21. Spieltag Oberliga Nordost-Süd  Saison 2008/2009
1.FC Lokomotive Leipzig

FSV Zwickau

1. FC Lokomotive Leipzig
0 3

Spieldaten
 
Datum
28. März 2009
Uhrzeit
13.30 Uhr
Spielstätte
Westsachsenstadion (Zwickau)
Zuschauer
4.012
Schiedsrichter
 
Martin Hofmann (Dachwig)
Torschützen
0:1 Köllner, 0:2 Engler, 0:3 Adamu (89./Eigentor)
Besonderes Vorkommnis

9-minütige Spielunterbrechung wegen Feuerwerkskörpern (46.)

Gelb
Pietsch, Troschke, Helbig, Meyer, Köcher - Jülich, Starke, Schreiber
Gelb-Rot
Keine
Rot
Keine

Aufstellung
FSV Zwickau
1. FC Lokomotive Leipzig
26 Falk Fährman
1 Jan Evers
2 Axel Fuchsenthaler
17 Holger Krauß
3 Sascha Gillert
19 Anton Köllner
4 Robert Pietsch
6 Torsten Jülich
6 Danny Troschke
3 Marcel Hensgen
8 Michael Gasser (ab 40. 5 Alexander Köcher)
 
22 Ralf Schreiber
10 Sebastian Helbig
7 Alexander Kunert
11 Sebastian Meyer
13 Stephan Knoof
13 Andy Müller (ab 69. 22 Fabio Araujo Pinto)
16 Manuel Starke (ab 86. 23 David Quidzinski)
19 Yakubu Adamu
21 Rico Engler (ab 78. 18 Steven Aßmann)
21 Khvicha Shubitidze (ab 61. 20 Philipp Masak)
10 René Heusel (ab 68. 8 Georg Froese)

Trainer
Peter Keller
Rainer Lisiewicz

   Interviews
Rainer Lisiewicz (Lok-Trainer)
"Das war eine reife Leistung von uns. Schon in der ersten Halbzeit hatte René Heusel drei Großchancen. Ich denke, dass auch die Höhe des Sieges insgesamt verdient ist."
Peter Keller (FSV-Trainer) "Das war heute eine riesige Enttäuschung. Die ersten 45 Minuten haben wir noch unsere Torchancen gehabt. Die Mannschaft hat viel zu wenig Kampf und Aggressivität gezeigt. Lok hat dagegen souverän und eiskalt gespielt. Das ist von uns zu wenig, um oben dabei zu sein. Heute hat die Gegenwehr gefehlt."

Wertung

3 Sterne (Ein souveräner Erfolg des 1. FC Lok im Spitzenspiel, der auch in dieser Höhe verdient ist. Zwickau enttäuschte seine Anhänger auf ganzer Linie!)

Einige Fotos folgen in Kürze!

Spielbericht

Spitzenspiel als Krisengipfel

Merkwürdige Ausgangslage vor dem Spitzenspiel der Oberliga Nordost, Staffel Süd: Der Erste aus Zwickau spielte im heimischen Westsachsenstadion gegen den Dritten aus Leipzig und trotzdem war es das Aufeinandertreffen zweier Teams in einer kleinen sportlichen Krise. Nur drei Pünktchen aus Unentschieden konnte der 1. FC Lok in den vergangenen drei Spielen einfahren. Im Vergleich zum Tabellenführer aus Zwickau waren das aber geradezu Luxusprobleme, denn die Westsachsen holten in derselben Zeit ein einziges, winzig kleines Zählerchen. Klar war also: Einen fußballerischen Leckerbissen konnte Fan bei den beiden psychisch angeknockten Teams im Vorhinein eigentlich nicht erwarten und nur der Sieger dieses Matches würde einen Befreiungsschlag im Aufstiegsrennen landen.

Muntere erste Halbzeit

Wer von den 4.012 Zuschauern – darunter etwa 1.500 Leipziger – gedacht hätte, dass beide Mannschaften in ihrer jeweiligen Situation erst einmal auf Abwarten spielen würden, sah sich schnell getäuscht. Schon nach sechs Minuten die erste dicke Chance für den FCL: Freistoß aus halblinker Position, alles spekulierte auf einen hohen Ball an den Fünfmeterraum, aber Käpt´n Krauß versuchte es mit einem Direktschuss auf den kurzen Pfosten, den Zwickaus Keeper Fährmann nur mit Mühe zur Ecke abklatschen konnte. Danach kehrte kurzzeitig etwas Ruhe ein, aber ab der 12. Minute begann dann endgültig der offene Schlagabtausch. Erst zog FSV-Kapitän Pietsch nur knapp am Tor von Evers vorbei (12.), eine Minute später schoss Sebastian Meyer mit einem strammen Drehschuss dem Lok-Keeper den Ball zum Glück direkt in die Arme. Eine weitere große Möglichkeit für die Zwickauer ergab sich in der 22. Minute, als Ex-Bundesliga-Profi Sebastian Helbig sich energisch auf dem rechten Flügel durchsetzte, aber seine gute Flanke konnte Torsten Jülich klären. Im direkten Gegenzug die große Chance für Lok, in Führung zu gehen: Engler geht auf der linken Seite durch, über Starke und Kunert kommt der Ball zu Heusel, der alleine auf´s Tor zugeht – aber der Fußballgott kann diese 120-Prozentige nicht in der Kiste unterbringen. Anschließend wird´s richtig gehend hektisch: Erst hat Gillert eine Chance für den FSV (28.), danach ist Meyer frei durch (35.), aber Evers ist schneller am Ball. Im Anschluss kommt es zu einem Disput zwischen dem Zwickauer Stürmer und Torsten Jülich, bei dem Meyer wohl plötzlich einen Schwächeanfall erleidet und zusammenbricht. Aber Schiri Hofmann fällt nicht auf die Schauspieleinlage herein und gibt den beiden Streithähnen zur Beruhigung die gelbe Karte. Vor der Halbzeit dann noch Chancen für Lok (35./Heusel) und Zwickau (40./Müller), aber mit dem 0:0 ging´s in die Kabine zum Pausentee.

Erst Idioten-Einlage, dann drei Lok-Tore

Die zweite Halbzeit hatte gerade begonnen, da traten die im Lok-Block die mitgereisten Vollidioten auf den Plan: Mehrere Leuchtraketen und Böller wurden in den Gästeblock und aufs Spielfeld befördert, woraufhin der Schiri das Spiel unterbrach und Steffen Kubald, Rainer Lisiewicz sowie mehrere Spieler versuchten, die Szenerie zu beruhigen. Nach sieben Minuten Pause ging´s dann weiter – und wie: Freistoß durch Krauß an den Fünfmeterraum und von dort köpfte der lange Köllner die Kirsche ins Tor (51.). Danach blieb es weiter rasant: Shubitidze scheiterte aus acht Metern an Fährmann (53.), zwei Minuten später nagelte Engler eine Direktabnahme aus 25 Metern an den Pfosten. Die allergrößten Vollpfosten waren jedoch weiterhin die sogenannten Lok-Anhänger, die es selbst nach eigener Führung nicht lassen konnten, weiter Böller zu zünden. Die Entscheidung dann in der 60. Minute: Krauß erobert den Ball, spielt steil auf Engler und der wie so oft mit einem Traumtor – erst umkurvt er drei Gegenspieler wie Slalomstangen und schiebt dann überlegt zum 2:0 ein. Der FSV danach zwar emsig um den Anschlusstreffer bemüht, aber gefährlich wurde fast nur Lok durch Konterfußball fast wie aus dem Lehrbuch. In der 66. Minute ein traumhafter Diagonalpass von Hensgen übers ganze Feld zu Heusel, aber seinen Schuss ins lange Eck kann Fährmann gerade noch um den Pfosten biegen. Wenig später war es wieder Engler, der seinen Gegenspieler mit einem Hackentrick stehen ließ, aber der eingewechselte Froese kam nicht mehr an seine Hereingabe (70.). Auch danach nur Chancen für unsere Blau-Gelben, aber weder Krauß mit direktem Freistoß (77.), noch Froese mit einem Schuss aus dem Liegen (78.) konnten auf 3:0 erhöhen. Kleine Slapstick-Einlage der Zwickauer am Ende: Der ansonsten gute Abwehr-Koloss Adamu spielt eine Rückgabe auf seinen Keeper, hatte jedoch nicht gesehen, dass dieser ihm schon entgegen kam – so trudelte der Ball ganz langsam, aber letztlich unaufhaltsam zum abschließenden 3:0 ins leere Tor.

Fazit: Lok spielte sich, besonders in der zweiten Halbzeit, eindrucksvoll aus der Mini-Krise und übernimmt – zumindest für einen Tag – den Platz an der Sonne. Dafür blamierten einige Wirrköpfe mal wieder den Verein – Nachspiel vor dem Verbandsgericht des NOFV und die zu erwartenden Nebengeräusche in der Presse inbegriffen.

(von Carsten Muschalle)