Freundschaftsspiel  Saison 2005/2006
1.FC Lokomotive Leipzig

1. FC Lokomotive Leipzig

Athletic Bilbao
0 9

Spieldaten
 
Datum
27. Juli 2005
Uhrzeit
20.00 Uhr
Spielstätte
Bruno-Plache-Stadion (Leipzig)
Zuschauer
3.482
Schiedsrichter
Schößling (Leipzig)
Torschützen
0:1 Etxeberria (5.), 0:2 Etxeberria (36./Foulelfmeter), 0:3 Etxeberria (42.), 0:4 Etxeberria (54.), 0:5 Tiko (57.), 0:6 Llorente (64.), 0:7 Llorente (71.), 0:8 Llorente (75.), 0:9 Guerreo (87.)
Gelb
- Gurpegi
Gelb-Rot
Keine
Rot
Keine

Aufstellung
1.FC Lokomotive Leipzig
Athletic Bilbao
1 Enrico Gehrke (ab 46. 20 Christoph Milkau)
13 Daniel Aranzubia Aguado
8 Heiko Hennig
2 Medina Expósito
4 Mathias Klopf (ab 76. 6 Anton Köllner)
3 Javier Casas Cuevas (ab 46. 6 Uriarte Tarantino)
7 Sven Dobiasch
4 Mardaras Amorebieta
17 Thomas Spiotta (ab 46. 18 Dirk Hänisch)
8 Lopez Guerrero
5 Maik Hänisch
9 Torres Llorente
14 Kevin Rienaß
14 Zaldidegoitia Luis Prieto
11 Marcus Würzberger (ab 46. 15 Patrick Lesser)
15 Sagarna Iraola
10 René Heusel (46. 3 André Irrgang)
17 Joseba Lizardi Etxeberria
9 Thomas Wetzig
18 Vausir Gurpegi
13 Dirk Vogt (ab 76. 12 Georg Siebert)
23 Rirodas "Tiko" Martinez

Trainer
Rainer Lisiewicz
José Luis Mendilibar

   Interviews
Rainer Lisiewicz (Lok-Trainer)
"So hoch wollte ich eigentlich nicht verlieren. Fünf bis sechs Gegentore waren das Ziel. Wir haben jedoch zu viele leichte Fehler begangen, vor allem in der zweiten Halbzeit. Es ist allerdings eine Auszeichnung für den Klub, die Fans und die Mannschaft, dass solch ein Spitzenteam gegen uns spielt. Das Ergebnis ist daher nicht ganz so wichtig."
Martin Schäfer (Organisator) "Es ist toll, dass hier in Leipzig mehr Zuschauer waren, als beim Regionalligisten Erfurt. Ich bin mir sicher, dass Lok in sechs Jahren in einem internationalen Wettbewerb wieder gegen Bilbao spielen wird!

Wertung

4 Sterne (Die spanischen Gäste zeigten tollen Offensivfußball. Lok hielt besonders im 1. Durchgang tapfer dagegen - danach zeigte sich aber die Überlegenheit des spanischen Erstligisten!)

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Spielbericht

Olé – das war spanischer Spitzenfußball in Leipzig. Die Profis von Athletic Bilbao gewannen vor 3482 Zuschauern das Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Lokomotive klar mit 9:0. Beide Teams boten eine engagierte Leistung, dennoch war der große Klassenunterschied sichtbar. Die Iberer waren technisch, läuferisch und körperlich überlegen und spielten ihre Vorteile in der zweiten Hälfte gnadenlos aus. Die Loksche setzte dem baskischen Spielwitz Kampf und Einsatz entgegen, doch der achtfache spanische Meister war mit seinen acht aktuellen bzw. ehemaligen Nationalspielern an diesem Abend ein paar Nummern zu groß. Starspieler Etxeberria und Mittelstürmer Llorente schossen Lok mit sieben Toren fast im Alleingang ab.

Doch fangen wir von vorne an: Um 18:45 fuhr der rote Bus der Basken am Bruno-Plache-Stadion vor. Die Welt war zu Gast bei Freunden - besser gesagt, die spanischen Profis von Athletic Bilbao zu Gast beim deutschen Bezirksklasseteam Lok Leipzig. Die stolzen Südeuropäer traten traditionell mit einer rein baskischen Mannschaft in rot-weiß gestreiften Trikots ohne Sponsorenaufdruck an. Die heimische Loksche musste diesmal auf Libero Frank Wimberger verzichten, der noch im Urlaub weilt. Dennoch konnte Trainer Rainer Lisiewicz  eine schlagkräftige Truppe ins Spiel schicken. Und die hielt in den ersten Minuten gut dagegen. Bereits nach 60 Sekunden erkämpfte sich der FCL die erste Ecke, die allerdings nichts einbrachte. Die Spanier versuchten in den folgenden Minuten durch gutes Kurzpassspiel ins Match zu finden. Nach sechs Minuten vergab Torres Llorente die erste gute Möglichkeit, als er eine Flanke von rechts nicht richtig erwischte. Nun waren die Basken aber richtig wach und im Lok-Strafraum brannte es lichterloh. Nur eine Minute nach der Chance für Llorente, konnte Mathias Klopf, nach einem Gewühl im Sechzehner, gerade noch auf der Linie klären. Weitere 60 Sekunden später war aber auch er machtlos, als Etxeberia auf links völlig frei an den Ball kam und aus sechs Metern eiskalt ins kurze Eck zum 0:1 verwandelte. Drei Minuten danach die Chance zum 0:2, doch Nausia Gurpegi köpfte eine Ecke von rechts knapp drüber. Auf der Gegenseite die erste richtige Gelegenheit für Lok. Der schnelle Thomas Wetzig wurde steil geschickt und hob den Ball über den herauseilenden Torhüter. Doch der Angreifer kam zu weit nach außen ab und verzog die Hereingabe übers Bilbao-Tor. In Minute 15 waren dann wieder die Spanier am Zug. Rirodas Martinez versuchte es mit einem Lupfer aus 30 Metern über Lok-Hüter Enrico Gehrke, doch dieser boxte den Ball noch über die Latte. In dieser Phase hielten die Leipziger gut dagegen, grätschten die Bälle weg und verhinderten so zunächst weitere Treffer. Nach 20 Minuten dann die nächste Chance für Bilbao. Ein Freistoß von der linken Seite schlug Martinez direkt auf Sagarna Iraola, der den Ball aus 20 Metern volley über das Tor beförderte. Danach passierte bis zur 30. Minute nicht viel. Doch die Fans wurden von der eigenen Mannschaft wachgerüttelt. Nach einem schönen Pass von Kevin Rienaß von der rechten Seite, zögerte Dirk Voigt nicht lange und nahm das Leder direkt. Jedoch flog sein Schuss weit über das gegnerische Gehäuse. Dann Aufregung in der 32. Minute. Nach einem Foul an René Heusel gerieten der Gefoulte und Lopez Guerrero aneinander, doch die Lage beruhigte sich schnell wieder und beide Spieler schüttelten sich die Hände. Auf der Gegenseite leitete ein Pfiff des erfahrenen Leipziger Schiris Schößling das 0:2 für Bilbao ein. Kevin Rienaß war im Lok-Strafraum samt Gegenspieler Cuevas Casas zu Fall gekommen. Den fälligen Strafstoß verwandelte Etxeberria sicher ins rechte untere Eck (35. Minute). In der Folge kamen die Spanier immer wieder überfallartig über die Flügel und damit zu Chancen. Nach einer Ecke in der 43. Minute, gelangte der Ball aus dem Getümmel aufs Tor von Keeper Gehrke. Der tauchte das Leder gerade noch weg, doch Etxeberria drückte den Ball doch noch zum 0:3 ins Netz. Das dies auch der Halbzeitstand war, verdanke die Probstheidaer Truppe ihrem Torhüter. Einen 20-Meter-Schlenzer von Guerrero holte der Schlussmann aus dem rechten Dreiangel. So ging es mit 0:3 in die Kabinen.

Zum zweiten Durchgang brachte Trainer Lisiewicz mit Torhüter Christoph Milkau, André Irrgang, Patrick Lesser und Dirk Hänisch gleich vier neue Kräfte. Die Spanier wechselten nur ein mal (für Casas kam Uriarte Tarantino). Dennoch blieben die Basken überlegen. Nach 49 Minuten dribbelte sich der bisher glücklose Lllorente durch die gesamte Hintermannschaft der Loksche und konnte erst im letzten Moment abgeblockt werden. In den nächsten Sekunden wanderten die Blicke der Zuschauer auf die frühere Fan-Kurve, wo die Lok-Ultras eine Pyroshow starteten und damit das Stadion in ein rotes Licht tauchten (das kennen wir ja bereits aus der letzten Saison). Die Spanier antworteten auf diesen Anfeuerungsversuch der Lok-Fans mit zahlreichen Angriffen. In Minute 51 parierte Milkau mit einer spektakulären Flugeinlage den Kopfball von Mardaras Amorebieta. 180 Selkunden später herrschte wieder Chaos im Lok-Strafraum. Etxberria schnappte sich die Kugel und versenkte sie im Lok-Gehäuse. Der vierte Treffer für die Spanier und auch der vierte für 20-fachen Nationalspieler. Drei Minuten später durfte sich dann Tiko in die Torschützenliste eintragen. Am linken Strafraum zog er einfach mal flach ab und der Ball zischte an Milkau vorbei zum 0:5 ins Netz. Da sah der Keeper nicht so gut aus. Nur wenige Augenblicke danach bereits die große Chance zum nächsten Bilbao-Treffer. Doch nach einem Hennig-Fehler und schönem Zuspiel von Llorente brachte Guerrero den Ball aus fünf Metern nicht im leeren Kasten unter. Danach konnte auch Verteidiger Klopf mal seinen Hüter testen. Bei einem Zweikampf im eigenen Strafraum wollte der Abwehspieler klären, zog aber voll aufs eigene Tor ab. Milkau reagierte diesmal mit einer Glanzparade und verhinderte das 0:6. Allerdings war die Schonzeit (vor einem Gegentor) bereits in der 64. Minute wieder beendet. Als die Kräfte bei den Lok-Akteuren langsam nachließen, stand Sven Dobiasch nicht mehr nah genug bei Gegenspieler Iraola, so dass dieser frei von der rechten Außenbahn flanken konnte. Guerrero ließ den Ball durch zu Llorente, dieser schlug einen Haken und knallte den Ball unhaltbar in die Maschen zum 0:6. Weitere sieben Minuten später setzte sich Etxeberria auf links durch, drang in den Strafraum ein und flankte in die Mitte. Die Herreingabe rutsche unter Milkau durch zu Llorente, der nur noch den Fuß hinhalten musste - 0:7. Mit dem 0:8 in der 75. Minute machte der baskische Mittelstürmer dann seinen lupenreinen Hattrick perfekt. Nach Pass von Guerrero schob Llorente den Ball überlegt gegen die Laufrichtung von Milkau ins linke Eck. Den Schlusspunkt setzte Vorbereiter Guerrero dann selbst, als er eine Flanke von links per Kopfballtorpedo zum 0:9 im Lok-Tor unterbrachte. Das von Stadionsprecher Mirko auf spanisch geforderte Ehrentor fiel nicht mehr, denn kurz nach der Bitte an die Basken, ertönte der Schlusspfiff von Schiri Schössling.

Fazit: Die Loksche hielt vor allem in der ersten Hälfte gut mit den spanischen Profis mit. Im zweiten Durchgang ließen dann die Kräfte nach und die Basken nutzten das eiskalt aus. Die Torhüter des FCL verhinderten mit zahlreichen guten Paraden ein höheres Ergebnis. Auf jeden Fall blieb das Resultat einstellig und bei einer Rechnung wie im Hertha-Spiel (pro Ligaunterschied ein Tor Vorsprung), hätte es nach 90 Minuten nur 0:3 gestanden. Alles in allem war es eine gute Saison-Vorbereitung für die Lok-Akteure, denn konditionell verlangten ihnen die Spanier alles ab. Für Bilbao war es der zweite Sieg im zweiten Spiel auf ihrer Reise durch den Fußball-Osten. Nach den Erfolgen gegen Erfurt (1:0) und Lok geht es für sie nun am Freitag gegen Dynamo Dresden und am Sonntag gegen  Energie Cottbus. Für die Loksche geht es ebenfalls am Freitag weiter. Dann wartet um 19 Uhr im Bruno-Plache.-Stadion mit dem SV Neubeckum die nächste Testspielaufgabe auf das Bezirksklasseteam.

Übrigens: Als Dankeschön für die vielen Zuschauer (es waren mehr als in Erfurt im Stadion), wurden nach dem Spiel Minibälle mit Reckenjacken verteilt. Leider reichten die Präsente nicht für alle, so dass es nach dem Spiel osterähnlich Szenen am Ausgang gab. Die nicht bedachten Anhänger suchten jeden Winkel nach einem verbliebenen Ball ab. Mehr als ein halbes Exemplar ohne Regenjacke konnte jedoch nicht aufgefunden werden.

(von Daniel Angermüller)