01. Spieltag  Oberliga Nordost-Süd  Saison 2008/2009
1.FC Lokomotive Leipzig

1. FC Lokomotive Leipzig

FC Rot-Weiß Erfurt II
6 3

Spieldaten
 
Datum
16. August 2008
Uhrzeit
15.00 Uhr
Spielstätte
Bruno-Plache-Stadion (Leipzig)
Zuschauer
3.433
Schiedsrichter
Jens Cyrklaff (Neuhausen)
Torschützen
0:1 Starke (5./Eigentor), 0:2 Montabell (23.), 1:2 Köllner (35.), 2:2 Aßmann (37.), 3:2 Engler (50.), 3:3 Ivanov (60.), 4:3 Ledwoch (67.), 5:3 Ledwoch (76.), 6:3 Carolus (81./Eigentor)
Gelb
Aßmann, Köllner - Ivanov, Ernst
Gelb-Rot
Keine
Rot
Keine

Aufstellung
1. FC Lokomotive Leipzig
FC Rot-Weiß Erfurt II
1 Jan Evers
12 Sebastian Bach
17 Holger Krauß
2 Jörn Nowak
19 Anton Köllner
4 Christopher Handke
6 Torsten Jülich
6 Tino Gerke (ab 75. 5 Tobias Eckermann)
3 Marcel Hensgen
7 Tobias Ernst (ab 75. 11 Kemal Sarvan)
16 Manuel Starke
8 Fabian Montabell
13 Stephan Knoof
9 Ivaylo Ivanov (ab 77. 3 Herbert Biste)
4 René Ledwoch
10 Thomas Ströhl
18 Steven Aßmann (ab 77. 23 David Quidzinski)
13 Christoph Göbel
12 Tommy Kind (ab 75. 22 Ralf Schreiber)
15 Sebastian Mees
21 Rico Engler (ab 86. 10 René Heusel)
16 Bekim Rinik Carolus

Trainer
Rainer Lisiewicz
Albert Krebs

   Interviews
Rainer Lisiewicz (Lok-Trainer)
"Der Start ging mit dem Eigentor eigentlich ganz schön in die Hose. Nach einer halben Stunde hätten wir schon mit 0:3 zurückliegen können. Doch durch einen Standard sind wir etwas glücklich in die Partie zurück gekommen. Für die 2. Halbzeit muss ich meiner Mannschaft dann ein Kompliment aussprechen. Da kann ich nur sagen - Hut ab! Ich freue mich einfach riesig für das Team ...“
Albert Krebs (RWE-Trainer) "Bis zum 2:1 haben wir gut gespielt. Wir waren die klar bessere Mannschaft und hätten eigentlich mit einem 3:1 in die Pause gehen müssen. Wir haben heute insgesamt 4 Tore durch Standards kassiert - da kann man kein Fußballspiel gewinnen. Das taktische Verhalten und die Disziplin ließen heute zu Wünschen übrig. Am Ende hat uns Lok fast lächerlich gespielt. Lok ist für mich kein normaler Aufsteiger, sie sind eine gestandene Mannschaft - das hat man heute gegen meine jungen Pioniere gesehen. Die Saison wird sicherlich sehr ausgeglichen und eng werden."

Wertung

4,5 Sterne (Ein begeisterndes Fußballfest, wobei der 1. FC Lok nach einer halben Stunde wie der sichere Verlierer aussah - doch in Halbzeit zwei entzündete die Loksche ein Offensiv-Feuerwerk!)

44 Fotos vom Spiel findet Ihr in der Galerie!

Spielbericht

Für ein unglaublicher Saisonauftakt: Die Saison hat gerade erst begonnen und man kann schon jetzt sagen - das Spiel wird wohl das geilste Spiel der Oberliga gewesen sein. Nach oben ist da kaum noch Luft! In einer mitreisenden Partie siegte der Aufsteiger aus Sachsen, der 1. FC Lokomotive Leipzig, gegen den Aufsteiger aus Thüringen, den FC Rot-Weiß Erfurt II, mit 6:3 (2:2). Vor 3.433 euphorischen Zuschauern im Plache-Stadion trafen René Ledwoch (2), Anton Köllner, Steven Aßmann und Rico Engler für den ersten Tabellenführer (mindestens bis Sonntag). Ein unvergesslicher Tag in Probstheida, der bitterböse begonnen hatte ...

Lok-Coach Rainer Lisiewicz ließ mit Rückkehrer Torsten Jülich nur einen (echten) Neuzugang von Anfang an ran. Im Mittelfeld durften sich Marcel Hensgen, Manuel Starke, René Ledwoch und etwas überraschend Stephan Knoof und Steven Aßmann austoben. Den Sturm besetzten Rico Engler und das 19-jährige Nachwuchs-Talent Tommy Kind. Die Erfurter Bubis begannen mit fünf Kickern (Nowak, Handke, Montabell, Ströhl und Carolus) aus dem Kader der I. Mannschaft. Aber nur Bekim Rinik Carolus durfte diese Saison bei den Profis bereits ran. 5. Minute - gleich der Schock für Lok. Einen Freistoß des überragenden Thomas Ströhl beförderte Manuel Starke aus 8 Metern in die eigenen Maschen. 0:1 per Eigentor - schlimmer hätte es nicht beginnen können. Auf der Gegenseite probierte sich Rico Engler aus 22 Metern (7.). Dann ein tolles Solo von Ströhl, der Torsten Jülich übers rechts einfach stehen lässt und aus 16 Metern den rechten Pfosten trifft (8.). Glück gehabt! Zehn Minuten später segelte ein Krauß-Freistoß von rechts in den Strafraum, doch René Ledwoch köpfte aus 7 Metern drüber. 23. Minute: Der Sturm-Riese Ivaylo Ivanov (2,02 m!) setzt sich auf links gegen Köllner durch. Den Kopfball aus 4 Metern kann Keeper Jan Evers nur in die Mitte prallen lassen, wo Fabian Montabell (spielte schon in der 1. Liga für Hannover) zum 0:2 aus 9 Metern abstaubte. Lok bis jetzt chancenlos, viele Fans rechneten wohl schon mit einer dicken Packung bis zum Spielende. Aber die Loksche zeigte Moral, ein Krauß-Freistoß aus 20 Metern strich knapp drüber (32.). Hoffnung dann in Minute 35. Nach einem weiten Einwurf von Stephan Knoof entwickelte sich Chaos im RWE-Strafraum. Am langen Pfosten beweist Anton "Die Maske" Köllner (nach einem Nasenbeinbruch mit einer Gesichtsmaske ausgestattet) übersicht und trifft mit links ins linke Eck aus 6 Metern zum 1:2. Euphorie nun in Probstheida - und die nutzt der junge Steven Aßmann für seinen ersten Pflichtspieltreffer. Nach einem Starke-Freistoß nimmt "Atze" das Leder volley und erzielt aus 14 Metern einen Traumtreffer ins linke Eck zum 2:2-Ausgleich. Probstheida stand schon jetzt Kopf. Auf der Gegenseite prüfte Montabell (Vorarbeit mal wieder von Ströhl) Evers aus 13 Metern (40.). Pause - durchatmen.

In Durchgang zwei erhöhte sich die Schlagzahl nochmals. Schon in der 48. Minute probierte es Tommy Kind aus 8 Metern per Kopf, aber Christopher Handke rettete per Kopf auf der Torlinie. Sekunden später zog Stephan Knoof aus 20 Metern einfach mal ab, doch Sebastian Bach kratzte die Kugel aus dem linken Dreiangel. Dann ein Konter über den flinken Tommy Kind über links. Der sieht an der Grundlinie im Rücken Rico Engler, der aus 10 Metern zum 3:2 einschob. Was für ein Jubel! Kurz darauf hebt Thomas Ströhl einen Freistoß aus 16 Metern nur knapp am linken Pfosten vorbei (54.). Dann die 60. Minute: Ströhl mit einem umstrittenen Freistoß von halb links. Am langen Pfosten lauert der lange Ivanov, der aus 10 Metern ins linke, obere Eck zum 3:3-Ausgleich einnickte. Doch Lok spielte weiter nach vorn, RWE aber mit der Chance zum 3:4. Diesmal bediente Ivaylo Ivanov Christoph Gröbel, der aber knapp links vorbei zielte (64.). Auf der Gegenseite versagten nach Engler-Zuspiel Tommy Kind die noch jungen Nerven (65.). Dann eine Ecke von Rico Engler von links - in der Mitte steht der agile René Ledwoch völlig frei und köpft aus vier Metern zum 4:3 ein. Doch der blau-gelbe Wahnsinn geht weiter! In der 69. Minute erkämpft der bärenstarke Ledwoch toll das Leder, schickt den flinken Rico Engler. Der tanzt seinen Gegenspieler aus, zieht aus 10 Metern aber knapp links vorbei (ein Abspiel auf Manuel Starke wäre hier wohl die bessere Wahl gewesen). Egal, weiter ging's! Kapitän Holger Krauß schlägt einen Freistoß von rechts in den Strafraum - und da steht wieder Ledwoch, der aus 8 Metern zur 5:3-Entscheidung einköpfte (76.). Jubel pur im Plache-Stadion, während sich "Ledi" seine Siegerfaust bei Michael Ballack abgeschaut haben dürfte. Erfurt gab aber nicht auf und hatte nur 60 Sekunden später die Großchance zum Anschlusstreffer durch Einwechsler Sarvan. Doch der wischte mit der Platte am Ball um Zentimeter vorbei. Alles klar dann in Minute 81: Ralf Schreiber läuft auf links allen davon. Bringt die Flanke Richtung Strafraumgrenze, wo Engler lauerte. Doch Bekim Carolus spritzt dazwischen und befördert den Ball per Kopfball-Bogenlampe aus 16 Metern ins eigene Netz zum 6:3-Endstand. Das sogar noch mehr möglich war, bewiesen die Großchancen von Engler (85.) und Joker René Heusel (90.). Aus, jetzt wurde per Gänsehaut gefeiert ...

Fazit: 1. Spieltag - ein unvergessliches Fußballfest. Der pure Wahnsinn, auch wenn das Ergebnis natürlich einige schwächen der Loksche übertüncht. Eine halbe Stunde lang sah der Aufsteiger aus Sachsen wie der sichere Verlierer aus, offenbarte viele Schwächen im Abwehrverbund. Doch mit Moral und etwas Glück kamen die Leipziger zurück und boten den Fans ein begeisterndes Fußballfest. Wiederholung erwünscht! Erfurt II bewies, trotz der Pleite, dass mit den Bubis zu rechnen ist. Besonders die Offensiv-Abteilung um Montabell, Ivanov und Ströhl zeigte sehenswerten Fußball. Für die Loksche geht es nächste Woche zum Aufsteiger aus Sachsen-Anhalt nach Wolfen. Gerne mit dem nächsten Offensiv-Leckerbissen ...

(von Chris Paul)