14. Spieltag Oberliga Nordost-Süd   Saison 2003/2004

FSV Zwickau

FSV Zwickau

4

VfB Leipzig

VfB Leipzig

2

Spieldaten
Datum 30. Oktober 2003
Uhrzeit 19.00 Uhr
Spielstätte Westsachsenstadion (Zwickau)
Zuschauer 1.286
Schiedsrichter Viehrig (Kamenz)
Torschützen 1:0 Papp (6.), 1:1 Schwesinger (76.), 1:2 Schwesinger (79./Foulelfmeter), 2:2 Köcher (88.), 3:2 Haprich (89.), 4:2 Pafel (90.)
Gelb Metzner, Papp, Trochocki, Seifert, Crusellas - Baum, Miftari
Gelb-Rot Kracht (90./VfB)
Rot Keine
Aufstellung
FSV Zwickau: VfB Leipzig:
1 Thomas Metzner 16 Bastian Becker
5 Alexander Köcher 5 Torsten Kracht
9 Björn Düring 10 Almedin Civa
10 Mario Weiß (ab 80. 18 Kai Dittrich) 2 Mentor Miftari
11 Lars Weißenberger 3 Richard Baum
13 Patrick Papp 15 Christian Mittenzwei
14 Matthias Trochocki 6 Olaf Renn
19 Jörg Böckel (ab 64. 17 Michael Stuckenbrock) 21 Frank Räbsch
20 Jens Haprich 8 Sven Hartwig (ab 84. 18 Jan Schmidt)
22 Yombel Crusellas (ab 80. 24 Eric Seifert) 13 Andreas Schwesinger (ab 84. 19 Benjamin Boltze)
23 Christian Pafel 9 Nico Breitkopf
Trainer
Bernd Tipold Herman Andreev
   Interviews
Herman Andreev (VfB-Trainer) "Wir haben eine relative schwache erste Hälfte gespielt und sind im zweiten Durchgang dann zurück gekommen. Einige Spieler haben wohl nicht mehr geglaubt, dass man das Spiel nach dem 2:1 noch verlieren kann. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir genug Chancen heraus gespielt und viel zu leicht vergeben! Wir versuchen das Spiel zu machen, aber vor dem Tor kommt zu wenig raus und werden dann ausgekontert. Wir sind noch nicht so weit unser Spiel zu stabilisieren. Ich habe vor der Saison viel Spaß und Freude am Fußball versprochen, aber diesen haben derzeit nur die Gegner. Meine Mannschaft ist verunsichert und gegen Pößneck wird es nun ein ganz schweres Heimspiel. Es ist schwer Worte zu diesem Spiel zu finden! Wenn Benjamin Boltze den Kopf hochgenommen hätte, wäre vielleicht die Entscheidung gefallen, als der Zwickauer Keeper draußen war - aber er ist erst 17 und da passiert so was halt."
Bernd Tipold (FSV-Trainer) "Ich freue mich unheimlich für meine Mannschaft. Ich liebe solche emotionalen Fußballabende! Wenn es noch einen guten Ausgang für uns gibt, umso besser. Ich bin natürlich zufrieden, besonders im ersten Durchgang haben wir gut gespielt. Wir haben versucht die Räume eng zu machen und das hat gut geklappt. Leider haben wir nach dem 1:0 nicht nachlegen können! Was dann in der zweiten Hälfte teilweise geboten wurde, war natürlich enttäuschend. Aber wie meine Truppe das Spiel noch drehen konnte, ist schon sensationell. Natürlich gehörte etwas Glück dazu, aber ich freue mich besonders für die jungen Burschen. Solche Abende sind doch einfach schön, auch wenn wir heute viel Glück hatten!"
Wertung

4 Sterne (Wann hat man schon einmal in der letzten Viertelstunde 5 Tore erlebt?! Unerklärlicherweise drei katastrophale Gegentore für den FSV...)

In der Galerie findet Ihr 33 Fotos und 2 Videos vom Spiel!
Spieler-Noten
Bastian Becker 3-
Torsten Kracht 5
Almedin Civa 5
Mentor Miftari 5
Richard Baum 3+
Christian Mittenzwei 4
Olaf Renn 5
Frank Räbsch 4+
Sven Hartwig (bis 84.) 5
Nico Breitkopf 4
Andreas Schwesinger (bis 84.) 3-
Jan Schmidt (ab 84.) keine Wertung
Benjamin Boltze (ab 84.) keine Wertung

Spielbericht   

Der VfB Leipzig verlor in einer unerklärlichen Art und Weise noch den Oberliga-Klassiker beim FSV Zwickau. Vor 1.286 Zuschauern (darunter ca. 250 VfB-Fans) im Westsachenstadion kassierte der erste Deutsche Fußballmeister (gespickt mit den erfahrenen Abwehrspielern Torsten Kracht, Almedin Civa, Mentor Miftari und Jan Schmidt) nach einer 2:1 Führung noch in den letzten 180 Sekunden drei Tore (!) und verlor noch mit Sage und Schreibe 2:4 (0:1). 1998 fand diese Begegnung sogar noch in der Zweiten Bundesliga statt - heute spielte der 11. gegen den 6. der Oberliga Nordost-Süd und eine andere Spielklasse hatte dieser Kick bis zur 75. Minute auch nicht verdient. Doch innerhalb von drei Minuten drehten die Leipziger dank Torjäger Andreas Schwesinger das Spiel. Aber dann dieses Chaos zwischen der 88. und 90. Minute - und nach dem 2:4 flog auch noch Kapitän Torsten Kracht mit Gelb-Rot (wegen Meckerns) vom Platz und Richard Baum kassierte ebenfalls wegen Meckerns die 5. Gelbe. Wie sagte Trainer Herman Andreev nach dem Spiel richtig: "Wir hatten uns vor der Saison vorgenommen für Spaß und Freude zu sorgen - doch diesen haben nur unsere Gegner"! Wann sieht man schon mal fünf Tore in den letzten 15 Minuten? Doch das eine erfahrene Truppe wie die Messestädter sich so eine Partie noch aus der Hand nehmen lassen, ist einfach unerklärlich. Erneut fuhren die VfB-Fans tief enttäuscht nach Hause! Zum Spielverlauf:

VfB-Trainer Herman Andreev konnte heute wieder auf Christian Mittenzwei (Mittelfeld) und Torjäger Andreas Schwesinger (Gelb-Rot gesperrt) zurückgreifen. Dafür rückte Almedin Civa zurück in die Abwehr und Jens Werner musste auf der Bank Platz nehmen. Sein prominenter Partner auf der Bank war Sturmglatze Mike Sadlo - dafür durfte Nachwuchs-Stürmer Nico Breitkopf das zweite Mal von Anfang an in der Oberliga ran. Gleich zu Beginn des Spiels ein mächtiges Durcheinander im VfB-Strafraum nach einem Eckball, doch Olaf Renn klärte am langen Pfosten per Kopf. Den Ball schnappte sich aber Patrick Papp, der unbedrängt aus acht Metern abziehen konnte und für die frühe 1:0 Führung der Gastgeber sorgte (6.). Dann die erste kleine Chance für den VfB, nach einem Eckball von Sven Hartwig - aber der Schuss aus 12 Metern von Christian Mittenzwei ist kein Problem für FSV-Schlussmann Thomas Metzner (7.). Dann neutralisierten sich beide Seiten, die Leipziger zwar optisch überlegen, aber spätestens am 16-Meter-Raum war Schluss. Die Zwickauer waren nach der frühen Führung eher auf "Spielzerstörung" aus und besaßen in der 30. Minute sogar eine gute Freistoß-Chance durch Jens Haprich - doch aus 22 Metern über den VfB-Kasten. Zwei Minuten später tauchte FSV-Stürmer Crusellas völlig frei vor Bastian Becker auf, doch statt sofort abzuschließen, zögerte der Zwickauer zu lange und hob die Kugel aus 12 Metern noch über das Tor. In der 35. Minute endlich mal wieder eine VfB-Chance: Sven Hartwig brachte einen Freistoß in die Strafraummitte und Richard Baum kam eher etwas zufällig an den Ball - doch der Schuss aus 14 Metern war zu harmlos. Vier Minuten später die erste gute Kombination der Gäste im Spiel über Frank Räbsch, der die Flanke von rechts genau auf den Kopf von Mittenzwei beförderte - aber aus 11 Metern knapp über die Querlatte. Mit dem Halbzeitpfiff beförderte Andreas Schwesinger einen Freistoß aus 20 Metern links vorbei.

Nach einer kräftigen Halbzeitansprache (Trainer Andreev: "Da habe ich meine Stimme verloren") wurden die Leipziger nach einer doch grausamen ersten Halbzeit endlich besser. Frank Räbsch setzte sich auf rechts durch und beförderte die Kugel aus 7 Metern an den linken Innenpfosten - und den Nachschuss setzte Nico Breitkopf aus vier Metern an die Querlatte (49.). Unglaublich ...Vier Minuten später beförderte Sven Hartwig einen Freistoß aus 18 Metern ganz knapp über den FSV-Kasten! In der 58. Minute mal wieder der Gastgeber, aber nach einem Eckball schoss Jens Haprich aus 12 Metern drüber... Doch die Messestädter blieben in dieser Phase am Drücker, aber ein abgefälschter Schuss von Sven Hartwig hat Keeper Metzner sicher (aus 16 Metern). Dann diese umstrittne Szene: Torsten Kracht versenkte per Flugkopfball die Kugel und Schiri Viehrig entschied auf Abseits. Dies hatte lautstarke Proteste zur Folge und neben Miftari sah auch der starke Richard Baum Gelb - seine 5. in dieser Saison! In der 63. Minute rettete FSV-Kapitän Köcher kurz vor der Torlinie (für den geschlagnen Metzner) bei einem Schuss von Richard Baum aus 20 Metern. Nach schlimmen Patzern von Torsten Kracht und Olaf Renn musste VfB-Keeper Bastian Becker sein ganzes Können gegen Christian Pafel aus 10 Metern zeigen (67.). 60 Sekunden später wird Christian Mittenzwei herrlich von Nico Breitkopf freigespielt, der "Lange" tanzte noch zwei Gegenspieler aus, aber den Schuss aus 8 Metern entschärfte Metzner noch in letzter Sekunde - diese Riesenchance musste eigentlich das 1:1 bedeuten (68.)! Wiederum 60 Sekunden später beförderte Richard Baum einen Kopfball aus 10 Metern links vorbei - der Ausgleich war längst überfällig. Der war dann in der 76. Minute fällig: Nach Flanke von Baum beförderte Andreas Schwesinger in der Strafraummitte aus neun Metern die Kugel ins FSV-Netz - sein zehnter Saisontreffer! Der elfte folgte nur 180 Sekunden später: FSV-Keeper Thomas Metzner reißt Stürmer Nico Breitkopf im Strafraum von den Beinen und sieht vom ganz schwachen Schiedsrichter Viehrig aus Kamenz zu recht die Gelbe Karte. Den fälligen Foulelfmeter versenkte Schwesinger eiskalt in die Tormitte zum 2:1 - das erste Mal, dass die Leipziger ein Spiel gedreht hatten in dieser Saison. Dann feierten Jan Schmidt und der erst 17-Jährige Benjamin Boltze die letzten sechs Minuten ihr Debüt im VfB-Trikot! Dafür gingen der platte Sven Hartwig und der angeschlagne Doppel-Torschütze Andreas Schwesinger vom Platz. Was dann zwischen der 88. und 90. Minute passierte, war einfach unerklärlich. Vor allem da Benjamin Boltze sogar das 3:1 auf den Fuß hatte, aber er merkte auf Höhe des Mittelkreises nicht, das der herausgeeilte Keeper Thomas Metzner genau hinter ihm stand. Statt dessen dann das bittere 2:2 in der 88. Minute - erst parierte Bastian Becker nach einem Eckball gegen den freien Stuckenbrock glänzend, aber gegen den Nachschuss von FSV-Kapitän Alexander Köcher aus zwei Metern war Becker machtlos. Doch es kam noch schlimmer - die Leipziger total von der Rolle, ohne Selbstvertrauen und Mumm im Zweikampf (besonders bei den Oldies in der Abwehr). Jens Haprich setzte sich auf der linken Seite gegen die VfB-Abwehr durch und beförderte die Kugel aus 10 Metern über den zu weit vor dem Tor stehenden Becker per Lupfer zum 2:3 ins obere, linke Eck. Das feiern ging für die Zwickauer aber nicht einmal 60 Sekunden später weiter: Der eingewechselte Eric Seifert tauchte über die linke Außenbahn (stark abseitsverdächtig) alleine vor Keeper Bastian Becker auf, der parierte - aber den Abpraller beförderte Christian Pafel zum sensationellen 2:4 aus drei Metern in die Maschen. Aus, und vorbei - die VfB-Kicker verstanden die Welt nicht mehr. Bei den jungen VfB-Kickern sah man sogar die Tränen in den Augen und die anderen schlichen wortlos vom Platz...

Fazit: Die dritte Niederlage in Folge - wann hat man dies zuletzt im Lager der Probstheidaer mal erlebt? Und dann noch so eine bittere und vollkommen unnötige Pleite in Zwickau. Die erste Halbzeit wurde erneut vom VfB verschlafen (trotzdem war man optisch überlegen) und nach unzähligen Großchancen drehte man die Partie innerhalb von 180 Sekunden auch verdient. Doch innerhalb von 180 Sekunden verlor man die Partie noch mit 2:4 - einfach unerklärlich, wie eine so erfahrene Hintermannschaft in den letzten Minuten, so auseinander brechen kann. Nichts war es mit der geplanten Wiedergutmachung: Die knapp 250 VfB-Fans traten erneut vollkommen frustriert den Heimweg an - und wann folgt endlich mal die Wende zum positiven? Gegen Pößneck wird neben Baum (5. Gelbe), auch noch Kapitän Torsten Kracht fehlen, der nach dem 2:4 sich eine ganz dumme Gelb-Rote Karte wegen Meckerns einfing. Besonders tragisch: Die Leipziger drehten zum ersten Mal (!) in dieser Saison eine Partie um und hätten sich so jede Menge Selbstvertrauen holen können. Stattdessen wächst die Verunsicherung nach dieser Pleite garantiert weiter an... Kein gutes Vorzeichen für die letzten Spiele der Hinrunde, aber irgendwann muss doch eine Trotzreaktion folgen!

(von Ronny John)

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