Achtelfinale Landespokal Sachsen Saison 2006/2007
1.FC Lokomotive Leipzig

1. FC Lokomotive Leipzig

FV Dresden 06 Laubegast
3 2

Spieldaten
 
Datum
27. Oktober 2006
Uhrzeit
19.45 Uhr
Spielstätte
Bruno-Plache-Stadion (Leipzig)
Zuschauer
4.454
Schiedsrichter
Enrico Jahn (Plauen)
Torschützen
1:0 Blümel (18.), 2:0 Heusel (62.), 2:1 Eißrich (70.), 2:2 Kutschke (78.), 3:2 Ledwoch (90.+1)
Gelb
Ledwoch, Köllner - Rosenkranz, R. Hemmann, Benedict, Kreher, Eißrich
Gelb-Rot
Keine
Rot
Seifert (86./Laubegast)

Aufstellung
1. FC Lokomotive Leipzig
FV Dresden Laubegast
1 Jan Evers (ab 83. 20 Christoph Milkau)
1 Uwe Rosenkranz
17 Holger Krauß
16 Robert Heiße
19 Anton Köllner
6 Johann Kaltofen
18 Dirk Hänisch
7 Richard Hemmann
23 Pierre Trinko
17 Martin Hemmann
4 René Ledwoch
13 Stefan Strauß
13 Stephan Knoof
20 Marcus Benedict
2 Robert Sommer (ab 75. 21 Rico Engler)
4 Tom Hoffmann (ab 75. 23 Stefan Kutschke)
3 Marcel Hensgen (ab 67. 7 Sven Dobiasch)
10 Frank Seifert
11 Christopher Blümel
9 Ronny Kreher
10 René Heusel
11 Alexander Eißrich

Trainer
Rainer Lisiewicz
Bernd Fröhlich

   Interviews
Rainer Lisiewicz (Lok-Trainer)
"Das war ein echter Pokal-Krimi, mit jeder Menge Leidenschaft. Am Ende haben wir verdient gewonnen - doch die 2:0 Führung hätten wir nie so leichtfertig verspielen dürfen. Wir hätten den Sieg so fast noch aus der Hand gegeben. Bitter ist natürlich die Verletzung von Keeper Jan Evers - wir hoffen alle, dass es ihm bald besser geht!“
Bernd Fröhlich (Laubegast-Trainer) "Heute war richtig viel Spannung im Spiel. Wir haben am Anfang viel zu ängstlich gespielt und waren einfach zu nervös. Lok hat nach dem 2:0 gewackelt, doch der Schiri hat unnötig Unruhe und Hektik ins Spiel gebracht. Viel zu viele Karten gezeigt. Ich kann ihn aber verstehen - die Stimmung hier war wirklich Weltklasse!"

Wertung

4,5 Sterne (In diesem Pokal-Krimi war wirklich alles drin - zwar nicht die großen Chancen, dafür Spannung, Dramatik, Schockmomente und jede Menge Gelbe bzw. auch Rote Karten. Ein unvergesslicher Abend - aus Lok-Sicht!)

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Spielbericht

Pokal-Spiel = Feiertag in Probstheida! Auch dieser Freitag Abend unter Flutlicht fällt in den Bereich "unvergesslicher Lok-Abend". 4.454 Zuschauer im Bruno-Plache-Stadion (darunter auch 20 Gäste-Fans) sahen einen "geilen" Pokal-Krimi, der einfach alles bot - von Spannung, Dramatik, vielen Karten bis zum großen Jubel über den 3:2 (1:0) Endstand. Und leider auch einem Schockmoment: Lok-Torhüter Jan Evers verletzte sich beim 2:2 von Laubegast schwer (bekam das Knie von Eißrich ins Gesicht), verlor kurzzeitig das Bewusstsein und die Sehfähigkeit. Zum Glück ging es Evers dann wieder etwas besser, trotzdem ging es per Krankenwagen direkt in die Augenklinik der Universitätsklinik Leipzig. Die Mannschaft widmete nach dem Spiel sofort Jan Evers den Sieg - das er schnell wieder fit ist, während die Fans schon von den ganz großen Namen wie Dynamo Dresden oder dem FC Sachsen im Viertelfinale träumen. Aber der Reihe nach ...

Lok-Trainer Rainer Lisiewicz musste weiter auf die drei Langzeitverletzten Sascha Hoffmann, Kevin Rienaß und Kai Metzner verzichten. Dazu fehlte Mittelfeldspieler Kai Metzner Rot gesperrt. Für ihn rückte Marcel Hensgen auf die linke Seite und im Tor stand wieder Riese Jan Evers. Die Gäste aus der Landeshauptstadt reisten mit einigen bekannten Namen an. Besonders der Ex-Leipziger Frank Seifert geisterte die letzten Tage schon durch die Leipziger Presse. Dazu standen mit Robert Heiße, Johann Kaltofen, Marcus Benedict, Ronny Kreher, Alexander Eißrich, Christoph Ballaschk und Roberto Schiwon jede Menge Kicker mit Oberliga- oder gar Regionalliga-Erfahrung im Kader. Trotzdem agierte Laubegast von der ersten Minute an sehr ängstlich und gehemmt. Zunächst verzögerte sich der Anpfiff aber - wegen des großen Andrangs - um eine knappe Viertelstunde. Der Bezirksligist - auf dem Papier ja eigentlich der Außenseiter - gleich mit viel mehr Dampf. Gewann die meisten Zweikämpfe und bestimmte zunächst das Spielgeschehen. Nach knapp fünf Minuten versuchte Torjäger René Heusel Rechtsaußen Robert Sommer ins Spiel zu bringen. Der beste Gebäudereiniger Deutschlands erreicht den Ball, zögert aber aus spitzen Winkel zu lange (er hatte in der Mitte Blümel gesucht). Nach elf Minuten tauchten die Gäste erstmals in der Lok-Hälfte auf. Alexander Eißrich bediente von rechts Sturmpartner Ronny Kreher, der aber (unter Bedrängnis) deutlich rechts vorbei zielte. Dann die 18. Minute: Einwurf für Lok von der rechten Seite (Höhe Strafraumgrenze). Natürlich eine Aufgabe für Stephan Knoof - der schleudert das Leder bis zum Elfmeterpunkt. Dort setzt sich Stürmer Christopher Blümel glänzend durch und trifft per Drehschuss (aus dem Gewühl) zum umjubelten 1:0-Führungstreffer. Das die Partie schon im ersten Durchgang hitzig war, beweist die Gelbe Karte für Laubegast-Keeper Uwe Rosenkranz, der lautstark ein Foul von René Ledwoch reklamierte (27.). Torchancen blieben aber Mangelware, Lok probierte viel - Laubegast stand relativ ängstlich "hinten drin". Erst in der 44. Minute wurde es mal wieder gefährlich, als ein "Schuss" von Robert Heiße von Lok-Abwehrmann Dirk Hänisch abgefälscht und über die Querlatte ging aus 30 Metern. Auf der Gegenseite plötzlich noch eine Doppelchance: Robert Sommer spielt René Ledwoch frei, doch aus 18 Metern packt Torhüter Rosenkranz sicher zu. Sekunden später spritzt Sommer auf rechts selbst durch, doch aus 14 Metern kullerte die Kugel knapp am langen Pfosten vorbei. Halbzeit - und eine durchaus verdiente Lok-Führung, die einfach die aktivere Mannschaft war.

Dies sollte zunächst auch im zweiten Durchgang so bleiben, obwohl Laubegast nun aktiver wurde. So wurde in der 52. Minute ein Schussversucht von Frank Seifert aus 10 Metern noch abgeblockt. Dann die 62. Minute, die Entscheidung - dachten zumindest die Lok-Fans: Toller Konter über Stürmer Christopher Blümel, der Stefan Strauß einfach überläuft. René Heusel war mitgelaufen und wird mustergültig von Blümel bedient - Heusel muss aus 11 Metern nur noch die Innenseite hinhalten. 2:0 - der Jubel war riesengroß! Fünf Minuten später versuchte es Laubegast aber noch einmal per Freistoß, doch Tom Hoffmann zielte aus 20 Metern knapp drüber. Dann doch plötzlich der Anschlusstreffer. Ein langer Ball kann von der Lok-Abwehr nicht geklärt werden und landet am langen Pfosten bei Alexander Eißrich. Dirk Hänisch kann nicht mehr stören und Eißrich versenkt eiskalt aus 8 Metern ins rechte, obere Eck. Jetzt hieß es Ruhe bewahren für den 1. FC Lok - und Kapitän Holger Krauß hätte kurz darauf fast für die endgültige Entscheidung gesorgt. Doch sein Freistoß von halb rechts fingerte Keeper Uwe Rosenkranz gerade noch so zur Ecke (73.). Dann der Doppel-Schock für alle Lok-Anhänger und Spieler in der 78. Minute. Was war passiert? Alexander Eißrich bekommt am rechten Pfosten den Ball, Lok-Keeper Jan Evers kommt aus dem Tor geeilt - und beim "Kampf um den Ball" trifft Eißrich den Ball und aus versehen auch Evers mit dem Knie im Gesicht. Der Ball trudelt zu Stefan Kutschke (der 17-jährige wurde 3 Minuten zuvor eingewechselt), der hält seinen Fußball aus zwei Metern hin - 2:2. Während dessen bleibt Evers benommen liegen, verliert wohl kurz auch das Bewusstsein und klagt danach über Sehschwierigkeiten. Evers wird 5 Minuten behandelt und dann per Trage Richtung Anzeigentafel transportiert, wo auf den Notarzt gewartet wird. Zum Glück kann die Loksche noch einmal wechseln - Christoph Milkau kommt ins Spiel, während auf dem grünen Rasen immer mehr die Hektik ausbricht. Schiedsrichter Enrico Jahn aus Plauen wirkt nun völlig überfordert. Aufgeheizt von den fast 4.500 Fans folgt ein (über)harter Zweikampf, dem nächsten - und so darf natürlich auch eine "gepflegte" Rudelbildung nicht fehlen. Martin Hemmann knallt als erstes die Sicherung durch und schubst Rico Engler zu Boden. Die Tumulte gehen weiter - nach Rücksprache mit seinen Assistenten entscheidet Schiri Jahn plötzlich auf Rot für Frank Seifert, der an der Situation nicht beteiligt war und nach eigner Aussage auch nicht gemeckert hatte. Merkwürdig! Doch zurück zum Spielgeschehen. Die 90. Minute - Joker Rico Engler tankt sich durch, trifft aber nur das Außennetz. 90 Sekunden später segelt ein Krauß-Freistoß in den Strafraum der Gäste, René Ledwoch steigt aus 10 Metern am höchsten und köpft ins linke Eck zum umjubelten 3:2. Gänsehaut-Atmosphäre nun im Plache-Stadion! Bitter aber: Abwehrmann Anton Köllner musste mit einer Knöchelverletzung vom Platz - und so spielte auch Lok die Nachspielzeit nur zu zehnt. 93. Minute: Konter für den 1. FC Lok, doch nach Blümel-Vorarbeit jagte Sven Dobiasch den Ball übers Laubegast-Tor. Sekunden später versuchte sich René Heusel mit einem Heber aus 35 Metern ins leere Tor - aufs Tornetz. Die 96. Minute: Laubegast wirft alles nach vorn - inklusive Torhüter Uwe Rosenkranz. Doch der letzte Freistoß bringt nix mehr ein und 21.40 Uhr ist der große Pokaltriumph des Bezirksligisten besiegelt.

Fazit: Ein dramatischer Pokal-Abend in Probstheida, der wohl noch lange in den Köpfen der Fans bleiben wird. Der 1. FC Lok gewann insgesamt verdient, verspielte aber überraschend noch die sichere 2:0-Führung. Am Ende erlebten die 4.500 Zuschauer ein Wechselbad der Gefühle - erst der Schock über Ausgleich und der schlimmen Verletzung von Evers, dann in der Nachspielzeit der umjubelte Siegtreffer. Mit dieser engagierten Leistung dürfte auch beim nächsten Highlight am kommenden Dienstag - Spitzenreiter Naunhof kommt am Reformationstag ins Plache-Stadion - viel möglich sein. Hoffentlich erholen sich Jan Evers und Anton Köllner schnell von ihren Verletzungen. Die Fans fiebern jetzt schon der Auslosung zum Viertelfinale entgegen ... Übrigens: Der 1. FC Lok blieb damit auch im 18. Pokal-Spiel (Stadt-, Bezirks- und Landespokal zusammengerechnet) seit der Neugründung ungeschlagen.

(von Ronny John)