29. Spieltag Bezirksliga Leipzig  Saison 2006/2007
1.FC Lokomotive Leipzig

VfK Blau-Weiß Leipzig 1892

1. FC Lokomotive Leipzig
1 2

Spieldaten
 
Datum
08. Juni 2007
Uhrzeit
19.15 Uhr
Spielstätte
Zentralstadion (Leipzig)
Zuschauer
5.580
Schiedsrichter
 
Andreas Grußer (Markranstädt)
Torschützen
0:1 Petsch (34.), 1:1 Krahmer (53./Eigentor), 2:1 S. Hellmund (86.)
Gelb
Gierschick, A. Sommer, Petsch - Eiselt, Köllner, Knoof
Gelb-Rot
Keine
Rot
Engler (90./Lok)

Aufstellung
VfK Blau-Weiß Leipzig 1892
1. FC Lokomotive Leipzig
20 Daniel Arnhold 
1 Jan Evers
2 Jörg Winkler
17 Holger Krauß
3 Daniel Gierschick (ab 75. 15 André Wolf)
19 Anton Köllner
4 Mario Schachtschneider (ab 63. 14 Maik Wittfoth)
15 Sven Hellmund
5 Tom Prochaska
23 Pierre Trinko
7 Michael Naumann
 
24 Mark Gerloff (ab 75. 13 Stephan Knoof)
8 Michel Krahmer (ab 55. 6 René Behring)
4 René Ledwoch (ab 84. 9 Thomas Wetzig)
9 André Sommer
2 Robert Sommer
13 Daniel Wolf
5 Eric Eiselt
10 Jörg Petsch
10 René Heusel
11 Hans-Jürgen Weiß
11 Christopher Blümel (ab 63. 21 Rico Engler)

Trainer
Roman Müller
Rainer Lisiewicz

   Interviews
Rainer Lisiewicz (Lok-Trainer)
"Die Nerven haben uns in der ersten Halbzeit einen Streich gespielt. Wir hätten auch gut noch ein zweiten Gegentreffer fressen können. In der Halbzeit-Pause haben wir uns dann angeschrieen und sind schnell wieder auf dem Platz. Danach hat meine Mannschaft tolle Moral und ein riesiges Kämpferherz bewiesen. Beispielhaft war der Einsatz von Stephan Knoof zur Ecke zum 2:1, die er selbst ausführte. Der Fußballgott war heute blau-gelb ... Die Partie war zwar hitzig, aber es lief alles über der Gürtellinie ab. So ist halt Fußball!"
Roman Müller (VfK-Trainer) "Das Spiel war an Dramaturgie kaum zu überbieten. Lok hat am Ende verdient gewonnen, drückten im zweiten Durchgang. Das wichtigste war aber, dass man meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen kann, das wir den Sieg leicht her gegeben haben. Zur nächsten Woche: Wir werden uns auch gegen Naunhof voll rein hauen und wie heute, alles geben!"

Wertung

4 Sterne (Was für ein spannender und dramatischer Fußball-Abend - und wieder mit einem verdienten Lok-Happy-End!)

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Spielbericht

Das Tor zur Landesliga steht für Bezirksliga-Spitzenreiter 1. FC Lokomotive Leipzig nun gaaanz weit offen ... In einem dramatischen und bis zur letzten Sekunde spannenden Bezirksliga-Kick, siegte der Favorit aus Probstheida am Ende knapp, aber verdient mit 2:1 (0:1) gegen den starken Tabellen-Fünften VfK Blau-Weiß Leipzig (immerhin dritt beste Rückrundenmannschaft). Vor 5.580 Zuschauern im Leipziger Zentralstadion feierten die Lok-Kicker nach Spielschluss bei den tollen Fans in der Kurve. Und was war das für orkanartiger Jubelschrei in der 86. Minute, als der Nordhäuser Sven Hellmund per Kopf das erlösende 2:1 köpfte. Die 16. (!) Lok-Ecke sollte den Erfolg bringen. Eine Nervenschlacht fand ihr Lok-Happyend. Und da war es wieder ... dieses Gänsehaut-Feeling "Made by Lok". Vergessen waren damit schwache erste 45 Minuten, einige (verbale) Entgleisungen unter Gürtellinie und hitzige Szenen. Aber der Reihe nach ...

Lok-Coach Rainer Lisiewicz stellte um - brachte für den zuletzt angeschlagenen Rico Engler wieder Flitzer und Dauerarbeiter Robert Sommer für die rechte Außenbahn. VfK-Coach Roman Müller überraschte mit einem anderen "Schachzug". Er ließ Ex-Oberliga-Stürmer René Behring zunächst auf der Bank, dafür durfte der in Probstheida gut bekannte Hans-Jürgen Weiß (bekanntlich vor der Saison beinah bei Lok gelandet) wieder von Anfang an ran. Der Anpfiff von Schiri Andreas Grußer aus Markranstädt erfolgte zunächst mit einer viertelstündigen Verspätung. Der Grund: lange Schlangen vor dem Eingang zum Lok-Block, auch aufgrund einer etwas chaotischen Park-Situationen - die meisten Fans wollten nicht die wucherartigen Parkgebühren von 4,- Euro zahlen. Dazu auch Ärger an der Einfahrt: Bis auf drei Presse-Parkgenehmigungen, blieb allen anderen die Einfahrt in die WM-Schüssel verwehrt. So "durften" die zahlreichen Fotographen und Kamerateams ihre Ausrüstung zu einem Sechstliga-Kick ins Stadionrund schleppen. Genauso wie eine Familie mit Kinderwagen. Klarer Fall von Lücken in der Absprache und Koordination ... 19.16 Uhr ging's dann aber endlich auf den Resten des grünen WM-Rasens rund (Grönemeyer und Co. hatten ihre tiefen Spuren hinterlassen). Und nach 100 Sekunden fast die Lok-Führung. Mark Gerloff bediente von rechts den flinken Robert Sommer, der das Leder per Kopf in die Strafraummitte beförderte. Dort kommt Torjäger René Heusel aus 8 Metern frei an den Ball, doch die Kugel landete genau in den Armen von Keeper Daniel Arnhold. Doch danach kam von Lok nicht mehr fiel ... Statt dessen wirkte Blau-Weiß nun gefährlicher und konnte sich vor allen in den Zweikämpfen besser durchsetzen. Erste Chance der "Gastgeber" dann in der 13. Minute, doch Jörg Petsch bekam den Ball (nach Flanke von Tom Prochaska) nicht unter Kontrolle. Fünf Minuten später legte Lok-Stürmer René Heusel unfreiwillig per Kopf für Michael Naumann auf. Der fackelte nicht lange und haute die Kugel aus 20 Metern (zur Überraschung aller) aus 20 Metern an den linken Pfosten. Glück gehabt! Auf der Gegenseite probierte sich Christopher Blümel mit einer Flanke von rechts, doch Sturmkollege Heusel verpasste knapp (24.). In der 31. Minute dann leichte Probleme bei VfK-Torhüter Daniel Arnhold, als er wieder von Heusel gestört wurde. Und dann der Schock - 34. Minute: Dummes Foul von Mark Gerloff auf der linken Seite. Michael Naumann brachte den Freistoß von halb linker Position scharf Richtung langes Eck von Keeper Jan Evers. Und wie im Lehrbuch berührt Stürmer Jörg Petsch den Ball noch per Kopf - drin, 0:1. Lok unter Schock, während man in Naunhof schon den Meister-Sekt kalt stellte. Folgte jetzt die Trotzreaktion? Denkste, Blau-Weiß unterstrich die nicht mal unverdiente Führung. Hans-Jürgen Weiß blockt für Tom Prochaska frei, der aber aus 14 Metern am guten Jan Evers scheiterte (36.). In der 41. Minute endlich wieder eine Lok-Chance, als Anton Köllner eine Gerloff-Ecke per Kopf übers Tor beförderte. Mit dem Pausenpfiff packte Abwehrmann Pierre Trinko den Hammer aus 18 Metern aus, aber Daniel Arnhold konnte noch zur Ecke klären. Halbzeit - Lok lag 0:1 zurück, trotz einem Eckenverhältnis von 6:0.

Die Halbzeit-Ansprache fiel kurz, aber laut aus - die Lok-Truppe stand schon nach neun Minuten wieder auf dem Platz. Weiter ging's und die "Gäste" aus Probstheida jetzt mit Dauerdruck. Blau-Weiß kam kaum noch über die Mittellinie hinaus. In der 50. Minute verpasste der kleine Robert Sommer den Ausgleich, nach dem Torhüter Daniel Arnhold patzte. Der sollte dann aber drei Minuten später fallen ... Nach einer Gerloff-Ecke kommt René Ledwoch aus 12 Metern zum Kopfball, im Fünfmeterraum versucht Michael Krahmer zu klären und haut das Leder per Kopf ins eigene Netz zum 1:1. Weiter ging das anrennen ... Und nicht nur auf dem Platz sollte es richtig hitzig werden. Ständige Wortgefechte auf der Trainerbank, in der 59. Minute legte sich Lok-Vorsitzender Steffen Kubald sogar mit VfK-Kicker Jörg Winkler an. Auf dem Rasen scheiterte dann Anton Köllner (wieder nach einer Ecke) aus 11 Metern (60./drüber). Sechs Minuten später durfte schon die 14. Lok-Ecke notiert werden. Doch Daniel Arnhold parierte gegen René Ledwoch! Sekunden später eine tolle Aktion von Robert Sommer, der gleich drei Gegenspieler wie Slalomstangen stehen ließ, dann René Heusel in der Mitte bediente - doch aus 10 Metern landete das Leder nur am linken Pfosten. Gibt's doch nicht ... die Zeit lief davon und damit auch die Hoffnungen auf den Landesliga-Aufstieg der Loksche. In der 76. Minute setzte sich der eingewechselte Stephan Knoof auf links durch, bedient wieder der Heusel - der aber mit einem Seitfallzieher aus 14 Metern knapp drüber schoss. Die Zeit lief gegen Lok, doch die Mannen von Trainer Rainer Lisiewicz gaben nicht auf. In der 84. Minute bediente Heusel Robert Sommer, der aber aus 12 Metern freistehend am langen Pfosten vorbei zielte. Und dann die ominöse 86. Minute: Der Ball ist auf der linken Außenbahn fast verloren, doch Stephan Knoof gibt alles, legt einen Mega-Sprint ein und holt tatsächlich noch die 16. Lok-Ecke heraus. Die bringt Knoof gleich selbst von links in den Strafraum, Keeper Daniel Arnhold verschätzt sich und am langen Pfosten lauerte Sven Hellmund, der aus 6 Metern ins Glück und damit zum 2:1 einnickte. Jubel-Orkan im WM-Stadion ... die komplette Lok-Bank stürmte den Rasen. Was für eine Erleichterung, nach diesem Mega-Druck des "Gewinnen-Müssens". Noch waren knappe fünf Minuten zu spielen, Blau-Weiß warf sogar Torhüter Arnhold nach vorn. Nützte alles nichts, am Ende jubelt blau-gelb. Vergessen waren auf beiden Seiten die hitzigen Emotionen ("gehört doch zum Fußball dazu", Roman Müller). Statt dessen ging die Party los ... Dumm vorher nur: Rico Engler ließ sich von Daniel Wolf etwas provozieren und trat vor den Augen von Schiri Andreas Grußer nach. Der zückte sofort Rot. Damit fehlt Engler - ebenso wie Anton Köllner und Stephan Knoof (5. Gelbe) - am letzten Spieltag gegen Bad Lausick.

Fazit: Die Fans zwei völlig verschiedene Halbzeit. Im ersten Durchgang enttäuschte der Favorit aus Probstheida, während sich Blau-Weiß in der WM-Schüssel in Führung verdiente. In der zweiten Halbzeit entwickelten die Lok-Kicker dann aber Dauerdruck - und gaben in der Nervenschlacht (sah man an den zahlreichen "Diskussionen" auf und neben dem Platz) nie auf. Am Ende ein verdienter und hart umkämpfter "Auswärtssieg", der das Tor zur Landesliga ganz weit auf machte. Jetzt heißt es noch einmal Siegen - gegen den FC Bad Lausick am Samstag, den 16. Juni. Ein Sieg und Lok kickt zu 99 Prozent nächstes Jahr in der 5. Liga. Ein Spiel, gemacht für eine riesige Kulisee im altehrwürdigen Bruno-Plache-Stadion ...

(von Ronny John)