Tribüne verbannt. Dafür gab Richard Baum und der erst 17jährige Kevin Rienaß ihr Debüt von Beginn an - dazu kam noch der aber nun schon seit Wochen zum Stamm gehörende 17jährige Stürmer Nicky Adler. In der Abwehr spielten Jens Werner, Torsten Jülich und Peter Freund. Kevin Rienaß sollte vor der Abwehr im defensiven Mittelfeld  abräumen, Olaf Renn über links und Frank Räbsch über rechts für Druck sorgen. Neben den langzeitverletzten Peter-Sebastian Gunkel und Nico Kanitz fehlte auch Mittelfeld-Rambo Dirk Hannemann (gesperrt). Auf der Bank nahm übrigens auch der A-Jugendliche Andreas Kirilow Platz - Detlef Schößler sorgte also schon in seinem ersten Pflichtspiel als VfB-Trainer für den Umbruch (aber viel besser wurde der VfB-Kick dadurch nicht). Den besseren Auftakt besaß der Gast aus Leutzsch, doch ein Schuss von Sebastian Hänsel in der 8. Minute ging aus 16 Metern knapp über das VfB-Gehäuse. Wenige Sekunden später ein dicker Schock für alle VfB-Anhänger - Torjäger Mike Sadlo musste wegen einer Zerrung im rechten Oberschenkel den Platz verlassen (der schon aussortierte Branko Marcetic kam dafür ins Spiel). Für Marco Eckstein wurde es das erste Mal in der 13. Minute gefährlich, doch ein Freistoß von Richard Baum von halb rechts aus guter Position landete nur in der Sachsen-Mauer. Zehn Minuten später zieht Tom Geißler von halb links ab, doch die Kugel geht deutlich am langen Pfosten vorbei. In der 24. Minute bringt Olaf Renn von links einen Freistoß in den Strafraum, der als Abpraller genau vor die Füße von Manndecker Torsten Jülich landete - doch statt aus 10 Metern völlig freistehend das 1:0 zu erzielen, beförderte "Jule" den Ball über das Sachsen-Gehäuse. Die größte und beste Chance für den VfB im ganzen Spiel! Nach knapp einer halben Stunde schießt Norman Struck aus 12 Metern von rechts den Ball am langen Pfosten vorbei - und den Zuschauern wurde weiter Fußballmagerkost von beiden Seiten geboten. In der 38. Minute klärte Torsten Jülich einen gefährlichen Schuss von Ronny Kujat aus 10 Metern aus dem Gewühl noch zur Ecke - Glück gehabt! Die letzte Chance im ersten Durchgang besaß aber der Gastgeber durch Peter Freund, der aber nach einer Flanke von Branko Marcetic von rechts durch Nicky Adler behindert wurde und den Kopfball aus 8 Metern so nur links neben das Tor beförderte (41.).

In Halbzeit zwei drehte nun vor allem der FC Sachsen auf - und in der jungen VfB-Hintermannschaft taten sich immer größere Löcher auf und so fiel dann auch das 0:1 in der 49. Minute. Kevin Kittler setzt sich auf rechts durch und passt Richtung langen Pfosten auf den völlig freien Sebastian Hänsel (wer war da nur für ihn zuständig?!), der aus 5 Metern ins linke untere Eck trifft und für eine Jubelorgie im Gästeblock sorgte. Drei Minuten später dann die kurze Hoffnung auf den Ausgleich nach einem Freistoß von Richard Baum von rechts, doch Peter Freund sah zu recht die gelbe Karte, da er den Ball mit der Hand Richtung Eckstein-Tor beförderte. Dann die 62. Minute und wieder ein schlimmer Patzer in der VfB-Abwehr: Kevin Kittler verlängert eine Flanke per Hacke, welche von Richard Baum unglücklich per Kopf abprallt und in der Mitte taucht Sachsen-Libero David Bergner völlig frei auf und versenkt den Ball per Kopf aus 7 Metern ins rechte Eck zur vorentscheidenden 2:0 Führung für die Leutzscher! Bergner zog sich nach dem Tor sein Trikot aus und zeigte ein großes rotes Herz mit der Aufschrift "Peace". Danach mühten sich die VfB-Kicker zwar noch einmal den Ehrentreffer zu erzielen, doch in der Offensive konnte sich der Gastgeber gegen das Abwehrbollwerk aus Leutzsch nie durchsetzen. So plätscherte das Spiel so vor sich hin und die Sachsen-Fans feierten ihr Team schon mit den Sprechchören "Derbysieger". So hatten die Gäste-Kicker auch kein erbarmen mit den VfB-Fans und erhöhten in der 84. Minute dann sogar noch auf 0:3 - und ausgerechnet durch den ehemaligen VfB-Kicker Ronny Kujat. Nach Vorlage von Regisseur Heiko Cramer (der durch den erst 17jährigen Kevin Rienaß gedeckt werden sollte!) von rechts versenkte Kujat aus knapp 8 Metern ohne Probleme - ein Debakel für die Spieler und Fans aus Probstheida. Wann hat es so eine Demütigung im eignen Stadion in einem Ortsderby schon einmal gegeben?! Immerhin besaßen die Gastgeber die letzte Chance im Spiel, doch ein Schuss von Alexander Blessin (warum kam er nicht schon in der achten Minuten als Sadlo sich verletzte?) aus 16 Metern ging knapp über das Gehäuse von Keeper Marco Eckstein. Dann pfiff der etwas kleinlich pfeifende Frank Fleske aus Schönow das 81. Leipziger Ortsderby ab - und die Leutzscher-Fans feierten minutenlang ihr Team.

Fazit: Ein verdienter Erfolg für den FC Sachsen - und ein Debakel für den VfB im eignen Stadion! Nach dem Schlusspfiff kam nur Keeper Gunnar Grundmann zu den VfB-Anhängern und wurde mit den Rufen "Wir haben die Schnauze voll" und "Schämt Euch was" schnell vertrieben. Man muss die Fans nach so einer Schmach und dem miesen Saisonverlauf irgendwie verstehen - trotzdem werden einige Hardcore-Fans die Mannschaft auch nächste Woche nach Hoyerswerda begleiten, obwohl der Frust wohl noch Wochen ganz tiefen sitzen wird. Beide Mannschaften boten allerdings im ersten Durchgang Fußballmagerkost und der VfB hätte durch Torsten Jülich eigentlich sogar in Führung gehen müssen! Im zweiten Durchgang spielte der FC Sachsen seine Cleverness aus und spielte die Hintermannschaft der Gastgeber schwindelig. Da fehlte beim VfB einfach die Erfahrung! Nun die Frage: Riskierte Trainer Detlef Schößler in seinem ersten Pflichtspiel als VfB-Coach mit den vielen jungen Spielern einfach zu viel - war es das wert?! Viele Anhänger im Stadion hätten sich solche Experimente in den nächsten Spielen gegen Hoyerswerda oder den Amateuren von Energie Cottbus gewünscht - aber nicht in diesem für die Prestige so wichtigem Spiel. Beim Gastgeber überzeugten heute eigentlich nur Olaf Renn und die jungen Nicky Adler (wieder mit immenser Laufarbeit, aber heute leider glücklos) und Richard Baum (eine echte Belebung auf der linken Außenbahn, aber an der Ausführung von Freistößen mangelte es noch gewaltig). Alle anderen blieben besonders im zweiten Durchgang unter ihren Möglichkeiten - besonders Rock Embingou enttäuschte (es fehlte die ordnete Hand im Mittelfeld, was man von einem Nationalspieler wohl verlangen muss). Heute vermisste man einfach die impulsive Art von Dirk Hannemann und auch Jörn Lenz - letztere war meist auch in den ganz schwachen VfB-Spielen (und davon gab es in dieser Saison eine Menge) mit Gunnar Grundmann der beste Mann. Nun bleibt den Anhängern aus Probstheida einfach nur zu hoffen, dass man mit einer neuen und jungen Mannschaft nächstes Jahr Revanche nehme kann - welche bei einem Aufstieg des FC Sachsen aber ausgeschlossen wäre...

(Spielbericht von Ronny John)

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