26. Spieltag  Oberliga Nordost-Süd  Saison 2008/2009
1.FC Lokomotive Leipzig

1. FC Lokomotive Leipzig

ZFC Meuselwitz
0 4

Spieldaten
 
Datum
10. Mai 2009
Uhrzeit
13.30 Uhr
Spielstätte
Bruno-Plache-Stadion (Leipzig)
Zuschauer
4.999 (ausverkauft)
Schiedsrichter
Stefan Lupp (Zossen)
Torschützen
0:1 Köllner (6./Eigentor), 0:2 Gasch (72.), 0:3 Müller (74.), 0:4 Bocek (79.)
Gelb
Jülich, Knoof, Krauß, Reich, Heusel - Müller
Gelb-Rot
Keine
Rot
Keine

Aufstellung
1. FC Lokomotive Leipzig
ZFC Meuselwitz
1 Jan Evers
1 Oliver Dix
17 Holger Krauß (ab 66. 21 Rico Engler)
2 Ladislav Jamrich
19 Anton Köllner
6 Frank Müller
6 Torsten Jülich
7 Mirko Kotowski
24 Robert Roscher
8 René Weinert
13 Stephan Knoof
10 Felix Hesse
25 David Reich
13 Sebastian Gasch (ab 78. 23 Michael Rudolph)
4 René Ledwoch (ab 15. 15 Sven Hellmund)
14 Carsten Weis (ab 53. 17 Philipp Riese)
18 Steven Aßmann 
18 Karsten Oswald
22 Ralf Schreiber
20 Daniel Ferl
8 Georg Froese (ab 56. René Heusel)
21 Martin Bocek (ab 84. 15 Mirko Graf)

Trainer
Rainer Lisiewicz
Damian Halata

   Interviews
Rainer Lisiewicz (Lok-Trainer)
"Glückwunsch an Meuselwitz. Wir hatten uns viel vorgenommen und wussten, dass wir bei einer Niederlage mit dem Aufstieg nichts mehr zu tun haben werden. Wir hatten durch Schreiber die Riesen-Chance zum Ausgleich. Meuselwitz hat heute unsere Schwächen aufgezeigt und nach der Verletzung von Krauß haben wir in der Abwehr die Quittung bekommen."
Damian Halata (ZFC-Trainer) "Wir haben heute einen Mitkonkurrenten geschlagen und konnten so die Tabellenspitze verteidigen. Noch ist aber ein ganz weiter weg für uns. Mich stimmt die Vorstellung aber optimistisch für die weiteren Spiele. Ich bin Stolz drauf, wie cool meine Jungs hier aufgedrehten sind - sie haben sich nicht verrückt machen lassen und Lok zu Fehlern gezwungen. Am Ende war es ein souveräner Erfolg!"

Wertung

2,5 Sterne (Meuselwitz gewinnt verdient das Spitzenspiel, da Lok die einzige Großchance nur Schreiber nicht nutzen konnte. Nach dem Ausfall von Kapitän Krauß nutzten die Gäste die Lücken!)

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Spielbericht

Sekt oder Selters

Alles oder Nichts! Die Ausgangslage vor dem Oberligakracher im rappelvollen Bruno-Plache-Stadion – am Ende waren es genau die erlaubten 4.999 Zuschauer – ist glasklar: Will der 1. FC Lok noch in den Aufstiegskampf eingreifen, zählt nur ein Sieg. Auch ein dreckiger – mit Kratzen, Kämpfen, Beißen und einem Glückstreffer in der 95. Minute – aber es müssen eben drei Punkte her. Doch auch der Gast aus Meuselwitz steht unter Druck. Weil am Samstag Auerbach gegen Markranstädt einen 1:0-Sieg ermauert hat, muss auch die Truppe von Damian Halata unbedingt gewinnen, um selbst wieder den Platz an der Sonne erklimmen zu können. Bei den Zipsendorfern wieder mit dabei: Kapitän und Reizfigur Karsten Oswald, der nach abgesessener Roter Karte heiß wie Frittenfett sein dürfte und Sturmlatte Martin Bocek, der im Hinspiel am Ostersonntag noch mit Gelbsperre auf der Tribüne brummte. Beim 1. FC Lok fehlt Mittelfeldmotor Manuel Starke, der sich beim Auswärtsspiel in Halberstadt in einem unglücklichen Zweikampf das Nasenbein gebrochen hat. Zudem sitzt Rico Engler zunächst nur auf der Bank, weil Coach Rainer Lisiewicz gegen die giftigen Gäste eine defensive Ausrichtung und Konterfußball favorisiert. Dafür dürfen diesmal David Reich und Robert Roscher von Beginn an ran. Weiterhin verletzt sind zudem Alexander Kunert (Zerrung) und Tommy Kind (Schulter ausgekugelt).

Lok engagiert, Meuselwitz mit dem Tor

Lok beginnt ungemein engagiert und wach, leistet sich jedoch nach sechs Minuten einen folgenschweren Fehler: Die FCL-Abwehr will auf Abseits spielen und verschätzt sich bei einem Oswald-Pass, den Sebastian Gasch erreicht und gefährlich aufs Tor bringt. Jan Evers kann zwar zunächst mit einer Glanzparade abwehren, aber der Nachschuss von René Weinert, den Anton Köllner auch noch unglücklich abfälscht, zappelt – unhaltbar für den Keeper – im Netz. Der 1. FC Lok danach zwar weiter sehr bemüht, aber gegen die nun noch defensiveren Meuselwitzer mit wenig durchschlagenden Aktionen: In der 11. Minute schickt Georg Froese Ralf Schreiber auf dem rechten Flügel auf die Reise, aber anstatt zurück in die Mitte zu Froese zu schieben, versucht er es aus halbrechter Position selbst, verzieht aber um einige Meter. Und auch wenig später fehlt Schreiber die nötige Abgeklärtheit: Steven Aßmann erkämpft den Ball, spielt steil auf den blonden Flügelflitzer, der völlig frei vor ZFC-Keeper Oliver Dix auftaucht. Schreiber wartet lange mit seinem Schuss, aber Dix wartet noch länger und wehrt mit einer klasse Fußparade ab. Danach passiert lange nichts mehr, bis gegen Ende der ersten Hälfte die Gäste einige gefährliche Konter setzen können, doch Karsten Weis nach schönem Pass von Gasch(36.) und Weinert (37.) treffen das Tor nicht. Strittige Szene dann kurz vor dem Pausentee: Aßmann zieht gegen drei Meuselwitzer in den Strafraum, wird von den ZFC-Spielern ordentlich in die Mangel genommen, aber Schiri Stefan Lupp entscheidet auf weiterspielen.

Meuselwitz kontert Lok aus

Auch in der zweiten Halbzeit das bei diesem Spielstand zu erwartende Bild: Lok versucht mit aller Macht, den Ausgleichstreffer herbei zu kämpfen, aber Meuselwitz steht clever hinten drin, macht die Räume eng und den Leipzigern so das Leben schwer. Weil sich so auf beiden Seiten kaum Spielfluss entwickelt, gibt es die erste Chance in der 67. Minute, als sich David Reich ein Herz fasst und aus 20 Metern einfach mal drauf hält, aber die Kirsche geht Zentimeter am Tor vorbei. Als Holger Krauß nach Foul von Frank Müller vom Feld musste (67.), folgte der Knock-Out für den FCL: Schöne Flanke in den Lok-Strafraum, dort steigt Gasch hoch und erzielt mit einem Lehrbuch-Kopfball das vorentscheidende 2:0 (72.). Lok folgerichtig noch offensiver und Meuselwitz nun mit soviel Platz wie sonst wahrscheinlich nur im Training. Ergebnis waren zwei einfache Kontertore durch Müller (74., schöner Schuss ins linke Angel) und Bocek (79.). Am Ende hätte Müller fast noch das fünfte Tor erzielt, doch sein Schuss strich knapp am Kasten vorbei (89.) – wenig später war das Spiel dann zum Glück zu Ende.

Lok fehlt Kreativität und Abgeklärtheit

Der Mannschaft kann heute niemand einen Vorwurf machen. Sie rannte und kämpfte von der ersten bis zur letzten Minute, gab wirklich alles und kam am Ende trotzdem böse unter die Räder. Die abgezockten Meuselwitzer zeigten gnadenlos auf, woran es beim FCL in dieser Saison allzu oft haperte – an spielerischer Klasse, den entsprechenden Ideen und an der nötigen Abgeklärtheit. Doch wer will unserer insgesamt sehr jungen und ersatzgeschwächten Mannschaft verdenken, dass es an dieser und jener Stelle noch deutliche Reserven gibt. Die Fans jedenfalls nicht, denn sie feierten die Spieler nach dem Ende der Partie mit Sprechchören und Standing Ovations, auch wenn die Aufstiegsträume nun wohl endgültig ausgeträumt sind.

(von Julia Kuhn und Carsten Muschalle)