06. Spieltag  Oberliga Nordost-Süd  Saison 2008/2009
1.FC Lokomotive Leipzig

1. FC Lokomotive Leipzig

FSV Zwickau
2 1

Spieldaten
 
Datum
28. September 2008
Uhrzeit
13.30 Uhr
Spielstätte
Zentralstadion (Leipzig)
Zuschauer
5.575
Schiedsrichter
René Hammer (Ranis)
Torschützen
1:0 Höhn (63.), 2:0 Starke (75.), 2:1 Müller (82.)
Gelb
Jülich, Starke - Gasser, Pietsch
Gelb-Rot
Keine
Rot
Keine

Aufstellung
1. FC Lokomotive Leipzig
FSV Zwickau
1 Jan Evers
1 Denny Kallisch
17 Holger Krauß
Sascha Gillert
19 Anton Köllner
Robert Pietsch
6 Torsten Jülich
Sven Günther
3 Marcel Hensgen
Michael Gasser
23 David Quidzinski
Andy Müller
13 Stephan Knoof (ab 64. 7 Alexander Kunert)
Marcus Jazwinski (ab 67. Felix Lietz)
4 René Ledwoch
Philipp Masak (ab 33. Sebastian Meyer)
16 Manuel Starke
Axel Fuchsenthaler
22 Ralf Schreiber
Sebastian Helbig (ab 57. Fabio Pinto)
18 Steven Aßmann (ab 20. 14 Norris Höhn / ab 84. 25 David Reich)
Khvicha Shubitidze

Trainer
Rainer Lisiewicz
Peter Keller

   Interviews
Rainer Lisiewicz (Lok-Trainer)
"Das war ein verdienter Sieg. Die Standortbestimmung ist geglückt!"

Wertung

3,5 Sterne (Überzeugende Leistung der Loksche in der Offensive - besonders Nachwuchstalent Norris Höhn begeisterte mit seinem Treffer!)

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Spielbericht

Nach zwei sieglosen Auswärtsspielen hat Aufsteiger 1. FC Lok gestern die Oberliga-Spitze zurückerobert. Vor 5575 Zuschauern im Zentralstadion schossen der 17-jährige Norris Höhn (63.) und Manuel Starke (75.) die Tore zum verdienten 2:1-Erfolg über den FSV Zwickau. „Die alten Zeiten kommen wieder“, grüßte ein Fan-Transparent von den Rängen, obwohl der Fünftligist aus Probstheida noch weit von einstigen Großtaten wie Pokal-Triumphen und Europacup-Auftritten entfernt ist. Doch die alte, neue Lok entwickelt immer mehr Dampf. Auch wenn Vereins-Chef Steffen Kubald, Trainer Rainer Lisiewicz und Kapitän Holger Krauß die Tabellenführung unisono als „Momentaufnahme“ bezeichneten – die Euphorie wächst, die Mannschaft auch. Lok lockte doppelt so viele Besucher an wie tags zuvor Regionalligist FC Sachsen beim 0:4 gegen Rostocks Reserve, Lok dominierte dank resoluter Zweikampfführung die überraschten Zwickauer, Lok spielte den Aufstiegs-Aspiranten mit erfrischendem Angriffsfußball streckenweise an die Wand.  Dass die Partie nicht früh entschieden war, lag an der Unerfahrenheit der blutjungen Leipziger und am überragenden FSV-Keeper Danny Kallisch. Zunächst verstolperte der gleich zu Beginn an der Wade verletzte Steven Aßmann („Ich konnte kaum noch laufen“) freistehend (12.), danach musste der 20-jährige Stürmer für Höhn Platz machen. Lok drückte weiter, Verteidiger Anton Köllner, auch erst 21, scheiterte aus fünf Metern (22.) ebenso wie eine Minute später der 19-jährige Ralf Schreiber bei einem Lupfer (23.). Kallisch hielt super, Kallisch hielt alles, auch einen Klasse-Freistoß von Stephan Knoof (45.) und einen präzisen Starke-Kopfball (56.).  Zwickau um die zweitliga-erfahrenen Neuzugänge Sebastian Helbig und Kvicha Shubitidze sah lange kaum einen Stich. „Uns fehlte die Leidenschaft, das Engagement der Leipziger“, ärgerte sich Coach Peter Keller, „Respekt, wie sie das durchgezogen haben.“  Denn mit dem schönsten Angriff des Spiels über neun Stationen belohnte sich Lok doch noch. Torsten Jülich, mit 33 der älteste Akteur, passte auf den jüngsten, und Höhn vollendete spektakulär per Hacke – ein Traumtor. „Ich bin eben ein frecher Kerl und denke beim Fußball nicht nach“, grinste der A-Jugendliche, der vor zwei Jahren vom Landesligisten Rot-Weiß Berlin nach Leipzig gewechselt war.  Der FSV wehrte sich nun, das gutklassige, rassige Spiel wurde dramatisch. Ein Kopfball von Axel Fuchsenthaler (69.) sprang an den Innenpfosten und dann an die Hand von Jülich. Glück für Lok, das aber zurückschlug: Starke köpfte einen Knoof-Freistoß lehrbuchmäßig zum 2:0 ein.  Gelaufen war das Match immer noch nicht. Andy Müller (83.) verkürzte nach einem Sololauf. Lok zitterte, Lok konterte. Schreiber (90.+1) vergab allein vor Kallisch die Entscheidung und auf der Gegenseite Shubitidze bei einem Freistoß (90.+4) den Ausgleich. Warum der zuvor souveräne Referee René Hammer aus Ranis statt der angezeigten zwei Minuten volle vier nachspielen ließ, wird sein Geheimnis bleiben. Doch Lok rettete sich über die Zeit, ersparte allen Beteiligen eine erneute Schiri-Debatte und darf nun darüber diskutieren, wohin der Weg dieser talentierten, ehrgeizigen Mannschaft führt. „Die Standortbestimmung ist gelungen“, sagte Rainer Lisiewicz, „aber wir denken nur von Spiel zu Spiel.“ Weil das sehr nach Phrasenschwein klang, ergänzte der Trainer noch: „Träumen ist natürlich erlaubt.“

("Leipziger Volkszeitung" von Steffen Enigk)